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Folge 13/2006, Bremen, den 10.8.2006 (Nr. 219)  4 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

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Umbruchzeichen (2)
Signs of upheaval (2); English version 

        
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The grocer's shop is just round the corner. Mr. Jones, the grocer, is a very polite man, who keeps the most delicious sweets. 'Hallo children, glad to see you! Just wait a minute, until I have packed up these groceries here.'
 
Aus dem Schulbuch 'Learning English A 1' (ca. 1960)

Ein Verbrauchermarkt, in dem wir regelmäßig einkaufen, ist modernisiert worden. Es gibt dort jetzt auch Kassen, die der Kunde selbst bedienen kann.
 
Die Kasse besteht unter anderem aus einem großen Bildschirm, einem Barcodescanner und einer Waage. Alle Schritte des Kassierens werden den Kunden mit animierten Bildern erklärt. Eine Computerstimme gibt gleichzeitig Anweisungen. Die Erklärungen können in verschiedenen Sprachen gegeben werden, unter anderem auch in Englisch und Türkisch.
 
Die Bedienung ist ziemlich einfach.Der Kunde zieht die Ware über den Scanner und legt sie in eine Plastiktüte, die über einer Waage hängt. Das untere Ende der Tüte liegt auf der Waage. Sobald Tüte gefüllt wird, wird die Waage belastet. Wahrscheinlich ist das Gewicht der Ware eingespeichert, so daß Preis und Gewicht der gescannten Ware auf Plausibilität abgeglichen werden können. Hat die Ware keinen Strichcode, Brötchen; kann man ein Menü aufrufen, in dem diese Waren aufgeführt sind. Am Ende kann man zwischen verschiedenen Zahlungsarten wie Barzahlung oder Geldkarte wählen. Zahlt man bar, muß man das Hartgeld in einen Schacht einwerfen und das Papiergeld in einen Schlitz einführen. Wenn man über die Selbstbedienungskassen den Einkauf abwickelt, verläßt man den Markt ziemlich wahrscheinlich mit einer oder mehreren Plastiktüten.
 

 
Kassenbon und Plastiktüte (Negativbild)
 
Unmittelbar jenseits der Sperre, durch die man die Zone mit den Selbstbedienungskassen verläßt, steht noch eine Art Kassenterminal. Über dieses Kassenterminal, können die betreuenden Kassiererinnen auf die Kassen zugreifen, wenn Probleme auftauchen.
 
Als ich ein paar Tage später wieder in den Markt komme, ist der Computer der Selbstbedienungskassen 'abgestürzt'. Die Frau, die am Kassenterminal steht, sagt mir, dass die Anlage ferngewartet wird. Die Techniker sind in Hannover. Wie von Geisterhand gesteuert, öffnen sich auf dem Bildschirm des Kassenterminals Dateifenster. Ein Mauszeiger wandert hin und her.
 
Natürlich gibt es weiterhin Kassen mit Kassiererinnen. Im Gespräch mit einer altgedienten Kassiererin erfahre ich, dass für die Kassen vier neue Mitarbeiterinnen eingestellt worden sind. Die MitarbeiterInnen, die die Kunden an der Selbstbedienungskasse einweisen und betreuen, sind in ihrem Auftreten kaum wiederzuerkennen. Als sie an den Scannerkassen stumpf die Ware einscannen mußten, wirkten sie oft müde und lustlos. Jetzt sind sie nahezu aufgeblüht. Irgendwann werden sich die Kunden an die neuen Kassen gewöhnt haben. Ähnlich war das ja auch bei der Einführung der Geld- oder Fahrkartenautomaten.In allen Fällen übernimmt der Kunde jetzt Arbeiten, die früher von Angestellten ausgeführt wurden.
 
Auf dem Tresen in der Fleischabteilung steht ein kleiner Fernsehapparat.Es läuft ein Film, der eine Verpackungsmaschine in Aktion zeigt. Die Maschine legt drei Lagen Cellophan mit je drei Scheiben Aufschnitt aufeinander, verschließt sie mit einer weiteren Folie und verschweißt die Folien an den Rändern.
 

