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Folge 9b/2005, Bremen, den 28.03.2005 (Nr.183)   3 Jahre kleinmexiko.de: Dank allen HelferInnen
English summary

Wieder besucht (14 b)
Revisited places (14b) English summary

        
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Der Staat nur = W e rk z e u g des Proletariats in seinem Klassenkampf. Ein besonderer Knüppel, rien de plus.

W.I. Lenin: Über die Diktatur des Proletariats

24.03.2005
Ich streife weiter durch das Haus. Ich gehe einen Flur entlang, den ich früher benutzt habe, um zu meinem Vermittler zu gelangen. Auf diesem Flur entdecke ich eine lange Warteschlange. Ich erfahre, dass die Leute sich hier für den Besuch bei den Sachbearbeitern der neuen staatlichen Wohlfahrtsunterstützung anmelden. Ich sehe viele junge Leute, viele AusländerInnen und auch Kinderwagen. Manches abgezehrtes, früh gealtertes Gesicht fällt mir auf.
 
Als ich an der Schlange vorbei weiter in die Tiefe des Gebäudes gehen will, werde ich von einem mediterran aussehenden Mann in dunkelblauem Anzug aufgehalten und gefragt, wohin ich wolle. Ich sage wahrheitsgemäß, was ich hier treibe. Dann frage ich den Mann nach seiner Aufgabe. Er erklärt mir in ziemlich gebrochenen Deutsch, im Augenblick sei es seine Aufgabe, Menschen die in Gegenrichtung an der Schlange vorbei nach alter Gewohnheit das Haus verlassen wollten, zum neuen Ausgang zu lenken, an dem sie gerade vorbeigegangen seien.
 
Er sei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Unter anderem müsse er sich auch um vornehmlich junge Leute kümmern, die aus irgendeinem Grunde anfangen würden zu 'springen'. Mit 'Springen' meint er offenbar 'aggressiv werden'. Er versuche, keine Gewalt anzuwenden, sondern - wie er es nennt - 'freundschaftlich' vorzugehen. Er räumt ein, dass seine Sprachkenntnisse nicht so gut seien, aber er könne - so sagt er sinngemäß - die Gefühle der Leute ganz gut lesen und mit ihnen umgehen. Ich frage ihn nach seinem Geburtsland. Er ist Kosovo-Albaner.
 

 
Ich gehe weiter den Flur hinunter. Dort befinden sich Büros, in denen Menschen betreut werden, die die neue Wohlfahrtsunterstützung empfangen. Ich setze mich auf einen Stuhl, um ein paar Aufzeichnungen zu machen. Von einer Mitarbeiterin des Hauses erfahre ich, dass sie momentan viele Vertretungen von Kollegen machen müssten. Einer der Wartenden geht in ein Büro, kommt aber bald wieder heraus und geht in ein anderes Büro. Die Tür steht auf. Ich bekomme zwangsläufig mit, dass der Mann in den nächsten Tagen eine Arbeitstelle antreten soll. Er soll einem Hausmeister an einer Schule zur Hand gehen. Es handelt sich vermutlich um einen sogenannten Ein-Euro-Job: D.h. der Mann wird zu seiner Sozialhilfe einen Euro pro Stunde hinzuverdienen durch seine Arbeit als Hilfshausmeister. vgl Ein-Euro-Shop
 
Ich streife weiter herum. Ich komme in einen Bereich, der noch Zimmernummern trägt, wie ich sie vom Arbeitsamt alten Stils kenne.Ich entdecke die Zone, in der früher 'meine Anmeldung' war. An der Glastür klebt ein Zettel 'Anmeldung im Erdgeschoß'. Der Raum wirkt verwaist. Ich sehe keinen Computer. Die Telefone stehen auf der Fensterbank. In der Wartezone sitzt ein junges Mädchen. Ich frage sie, worauf sie hier warte. Sie sagt, sie sei mit der Schule fertig und wolle zur Berufsberatung.

 

 
Ich gehe weiter und treffe einen Mitarbeiter des Hauses. Ich frage ihn, wo ich meinen früheren Vermittler finden könne. Er sagt mir, er sei bei der BAgIS. Das Arbeitsamt und das Sozialamt hätten jeweils hundertfünfzig Mitarbeiter für die Verwaltung der neuen Wohlfahrtsunterstützung abgestellt. Mein ehemaliger Vermittler sei auch dabei.
 
Ich streife weiter: Ich komme in Flure, an deren Türen besondere Bezeichnungen stehen. Da gibt es ein 'Team Infrastruktur und Finanzen'. Sieben Türen zähle ich, die dem 'Team Personal' zugeordnet sind. Ich werde von einem Mitarbeiter des Hauses angesprochen: 'Kann ich Ihnen helfen?' Ich erkläre ihm, was ich hier tue und frage nach den sieben Büros 'Team Personal'. Ich bekomme die Erklärung, dass dort das Personal des Hauses verwaltet werde. Soviel Büros, wie hier vorhanden seien, seien für diese Aufgabe auch schon nötig.

Siehe auch:
Gehör finden 7

English summary:
In one of the corridors I come across a very long waiting line. People, who (will) get the new income support, are waiting for admittance to the office of the employee, who deals with their case.
 
I pass the waiting line. I am stopped by a man, who wears a dark blue suit. He asks me, where I want to go to. I tell him, that I am making investigations about the new income support. He says, that he likes it, that a journalist writes about that subject. He is a security man. He has to direct the stream of visitors. He also has to look after people, who flip out.
 
I go on walking through the area, where are the offices of the employees, who deal with cases of the new income support. A door of an office is open. An employee speaks to a visitor about a job offer. The unemployed man is to help a caretaker in a school. The job is supposed to be a One-Euro-Job. That means that the man gets one Euro as a payment per hour additional to his income support (please read also about One-Euro-shops).
 
I am looking for the office of my former placement officer. The reception is deserted. There are no computers on the desk. The telephones are on the window seats. On the glas door is a hand written signpost: 'The reception is now on the ground.' In the waiting room there is only a young girl. She wants to visit her careers adviser.
 
I go on walking through the corridors. I come across seven doors with doorplates 'Team personal department'. I find other door with doorplates 'Team for infrastructure and finances'.
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Donnerstag, den 07.04.2005


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