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Nr. 3/2009, Bremen, den 30.1.2009, Nr. 278,   12 Jahre Jan Frey, Verlag: Danksagung

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Blickwinkel (2)
Angles of Vision (2)  English version 

        
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Das Tor zu einem großen Industriebetrieb in der Stadt wirkt abweisend.

  Es verstellt den Blick auf das Gelände weitgehend.

Das Foto zeigt den Blick auf das Gelände von einem Wall aus, der unmittelbar an dem Tor liegt.

  Man hat einen viel besseren Überblick über das Gelände.

Vor einigen Tagen wollte ich von einer Fußgängerbrücke aus ein Foto machen, das einen Teil eines sehr großen Industriebetriebs aus der Vogelperspektive zeigen sollte. Aber als ich vor Ort war, mußte ich feststellen, dass diese Brücke nur in meiner Vorstellung existierte.
 
Schließlich fand ich an einer anderen Stelle einen hohen Erdwall, der vor der Umzäunung des Betriebsgeländes aufgeschüttet worden war. Ich kletterte auf den Wall und machte ein Foto. Die Umzäunung, die zuvor noch mächtig und abschreckend gewirkt hatte, verschwand aus dem Blickfeld. Ich hatte einen guten Überblick über einen Teil des Betriebsgeländes. Ich sah gigantische Fabrikgebäude mit den schmalen Bändern von Fenstern, die wie Sichtschlitze wirkten. Ich überblickte den Parkplatz vor den Hallen, auf dem dicht an dicht ein Heer von Autos stand.
 
Ich ging etliche Meter weiter auf dem Wall. Von meinem neuen Standpunkt konnte ich einen anderen, größeren Teil des Betriebsgeländes einsehen. Doch letztlich war auch hier das Bild trostlos: riesige Parkplätze, lange, hohe Hallen mit schmalen Fensterreihen. Dennoch machte ich ein paar Fotos.
 
Nach einer Weile fuhr ein Auto in die Nähe des Zaunes. Ein uniformierter Mann stieg aus und begann mich zu befragen. Ich sagte ihm, dass ich legalerweise von öffentlichem Grund und Boden aus Fotos vom Werksgelände mache. Ich fügte treuherzig hinzu, dass ich nicht einmal ein Teleobjektiv benutzen würde. Als er versuchte, mich immer weiter auszufragen, sagte ich ihm, dass ich meiner Ansicht nach nun genug Auskunft gegeben habe. Da er hinter dem Zaun und tief unten, ich aber vor dem Zaun und hoch oben war, gab er auf und fuhr weg. Wenig später fuhr ein Wagen der Werksfeuerwehr langsam am Zaun vorbei.
 
Schließlich stieg ich vom Wall herab und fuhr nach Hause. Auf der Straße vor dem Wall gingen etliche Leute spazieren, deshalb vermutete ich, dass viele Angestellte der Fabrik gerade Mitttagspause machten.
 
  Ich fuhr an ihnen vorbei auf meinem Fahrrad mit den auffälligen Packtaschen, die verraten, dass ich die hiesige Regionalzeitung austrage.
 
Während ich nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, ob man auch in der Welt der Begriffe auf erhöhte Punkte steigen kann, um die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mir fiel ein, dass die Menschen, die in den Hallen arbeiten, normalerweise Arbeitnehmer genannt werden. Aber ‚nehmen' sie wirklich ‚Arbeit'? Geben sie nicht auch ‚Arbeitskraft' an den Arbeitgeber? Sind sie nicht auch Arbeitskraftgeber?
 
An einem der nächsten Tage fiel mir ein, dass vor einigen Jahren mein damaliger Chef von einer Ausbildungsstätte, die ich zuvor besucht hatte, rechtswidrig detaillierte Informationen über meine Person erhalten hatte. Als ich über diese Geschichte nachdachte, verließ mich der Mut, die Bilder, die ich ein paar Tage zuvor gemacht hatte, zu veröffentlichen.
 
Während ich morgens Zeitung austrage, mache ich oft Probleme mit mir allein aus. Neulich bin ich zu dem Beschluß gekommen, zwei der Fotos zu veröffentlichen, weil Selbstzensur mir die Freude an der Arbeit nehmen würde.


vgl.
Blickwinkel 1

Blickwinkel 3

Blickwinkel 4

Schnittstellen 1

Eingänge großer Autohäuser

Park an der Ecke Sebaldsbrücker Heerstraße/ Mercedesstraße in Bremen

Bitte lesen Sie auch Charlie Dittmeiers Bericht über Handwerker in Phnom Penh, die in schwindelnder Höhe arbeiten. Der Bericht datiert vom 15. Oktober 2007. Der Link führt auf die letzte Notiz des Jahres. Bitte ggf. nach unten scrollen!

Bitte beachten Sie auch die Informationen der internationalen Plakatgruppe Loesje, die junge Menschen in Europa und Asien zu Botschaftern der sogenannten UN-Milleniumsziele für Armutsbekämpfung ausbildet.

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Freitag, den 13.2.2009

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