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Nr. 2/2010, Bremen, den 3.2.2010, Nr. 301,   13 Jahre Jan Frey, Verlag: Danksagung

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Reicher will Zeitungsboten Geld schenken
Rich man wanted to give a paper man money  English version 

        
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Handschuh, mit dem ich zwei Winter lang (ca. acht Monate) Zeitungen verteilt habe
Dies ist ein Handschuh, mit dem ich zwei Winter lang (ca. acht Monate) Zeitungen verteilt habe.

  Etwa vierzigtausend Zeitung sind in dieser Zeit durch meine Hände gegangen.

Die einzige Macht, die der Plünderung der Zukunft Widerstand leisten könnte, hätte eine sozialpsychologische Neuerfindung der ‚Gesellschaft' zur Voraussetzung. Sie wäre nicht weniger als eine Revolution der gebenden Hand. Sie führte zur Abschaffung der Zwangssteuern und zu deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit - ohne dass der öffentliche Bereich deswegen verarmen müsste.
Aus: Die Revolution der gebenden Hand
Von Peter Sloterdijk
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Juni 2009

 
Dienstag, den 19.1.2010

Wenn man als Zeitungsbote nachts unterwegs ist, trifft man ab und zu Menschen, denen man am hellen Tag nicht begegnen würde. Ich hole meine Pakete mit den Zeitungen an einer großen Tankstelle ab, die Tag und Nacht geöffnet ist. An einer solchen Tankstelle strandet auch mancher Mensch, dessen Leben aus dem Takt geraten ist.
 
Als ich neulich zu nachtschlafener Zeit meine Zeitungen sortierte und in Tasche und Anhänger packte, sah ich aus dem Augenwinkel eine große, silberfarbene Limousine heranfahren.
  Der Wagen hielt direkt hinter meinem Rücken. Ein junger Mann im Pullover stieg aus der Fahrertür und fragte in den Wagen hinein: 'Der Kaffee süß oder sehr süß?'
 
Wenig später hörte ich aus der Richtung der Limousine eine lallende Stimme rufen: 'Hallo ... he ... hallo!' Ich hütete mich, mich umzudrehen. Es sollte mir nicht viel nützen. Nach kurzer Zeit stand neben mir ein großer Mann mittleren Alters, der einen edlen, grauen Anzug trug und mit einem Geldschein wedelte.
 
Wieder kam das 'Hallo ... he ... hallo, Sie!' Ich sagte dem Mann, dass ich keine Zeit habe und arbeiten müsse. Er antwortete, dass er mir Geld schenken wolle. Ich sagte ihm, dass ich sein Geld nicht wolle. Sein nächstes Argument war, dass er mir den Schein geben wolle, weil er nicht wisse, wohin mit seinem Geld. Da wurde es mir zu bunt und ich herrschte ihn an. ‚Dann stecken Sie sich Ihr Geld in den ..... !'
 
Das war deutlich genug. Er trollte sich und rief schließlich wutentbrannt aus dem Wagenfenster in meine Richtung: ‚Es gibt doch Leute, die sind echt krank!' Der Chauffeur kam mit dem Kaffee, der Wagen rauschte davon und ich hatte wieder meine Ruhe.

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Höhere Tochter will einem Boten Zeitung abschwatzen

Bitte lesen Sie auch Charlie Dittmeiers Bericht über die Autos der schmalen Oberschicht in Kambodscha. Der Bericht datiert vom 31. März 2008. Der Link führt auf die letzte Notiz des Tagebuches. Bitte nach unten scrollen!
 
Bitte beachten Sie auch die Informationen der internationalen Plakatgruppe Loesje, die junge Menschen in Europa und Asien zu Botschaftern der sogenannten UN-Milleniumsziele für Armutsbekämpfung ausbildet.

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Freitag, den 19.2.2010.

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