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Nr. 3/2013, Bremen, den 8.2.2013, Nr. 369,   10 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Pfandflaschensammler


        
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Mülltonnen und Abfallbehälter

Auf einem meiner gelegentlichen Streifzüge durch die Nacht sah ich in der Nähe einer großen Tankstelle einen älteren Mann, der ein Fahrrad schob, das mit etlichen prall gefüllten Plastiktüten behängt war. Als ich näher trat, blickten mich durch die runden Gläser einer altmodischen Brille zwei Augen an, aus denen ich Erschöpfung und auch ein wenig Resignation zu lesen glaubte. Um ins Gespräch zu kommen, sagte ich: ‚Na, wie läuft's Geschäft?' ‚Ach, gestern hatte ich mehr,'antwortete der Mann wie selbstverständlich. Jetzt konnte ich auch erkennen, von was mehr gestern in den Taschen gewesen sein sollte: Pfandflaschen und -dosen. Der Alte erzählte, dass er schon die halbe Nacht unterwegs sei.
 
Ganz offensichtlich war er froh, jemanden zu treffen, dem er etwas erzählen konnte. So erfuhr ich, dass er viele Jahre lang als Alleinunterhalter auf Festen war. Er prahlte damit, wie gut er die Leute in Stimmung gebracht habe. Viele seiner Kollegen hätten sich bei ihm etliches abgeschaut. Das seien schon tolle Zeiten gewesen, damals. Aber dann rückte er auch damit heraus, was damals nicht so toll gelaufen sei. Er habe halt viel Geld verdient, aber nicht für die Rente vorgesorgt. Jetzt müsse er nachts heraus an die Mülltonnen und Pfandflaschen sammeln.
 
Ein paar Wochen später traf ich ihn an derselben Stelle wieder. Er wirkte bedrückt. Ich erfuhr schließlich, dass er vor einigen Tagen zusammengeschlagen worden war. Es sind im Geschäft des Pfandflaschen-Sammelns auch wohl organisierte Gruppen unterwegs, die Revieransprüche erheben und mit brutaler Gewalt verteidigen.
 
In seinem Fall sei es eine Gruppe von Leuten gewesen, die offenbar aus ihrem bitterarmen Heimatland am Rande der EU nach Deutschland gekommen sind.
 
Als ich mich gerade von ihm verabschiedet hatte, brauste ein kleiner Transporter vorbei, der so aussah wie ein Fahrzeug eines Straßenreinigungsdienstes. Jemand lehnte sich aus dem Fenster der Beifahrertür und rief dem Flaschensammler in einem höhnischen Ton etwas zu, was ich nicht verstand. Ich kehrte wieder um und fragte den alten Mann, was man ihm zugerufen habe. Sichtlich erregt schnaufte er: ''Der hat gesagt ‚Such dir `mal `ne vernünftige Arbeit!' ''
 
Vor einigen Tagen stand ich an einer Straßenbahn-Haltstelle gegenüber einem großen Kaufhaus in der Innenstadt. Mit ziemlich eiligem Schritt steuerte ein älterer Herr in Jogginganzug und mit Basecap eine Mülltonne nach der anderen an. In der einen Hand hielt er mit verkrampftem Griff zwei leere Getränkedosen. Als er auf meiner Höhe war, fragte ich ihn, was denn eine Dose bringe. Er murmelte etwas von 25 Cent. Ich sah in sein Gesicht. Hätte man ihn in einen Anzug gesteck, hätte er mit seinem vollen Gesicht auch für einen durchreisenden Geschäftsmann durchgehen können. Er hastete weiter. Bald beugte er sich über die Abfalltonnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite - ohne Erfolg. Schließlich verschwand er im Kaufhaus.
 
Nicht verschwunden ist jedoch der alte Alleinunterhalter. Kürzlich habe ich ihn noch gesehen - Pfandflaschen sammelnd.

Ein Abfallsammler und ein Pfandflaschensammler

Ein Bettler aus einem Land vom Rand der Europäischen Union

Ein Flaschensammler und Katzenfreund

Bitte werfen Sie auch einen Blick auf Charlie Dittmeiers Bericht über Flaschensammler in Phnom Penh. Der Bericht datiert vom 14. Dezember 2010. Der Link führt auf die letzte Notiz des Tagebuches. Bitte nach unten scrollen!
 
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Freitag, den 22.2.2013

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