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Folge 16/2002, Bremen, den 07.04.2002

Alltag ohne Nachrichten (1)

        
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In Stille und Vertrauen liegt Eure Kraft. (Jes 30,15)

Wenn du Optimist werden und das Leben begreifen willst, dann hör auf, daran zu glauben, was gesagt und geschrieben wird, sondern beobachte und forsche selbst.
Anton P. Tschechow


16.03.2002
Seit Beginn des Monats lese ich keine Zeitungen mehr. Nirgendwo. Radio und Fernsehen sind längst abgeschafft. Nur in Büchern lese ich noch. Das erste, was sich in meiner Wahrnehmung änderte, war das Gefühl, mit dem ich durch die Straßen ging. Ich empfand die Vereinzelung der Menschen (mich natürlich eingeschlossen). Ich sah kaum einmal, dass Menschen sich auf der Straße in größeren oder kleineren Gruppen zusammenfanden und miteinander sprachen. Seit heute habe ich etwas Angst: Ich fühle mich etwas verlassen. Es ist nichts und niemand da, der mir die Welt von heute erklärt. Ich merke das erste Mal, wie viel ich mir jetzt selbst erklären muß. Die vermeintlich großen Persönlichkeiten schrumpfen zu Zeitungsbildern zusammen, verblassen und werden unwirklich in meinem Kopf.

Kurzzeitwecker

17.03.2002
Heute habe ich auch die Hörbuchkassetten abends nicht mehr angestellt. Stille. Ich nehme das erste Mal wahr, dass mein mechanischer Kurzzeitmesser eine Weile leise weitertickt, nachdem die eingestellte Zeit abgelaufen und das Signal ertönt ist. Ich nehme dieses Geräusch sogar wahr durch das Gluckern des Tees hindurch, den ich von einer Kanne in die andere umfülle.

20.03.2002  
morgens
Eine kleine, selbstverordnete, zwanzigminütige Ruhepause nach dem Frühstück erlebe ich fast ohne innere Unruhe. Ich empfinde mich selbst als Haus, das im Laufe der Jahrzehnte wie von selbst aufgebaut wurde. Ich spüre den Raum, in dem ich verwundert umhergehen kann. Dieser Raum ist immer dagewesen, nur bin ich nie mit Bewußtsein darin herumgegangen.

Portät von Jan Frey

Dieses Haus ist vergänglich. Dieses Haus kann nicht völlig abgerissen und neu gebaut werden. Tragende Wände können nicht herausgerissen werden.

 
Plakate in einer Eisenbahnunterführung

abends
Ich gehe durch eine Eisenbahn-Unterführung, deren Wände mit Plakaten beklebt sind. Mir fällt die Fülle von Ikonen auf, die den Passanten auf diesen Plakaten angeboten werden.

Kondensstreifen eines Flugzeuges

29.03.2002 (Karfreitag)
In der kleinen Ruhepause nach dem Frühstück höre ich ein Flugzeug, das über die Stadt fliegt. Ich empfinde plötzlich den riesigen Raum um mich herum: die Stadt, das umliegende Land mit seinen Wiesen, Feldern und Wäldern, das kleine Raumschiff Erde. Ich bin nur ein winziger Teil des mich umgebenden Ganzen und des ihm innewohnenden Werdens und Vergehens. Wenn ich die von Menschen gesetzten Werte von Kultur, Technik und Wirtschaft herausrechne, bleibt nur das unbedeutende, vergängliche Tier, das die Menschen Jan Frey nennen.

03.04.2002
Erinnerungen kommen hoch an Lektüre von Zeitungen: Artikel fallen mir ein, in denen einzelne Menschen oder Menschengruppen angegriffen und angefeindet wurden. Ich trete innerlich zurück und nehme mir vor, mir mehr mein eigenes Urteil über Menschen und Gruppen zu bilden. Ich will versuchen, offener und freundlicher zu sein.
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