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Nr. 15/2017, Bremen, den 11.8.2017, Nr. 486, 15 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

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Straßenszene mit Bettler in der Östlichen Vorstadt in Bremen
Straßenszene mit Bettler in der Östlichen Vorstadt in Bremen


Ich sagte es schon: Das eigentliche Thema dieser Website ist die Erforschung der Beschaffenheit von Wahrnehmung. In den letzten Monaten habe ich wahrgenommen, dass Armut und Sucht an immer mehr Orten in der Stadt sichtbar wird.
 
Das obige Foto zeigt einen Teil der Front eines Verbrauchermarktes im Hulsberg-Viertel. Es offenbart das Problem nicht auf den ersten Blick. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber am linken unteren Bildrand einen Mann, der hinter einem Fahrrad an einer Hausecke am Boden kauert. Vor ihm steht ein Pappbecher, in den man milde Gaben werfen kann. Am rechten unteren Bildrand ist schemenhaft oberhalb der Windschutzscheibe des Autos der Umriß eines Menschen zu erkennen, der in der Position eines Bettlers am Boden kauert. Neben ihm ist noch der Zipfel einer Plastiktüte auszumachen. An drei hintereinander folgenden Tagen habe ich beobachtet, dass diese beiden Menschen sich in der beschriebenen Weise im unmittelbaren Umfeld des Verbrauchermarktes aufhielten. Neu war für mich, dass sich Menschen, die betteln und vielleicht auch obdachlos sind über mehrere Tage und 'zu zweit' an diesem Ort aufhielten. (Vgl. Bettler vor dem Supermarkt)
 
Weiterhin habe ich festgestellt, dass Obdachlosigkeit für mich vermehrt an Bushaltestellen sichtbar wird.
 
Vor ein paar Tagen etwa habe ich am frühen Morgen beobachtet, dass ein Mann mittleren Alters eingehüllt in Plastikfolien auf der Sitzbank in einer Haltestelle schlief. Das ging wohl nur, weil der Mann ziemlich klein war. Diese Form des 'Kälteschutzes' hatte ich noch nie 'in Wirklichkeit' gesehen. Auch an dieser Haltestelle war mir noch nie ein übernachtender Obdachloser aufgefallen.
 
Ein, zwei Tage später fiel mir eine Frau mittleren Alters auf, die mittags an einer Bushaltestelle saß und einen kleinen Stadtplan studierte. Da ich annahm, dass die Frau auf der Karte ein Ziel ausfindig zu machen versuchte, sprach ich sie an, um ihr mit meiner Ortskenntnis beizustehen. Im Gespräch ergab sich aber, dass die Frau weitgehend mittellos in einer Art Notunterkunft in der Stadtmitte wohnte und ohne wirkliches Ziel einfach weseraufwärts bis nach Hastedt gelaufen war. Nun wollte sie allen Ernstes an diesem Tag noch zu Fuß nach Vegesack laufen. Die Planung dieses Vorhabens stieß aber schon deshalb an eine Grenze, weil ihr Innenstadtplan weder Vegesack noch einen Großteil des Weges dorthin auswies. Ich habe nicht versucht, ihr das Vorhaben auszureden und ihr grob die Richtung gezeigt, in die sie marschieren musste, um nach Vegesack zu kommen. Das Erlebnis hat mir aber noch lange nachgehangen.

vgl.
Milieustudie aus dem Leben von Bettlern

Tagebuch: Armut in Bremen (1)

Tagebuch: Armut in Bremen (2)

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