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Folge 16/2003, Bremen, den 16.03.2003 (Nr. 95)    1 Jahr kleinmexiko.de: Danksagung

        
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50 606 Tonnen Verkaufsverpackungen wurden 1999 im Lande Bremen bei privaten Endverbrauchern eingesammelt.
Quelle: Statistisches Landesamt
 
13.03.2003
An der Kreuzung Stader Straße/ Bismarckstraße gibt es eine Wiese, auf der sich in letzter Zeit ziemlich viel Hausmüll angesammelt hat. Irgendwann keimt in mir die Frage: 'Was würden Archäologen zukünftiger Jahrhunderte wohl denken, wenn sie diese Müllhalde einmal ausgraben würden?' Ich ahne, dass sich unser Zeitalter mit dieser Fundstelle ganz schön blamieren könnte.

Wenn man näher herantritt, erkennt man erst das Ausmaß der Vermüllung.
 
Also ziehe ich mit meinem neunzig Liter fassenden Fahrrad-Anhänger los und schnappe den Forschern die Funde weg. Nicht alle natürlich. Zwei gebrauchte Spritzen, einen Tannenbaum, zerbrochene Fensterscheiben etwa lasse ich zum Schluß liegen . Aber allein 28 Glasflaschen, in denen sich einmal alkoholische Getränke befinden, landen in der Wanne.
 
Selbstverständlich wird aus Glasflaschen auch Nicht-Alkoholisches getrunken. Aber an diesem Platz finden sich dafür nur sechs Belege. Dazu gesellen sich noch acht Plastik-Flaschen, die einmal alkoholfrei gefüllt waren. Während Rausch und Betäubung seit altersher mit dem 'Glas' verbunden sind, kommen die aufputschenden Getränke aus der Dose. Siebzehnmal lese ich etwas von Koffein in der Liste der Inhaltsstoffe, viermal geht es nur um das Durstlöschen. 'Einen über den Durst trinken' kann man natürlich auch mit Dosenbier, dessen Verpackung am Ende dreizehnmal im Anhänger liegt.
 
Wenn diese ganzen Informationen zu mir als zukünftigem Forscher unversehrt überdauerten, käme mir vielleicht die Fragen in den Sinn : 'Wann waren die damaligen Menschen einfach nur wach - ohne Rausch und ohne Aufputschmittel?' Und: 'Bekamen die Kinder gelegentlich auch schon Alkohol?'
 
Blick auf die (ehemals) vermüllte Wiese
 
Unter den unzähligen Schnipsel und Resten von Folien finde ich nämlich ein Exemplar, auf dem teilweise in einer fremden Sprache großgedruckt Wörter wie 'Kinder' 'Groß' und 'König' stehen - verbunden mit dem stolzen Hinweis 'Ohne Zusatz von Farbstoffen, Alhohol und Konservierungsstoffen'. Man macht sich heute schon Sorgen um das Wohlergehen der Kinder, wenn auch nur kleingedruckt: 'Nicht geeignet für Kinder unter 5 Jahren. Erst beißen, dann schlucken.' lese ich auf der Rückseite einer Pastikhülle. Auf der Vorderseite sind Augäpfel mit stilisierten Händen und Füßen abgebildet. Das, was offensichtlich in der Verpackung war, trägt einen Phantasienamen, der an ein umgangssprachliches Wort für 'Sehen' angelehnt ist.
 
Die Liste der Inhaltsstoffe beginnt mit 'Glukosesirup' und 'Zucker'. Die Forscher der Zukunft werden vielleicht fälschlicherweise zu der Einsicht kommen, dass Glukosesirup und Zucker ein Hauptnahrungsmittel der Menschen war, die hier ihren Müll abgeladen haben. Warum? Auf vielen dieser kleinen und großen Plastikhüllen prangen irgendwelche Phantasienamen. Die Forscher werden also auf die Inhaltsliste zurückgreifen müssen, um überhaupt etwas über das Produkt zu erfahren. Und die Zutatenliste beginnt sehr oft mit 'Zucker' und 'Glukosesirup'.
 
Gottseidank wird der Zahn der Zeit an manchen Beschriftungen gnädig nagen, so dass wir vielleicht nur mit einem Kopfschütteln unserer Nachkommen ins Vergessen entlassen werden.
vgl. auch Automaten 2

sowie Fundsachen 14

und Fundsachen 17

Plätze (1)

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Plätze (9)

Foto-Notizblock: Entgrenzung von Hausmüllmengen

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Donnerstag, den 20.03.2003


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