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Nr. 12/2016, Bremen, den 10.6.2016, Nr. 456, 14 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

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Straßenszene mit Bettler in der Östlichen Vorstadt in Bremen
Straßenszene mit Bettler in der Östlichen Vorstadt in Bremen


Ich sagte es schon: Das eigentliche Thema dieser Website ist die Erforschung der Beschaffenheit von Wahrnehmung. In den letzten Monaten habe ich wahrgenommen, dass Armut und Sucht an immer mehr Orten in der Stadt sichtbar wird.
 
Das obige Foto offenbart das Problem nicht auf den ersten Blick. Es zeigt eine Straßenbahnhaltestelle vor einem großen Drogeriemarkt in der Östlichen Vorstadt, also einen sehr belebten Ort. Die Szene wird vor allem beherrscht von jungen Menschen, die flott irgendwelchen Zielen zustreben. Die Person, die mir in dieser Aufnahme am wichtigsten ist, ist ein alter, weißhaariger Bettler, der etwa in der Bildmitte zu finden ist. Er sitzt in einer fadenscheinigen Hose auf einem kleinen Rucksack, den er auf das Trottoir gelegt hat. Vor ihm steht ein Pappbecher, der Almosen aufnehmen soll.
 
Was habe ich in der Situation, als ich das Foto schoß, wahrgenommen?
 
Der Bettler schaute mal nach vorne, dann wieder nach rechts oder links in den Passantenstrom, war aber 'nicht auf Augenhöhe' mit den ihn umschwirrenden Menschen. Diese wiederum mußten ihm ebensowenig in die Augen sehen wie er ihnen.
 
Er blieb stumm, vielleicht auch deshalb, weil er möglicherweise gar nicht Deutsch verstehen und sprechen konnte. Wenn dem so gewesen wäre, wäre er auch einer peinlichen Situation ausgewichen, wenn er die gleiche Augenhöhe und den unmittelbaren Augenkontakt als Vorstufe zum Sprechen vermieden hätte. Wer dennoch von sich aus mit dem Bettler reden wollte, musste stehenbleiben und sich ziemlich tief zu ihm herabbeugen.
 
Der alte Bettler war schon allein dadurch 'vereinzelt', dass er als einziger auf dem Pflaster saß, während viele junge Leute um ihn herumliefen. Alles andere um ihn herum war in Bewegung, steuerte ein Ziel an. Er dagegen 'steckte fest'. Sein Ziel war, dass andere aktiv werden und ihm Geld geben sollten. Dazu kam, dass es sehr anstrengend gewesen wäre, stundenlang mit einem Pappbecher in der Hand auf der Straße zu stehen in der Hoffnung, milde Gaben zu erlangen.
 
Es gibt einen weiteren Mann im Bild, der sitzt, allerdings auf einem Stuhl vor einem Café. Seine Kleidung ist gepflegt. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Gefäß mit einem Getränk, das er sich gekauft hat. Auch er schaut auf den Passantenstrom, allerdings aus einer höheren und wesentlich bequemeren Position als der Bettler.
 
 

vgl.
Milieustudie aus dem Leben von Bettlern

Tagebuch: Armut in Bremen (1)

Tagebuch: Armut in Bremen (2)

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