 
Kassenbon und Plastiktüte (Positivbild)
 
Die Kunden lösen zuhause zunächst die oberste Folie. Sie können jetzt drei Wurstscheiben aus der Packung nehmen. Wenn diese drei Scheiben verbraucht sind, lösen sie die nächste Folie und entnehmen die nächsten drei Schreiben. Die ganze Packung wird also in einzeln verpackte Portionen aufgeteilt. Die Ware kann daduch länger frisch gehalten werden, aber es werden dadurch auch vier Folien gebraucht. Die Maschine, die im Film gezeigt wird, ist ein Vollautomat. Die Maschine, die im Laden steht, ist ein Halbautomat. Für die Bedienung dieses Halbautomaten ist eine neue Mitarbeiterin eingestellt worden.
 
Ich spreche mit einer Frau, die MitarbeiterInnen der Fleischabteilung im Umgang mit der Verpackungsmaschine, in Warenkunde und im Verkauf schult. Diese Mitarbeiterinnen haben oft keine Fachausbildung im Verkauf von Fleisch.. Die Frau schult MitarbeiterInnen in einer ganzen Reihe von Läden. Ich erfahre, dass der Halbautomat 22 Tsd. Euro kostet, der Vollautomat dagegen schon 50 Tsd. Euro.
 
Ich sehe Überwachungskameras an vielen Stellen unter der Decke. Ein Mitarbeiter sagt mir, der Markt habe jetzt einen Eingang ohne Sperre, dann müsse man eben Überwachungskameras einsetzen. Über der Eingangszone hängt ein großer Flachbildschirm, der mit einer Kamera verbunden ist. Auf dem Bildschirm sieht man sich selbst, wie man den Markt betritt. Man weiß, daß man unter Beobachtung steht.
 
Der ganze Markt heller gestrichen worden, die Gänge sind breiter. Die Leisten an den Regalen, auf denen die Preise befestigt sind, haben je nach Warengruppe verschiedene Farben. Die nervende Musikberieselung ist freilich geblieben, ebenso die in die Musikberieselung eingebetteten Durchsagen des Marktradioprogrammes. Die Bäckerei, die außerhalb des Marktes gegenüber von der SB-Kassenzone ihre Produkte anbietet, hat ein kleines Café hinzubekommen. Innerhalb des Marktes ist eine Zone eingerichtet worden, in der eine Mitarbeiterin, aus vorgefertigtem Teig Backwaren herstellt, die sich die Kunden dann aus den Regalen nehmen können.
 
Eine weitere neue Technik finde ich bei den Obst- und Gemüsewaagen Sie erkennen jetzt die auszuwiegende Ware. Freilich nur ungefähr, denn sie machen oft mehrere Vorschläge. Wenn sie ganz daneben liegen, kann man über ein gegliedertes Menu, die Ware weiterhin selbst eingeben. Am Ende erhält man ein Etikett, auf dem Ware und zu zahlende Summe in Klartext und als Barcode aufgedruckt sind.
 
Im Gespräch mit einigen Mitarbeitern erfahre ich, im Rahmen der Modernisierung des Marktes neunzehn zusätzliche Mitarbeiterinnen eingestellt worden sind. (Was ich natürlich nicht überprüfen kann.)
(wird fortgesetzt)
Vergleiche auch:

Abschied von einem Krämer

Fundsachen 11

Umbruchzeichen 1

Fundsachen 14

Über Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige

Umbruchzeichen (3)

Vom Marktstand zum Supermarkt-Standort

Lebensmittelverkauf auf dem Bürgersteig in Phnom Penh. Eintragung vom 30. März 2003 in ein Online-Tagebuch. Der Link führt auf die jeweils letzte Eintragung des Tagebuchs!

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Donnerstag, den 25.8.2006

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