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Nr. 3/2012, Bremen, den 3.2.2012, Nr. 343,   15 Jahre Jan Frey, Verlag: Danksagung

Foto-Notizblock: Entgrenzung von Nischen für Bettler


        
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ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 003-12:
FOTO-NOTIZ- BLOCK: ENTGRENZUNG VON NISCHEN FÜR BETTLER




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Bettler in einer Bankfiliale

Dieses Foto habe ich am Mitte Januar am frühen Abend aufgenommen - mit meiner neuen, kleinen Digitalkamera, die ich jetzt fast immer mit mir führe. Es handelt sich hier ganz offensichtlich nicht um ein gutes und scharfes Foto. Das tut mir einerseits leid, andererseits bin ich froh darüber, dass die Unschärfe die dargestellte Person und den Ort weniger identifizierbar macht.
 
Ich habe von draußen einen Bettler fotografiert, der, mit dem Rücken an eine Glaswand gelehnt, in einem Gebäude saß, in dem sich auch eine Bankfiliale befindet. Wenn er seinen gesenkten Kopf gehoben hätte, hätte er auf eine Reihe von Geldautomaten geschaut. Vor ihm stand ein Pappbecher. Unmittelbar hinter dem Becher befand sich - soweit ich das im Vorbeigehen erkennen konnte - eine Art Pappe im DIN-A-4-Format. Die Oberfläche dieses Kartonpapiers glänzte, als sei sie mit einer Plastikfolie geschützt worden. Ich meine, auf diesem Karton das Titelbild einer Obdachlosenzeitung gesehen zu haben. Exemplare dieserer Zeitung waren aber nicht zu sehen.
 
Der Mann selbst war in einen langen, dunkelblauen Mantel gehüllt, der ebenso wie die Strickmütze, die er trug, auf den ersten Blick keineswegs verschlissen erschien.Er murmelte halblaut: ‚Bitte eine kleine Spende für eine Obdachlosenzeitung.'Die Szenerie erschien mir aus mehreren Gründen berichtenswert: Zunächst habe ich es noch nie gesehen, dass ein Mensch in den Räumen einer Bankfiliale bettelt. Zweitens bat der Mann um eine Spende für eine Obdachlosenzeitung, die er aber, so weit erkennbar, nicht zum Verkauf vorhielt.
 
Schließlich war bisher für Menschen, die scheinbar oder wirklich für eine ‚Obdachlosenzeitung' tätig waren, die Tür etwa einer Bankfiliale eine Grenze, die sie nicht überschritten haben.
 
Ich habe selbst schon oft sehr wenig Geld gehabt. Die Vorstellung, einmal betteln oder auf der Straße musizieren zu müssen, ist mir nicht fremd. Auch habe ich schon in früheren Jahren im Eingang eines Supermarktes gestanden und Exemplare von gedruckten Ausgaben dieser Zeitung verkauft. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat mich die Szene erschreckt: Sie hat mir eine Vorstellung davon vermittelt, wie eng die Nische, in der arme Menschen um milde Gaben konkurrieren, noch werden kann.
 
Nachtrag: Neulich war ich wieder in dem Gebäude, in dem auch die besagte Bankfiliale ist. In einem Durchgang sah ich einen jungen Mann, der mich an jenen Bettler erinnerte. Er lief in diesem Durchgang auf und ab. Manchmal blieb er in einer Nische stehen. Ich ging auf ihn zu und fragte ihn, ob er vor einigen Tagen bettelnd in einem Raum der Filiale gesessen habe. Er bestätigte vieles von dem, was ich damals nur im Vorbeigehen registriert hatte. Allerdings muß ich mich nach dieser Begegnung in einem Punkt korrigieren: Die Kleidung des jungen Mannes, die offenbar noch dieselbe war wie bei der ersten Begegnung, war bei genauerer Betrachtung doch ziemlich zerschlissen. Insgesamt wirkte er so, als ob er obdachlos sei und vielleicht auch ein wenig verwirrt.

Vgl. auch:

Bettler vor dem Supermarkt

Begegnung mit Bettlern vor einem Verbrauchermarkt

Straßenmusikanten vor Verbrauchermärkten

Grenzverschiebungen: arm und reich


Bitte werfen Sie auch einen Blick auf Charlie Dittmeiers kleinen Bericht über die bettelnde Mönche in Kambodscha.

 
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Freitag, den 17.2.2012

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