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Folge 17/2003, Bremen, den 20.03.2003 (Nr. 96)    1 Jahr kleinmexiko.de: Danksagung

        
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Es gibt keinen besseren Ausdruck des Sich-um-andere-Kümmerns (caring) als eine lokale Ökonomie zu schaffen, durch die die Grundbedürfnisse aller unserer Nachbarn befriedigt werden und durch die anderen lokalen Ökonomien in der ganzen Welt geholfen werden kann, dasselbe zu tun.'
E. Mayo; aus: M. Mies, Globalisierung v. unten

 
19.03.2003
Ich mache einen Besuch am Lankenauer Höft. Von dort hat man einen guten Überblick über das Hafengelände, das sich an das Lindenhofviertel anschließt. Sofort fällt mir ein gigantischer Bau auf. Er ist mindestens 300 Meter lang und zwanzig Meter hoch.Er muß eine gewaltige Menge Geld gekostet haben. Die Bauherren müssen finanzkräftig sein. Wenn ein staatliches Gemeinwesen ganz oder teilweise dahinter steht, dann muß es reich sein.

Wenn man durchs Fernglas einzelne Mennschen vor dem Gebäude erkennen kann, wird seine Größe erkennbar.
 
Ganz lange kann der der Komplex dort noch nicht stehen, denn als ich vor etwa anderthalb Jahren an diesem Ort war, blickte ich auf eine Baustelle. Das Gebäude ist in freundlichem Beige gehalten und hat zum Teil Ornamente in der Fassade, zum Beispiel ein Puzzle-Muster. Auf weiten Strecken sind nur kleine oder gar keine Fenster zu sehen. Umso mehr fällt eine einzelen große Glasfront auf, die von einer Kuppel gekrönt wird. Auf dem Gelände ist eine Rakete aufgestellt.
 
Ich frage mich, worum es sich hier handelt: Eine Produktionsstätte oder eine Lagerhalle ist es kaum. Solche Anlagen sind nüchterner, trister und meistens kastenförmiger. Ein Bürogebäude hat in der Regel mehr Fenster. Am ehesten hat es noch etwas von einem Museum, einer Kirche und einem Kaufhaus. Museen und Kaufhäuser haben oft keine großen Fenster, weil die Besucher ohnehin auf das schauen sollen, was sich in den Räumen befindet. Auch strahlen sie von außen wenigstens eine gewisse Freundlichkeit oder Repräsentativität aus, die die mögliche BesucherInnen beeindrucken soll.

Die Kuppel gibt dem Bau eine feierliche, ehrfurchgebietende Note.
 
Kirche und Moscheen haben oft große Kuppelhallen, die dem göttlichen Wesen zur Ehre errichtet worden sind und dem Menschen gleichzeitig seine Kleinheit vor Augen führen sollen.Aber um eine dieser drei Funktionen wie Kaufhaus, Museum oder Gotteshaus allein auszufüllen, ist es zu groß. Soviel Exponate kann selbst die Kulturhauptstadt in spe nicht aufbieten, um einen solchen Raum auszustatten.Für einen Tempel ist es in unserer verweltlichten Zeit zu groß. Das, was in unserer Zeit wirklich angebetet wird, nämlich das Geld, die Ware, das könnte durchaus in anbetungswürdigen Mengen Platz finden. Für ein Kaufhaus allein ist es aber auch überdimensioniert, wenn man bedenkt dass die gesamte Einkaufsmeile Sögestraße etwa 300 Meter lang ist .
 
Blick auf den Geäudekomplex vom Lankenauer Höft aus.
 
Gehen wir einmal davon aus, dass es sich hier um eine Mischung zwischen Einkaufstempel und Museum handelt. Die Menschen , die das alles vor etlichen Jahren geplant haben, mußten schon sehr genau wissen, welche wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen sie bei der Fertigstellung antreffen würden. Gegenwärtig ist es definitiv so, dass die Menschen im Lande nicht so unbedingt bereit sind, für Waren und kulturelle Ereignisse viel Geld auszugeben.
 
Wir können für die Bauherren nur hoffen, dass sie diesen Umstand vorhergesehen haben. Denn ihre Finanzkraft wird weiter gefordert werden, selbst wenn der Bau leerstünde. Es gibt - wie bei allen großen Gebäuden - hohe laufende Unterhaltskosten, wie Kapitaldienst, Reinigungs-, Heizungs- und Wartungskosten und vieles andere mehr. So ein Komplex ist wie ein Riese mit gewaltigem Appetit. Große Mengen von Waren müssen umgesetzt werden und eine gewaltige Zahl von Schaulustigen muss angelockt werden, damit sich der ganze Aufwand lohnt.
 
Wenn Menschen dorthin kommen, werden sie deshalb vermutlich auch angehalten, ihr Geld dort auszugeben. Die nähere Umgebung - soweit sichtbar - ist auch nicht unbedingt einladend für einen weiteren Aufenthalt. Wenn in einem Stadtteil plötzlich neue Einkaufmöglichkeiten eingerichtet werden, die möglicherweise einem ganzen Geschäftsstraßenzug in der Innenstadt entsprechen, wird der Innenstadt und den Vorstädten Umsatz entzogen. Aber diesen Stadtteilen schießen zum Teil auch Sonderpostenmärkte mit Billigangeboten aus dem Boden, weil die Masse der finanzkräftigen Käufer kleiner wird. Vielleicht sind die Betreiber ja davon ausgegangen, in einen solchen Tempel kaufkräftige auswärtige Gäste locken zu können. Aber ob das allein reicht, wenn abertausende Besserverdienende ausgerechnet in das Bremer Hafengebiet aufbrechen?


 

Als ich zurückfahre, sehe ich auf der Straße eine naive Malerei. Einige Häuser scharen sich um eine Kirche. Es ist die Darstellung einer kleinen, überschaubaren, sozialen Gemeinschaft mit einem kulturellen Mittelpunkt. Von dieser vergangenen 'heilen' Welt ist das, was ich auch vom Ort dieser kleinen Malerei noch sehen kann, weit entfernt.

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