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Dann schlich sich der Alkohol in sein Leben

        
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Kreuzungsbereich Wischhusenstr./ Grünzug West (Bremen Gröpelingen)
 
Kreuzungsbereich Wischhusenstr./ Grünzug West (Bremen Gröpelingen): Anwohner haben die Bänke im Pflasterrondell, einem Alkoholiker-Treffpunkt, abgebaut. (vgl. nächstes Bild)








Bänke im Bereich Offenwarder Str./ Grünzug West (Bremen Gröpelingen)
 
Im Bereich Offenwarder Str./ Grünzug West (Bremen Gröpelingen), einem etwas weniger bewohnten Bereich, wurden stattdessen neue Bänke aufgestellt.
(zurück zu Bild 1)








  Leseprobe aus einer zehnseitigen Reportage: Am Donnerstag, den 25.11.1999, von 9:30 bis 16:30 hat Klein Mexiko den Sozialarbeiter Jonas Pot d’ Or auf seiner Tour durch Gröpelingen begleitet. Er betreut in diesem Stadtteil Bremens eine bestimmte Gruppe von Arbeitslosen: Seine Klienten sind in der Regel mehr oder minder alkoholabhängig. Sie treffen sich an bestimmten Punkten im Grünzug West.
 
(...)
ca 12:15
Nachdem Karl gegangen ist, brechen Jonas P. und ich auf, um Fritz in seiner Wohnung in der Greifswalder Straße zu besuchen. Fritz kommt oft zum Treffpunkt im Bereich Offenwarder Straße/ Grünzug (vgl. Bilder links). Jonas P. erzählt mir während der Fahrt, dass Fritz früher Hafenarbeiter war. Er belud Container. Irgendwann zerbrach seine Ehe. Als es mit dem Hafen und mit seiner Firma bergab ging und Enlassungen anstanden, ist er anstelle eines Kollegen mit Familie in die Arbeitslosigkeit gegangen. Über drei Jahre hielt er Kontakt zu seiner alten Firma. Er hatte die Hoffnung, bei besserer Auftragslage wieder eingestellt zu werden. Vom Arbeitsamt erhielt er auch keine geeigneten Angebote. Er hat sich an sein altes Berufsfeld geklammert. Auch einen Ortswechsel hat er nicht in Betracht gezogen. Als nach drei Jahren auch die anderen alten Kollegen peu à peu gehen mussten, sah er die Aussichtslosigkeit seiner Strategie ein. Die alten Kontakte gingen nun zwangsläufig mehr und mehr verloren. Neue Kontakte gab es nur unter Arbeitslosen. Langsam schlich sich der Alkohol in sein Leben.
Bevor wir klingeln, sagt Jonas P. mir, dass Fritz ihm ziemlich vertraut sei. Fritz begrüßt uns vor der Wohnungstür. Er ist etwa fünfzig Jahre alt. Sein Haar ist schon grauweiß. Er trägt einen Trainingsanzug. Schon an der Art, wie er uns in seine kleine Wohnung bittet, merkt man, wie er sich über unseren Besuch freut. Wir sind nicht die ersten Gäste. Ein Kumpel in Lederjacke und mit meliertem Dreitagebart sitzt schon auf dem Sofa. Die Wohnung ist sehr eng. Aber sie ist gemütlich und mit einigem Geschick hergerichtet. Die kleine Kochnische und das Wohnzimmer sind mit einer thekenartigen Durchreiche verbunden. Die Wände sind liebevoll dekoriert, zum Beispiel mit einem Setzkasten. Alles ist sehr sauber und gepflegt. Nach kurzer Zeit kommen noch zwei Besucher, Karsten und Grete. Karsten hat eine Lederjacke an, Grete hat trotz der Kälte nur ein Sweatshirt übergezogen. Beide sehen trotz ihrer ausgemergelten Gesichter nicht wie Menschen aus, die sich vernachlässigen. Karsten hat wie auch Fritz große Zahnlücken. Grete hat offenbar überhaupt nur noch wenige Zähne. Die Besucher haben ihr Bier mitgebracht. Es wird eifrig getratscht. Ein Kumpel vom Treffpunkt mit dem Spitznamen ‘Kugelblitz’ hat Bremen fast fluchtartig in Richtung seiner alten Heimat Rostock verlassen, ohne sich von den anderen Treffpunktbesuchern zu verabschieden. Man vermutet, er habe sich hier nie heimisch gefühlt. Im übrigen habe sich der Mitleidsbonus für Ostdeutsche aufgebraucht. Fritz' erster Gast, offenbar auch ein Ostdeutscher, schweigt dazu, obwohl er von den anderen provoziert wird.
Wegen eines anderen Kumpels vom Treffpunkt hat Fritz schon sechsmal auf die Mailbox des Mobiltelefons von Jonas P. gesprochen, was übrigens auch nicht gerade billig ist: Wilfried ist schwer erkrankt. er braucht mit einunddreißig Jahren(!) ein neues Hüftgelenk. Fritz bittet Jonas P., er solle Wilfried doch möglichst bald aufsuchen. Jonas P. möchte für die Besucher des Treffpunktes einen Restaurantbesuch mit Spieleabend organisieren, entweder beim Chinesen mit Backgammonspiel oder beim Italiener mit Kegeln. Die Wahl fällt auf letzteres. Jonas P. wird Fritz anrufen, um ihm den Termin mitzuteilen. Fritz wird die Information dann weitergeben. Jonas P. und ich brechen auf zum Treffpunkt an der Philippuskirche. Dort hat P. unter Mitwirkung anderer Institutionen (Ortamt, Polizei etc.) einen Unterstand für Treffpunkt-Besucher errichten lassen.  
(...)  


vgl. auch:

Wieder besucht (1)

Plätze (1)

Ein Obdachloser in der Nacht

'Bänke'

Weitere Themen des Heftes:

Interview: Streetwork in der offenen Szene

Interview: Kops Gröpelingen

Reportage: Offene Drogenszene Sielwall

Interview: Tabakhändler an offener Szene

Interview: Kops im Viertel (offene Szene)
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