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Folge 17/2004, Bremen, den 13.05.2004 (Nr.149)   2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary
        
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Man sieht nur die Folgen seines Tuns,
nicht die Erfolge seines Lassens.
 
Elazar Benyoëtz


12.05.2004
Schon seit Anfang März bin ich wieder 'ohne Nachrichten', naja nicht ganz: Gelegentlich hat mich schon mal die Neu-Gier überwältigt und ich habe online in ein Nachrichtenorgan geschaut. Oder ich habe ein Anzeigenblatt nicht gleich weggeworfen. Mit der Zeit hat aber die Gier nachgelassen. Das Rad im Kopf läuft langsamer, weil es nicht mehr so viel Anschwung durch Nachrichten von außen bekommt.
 
Um so mehr spüre ich, was mich von innen antreibt. Die tiefsitzenden Vorurteile können sich lauter artikulieren: 'Die Politiker von heute sind ein korruptes Gesindel.' Gibt es überhaupt 'die Politiker'? Und selbst wenn ja, haben sie nicht auch einen Alltag, von dem ich wenig weiß?
 
Ich gehe zur 'Geschäftsschlußzeit' ins 'Viertel', auf die 'Meile': Mein Blick hat sich geweitet. Ich schaue nach oben, auf die oberen Stockwerke der Häuser und lasse die schönen Fassaden auf mich wirken. Ich schaue nach vorne bis ans 'Ende der Straße' und ermesse die Weite des Raumes.
 
Ich höre genauer hin: Um diese Zeit ist der Verkehrslärm nicht so stark wie während des Tages. Die Sinne öffnen sich. Ich rieche die abgestandene Luft, die aus der Tür einer Szenekneipe herauswogt. Vor einem Imbiss nehme ich Bratenduft wahr.
 
An der Sielwall-Kreuzung sticht mir ein Wahlplakat zur Europawahl ins Auge. In roten Lettern werde ich aufgefordert: 'Sozial wählen'. Seit ein paar Metern läuft neben mir ein Mann, der für mich aussieht wie 'ein persischer Dichter im Exil'. Ich frage ihn einfach, ob er glaube, dass man 'sozial wählen' könne. Er antwortet mir indirekt: Die Partei, die dort für sich werbe, sei ihm immer noch zu dogmatisch.
 
Ich teile ihm meine Vorstellung von 'dogmatisch' mit: Wenn eine dogmatische Partei an der Macht sei, könne man womöglich Schwierigkeiten bekommen, wenn man ein lustiges Gedicht über deren Generalsekretär veröffentliche. Er teilt meine Bedenken.
 
Ich sinniere laut weiter: Vielleicht könne man Parteien erst wählen, wenn ihre Wahlplakate poetisch seien. Er lobt mich: Das sei gut ausgedrückt. Ich muss ihm aber gestehen, dass er mich wesentlich zu diesem Gedanken inspiriert hat.
 
 

 
Ich komme an einem türkischen Gemüseladen vorbei. Auf der Scheibe stehen zwei türkische Wörter, dann folgt die schöne deutsche Bezeichnung 'Feinkost'. Ich gehe in den Laden und frage den Verkäufer, was die türkischen Wörter bedeuten. Es sind der Familienname des Besitzers und sein Herkunftsort.
 
Auf dem Rückweg auf der anderen Straßenseite der Meile merke ich, dass ich die ganze Zeit die Hand in der Hosentasche geballt hatte: Jetzt entspanne ich sie.

English summary:
For two month I am living without news now (see: col 'Without news 11'). I begin to recognize my own prejudices. My sensory perception becomes more clear. While I am roaming the suburb, I talk with people now and then. I ask their opinion about peculiarities, which I remark.

 
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vgl. auch:

Ohne Nachrichten (1)

Ohne Nachrichten (2)

Ohne Nachrichten (3)

Ohne Nachrichten (4)

Ohne Nachrichten (5)

Ohne Nachrichten (6)

Ohne Nachrichten (7)

Ohne Nachrichten (8)

Ohne Nachrichten (9)

Ohne Nachrichten (10)

Ohne Nachrichten (11)

Ohne Nachrichten (13)

Ohne Nachrichten (14)

Ohne Nachrichten (15)

Ohne Nachrichten (16)

Nächste Folge 'Alltag in Bremen':
Donnerstag, den 20.05.2004


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