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Nr. 18/2010, Bremen, den 12.11.2010, Nr. 317,   13 Jahre Jan Frey, Verlag: Danksagung

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Ein Blick auf den alten jüdischen Friedhof in Bremen


        
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ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 018-10:
EIN BLICK AUF DEN ALTEN JÜDISCHEN FRIEDHOF IN BREMEN




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Blick auf den alten jüdischen Friedhof in Bremen
Blick auf den alten jüdischen Friedhof in Bremen

Ich habe anderthalb Stunden auf dem nahegelegenen jüdischen Friedhof verbracht. Der Friedhof ist umgeben von Wohnhäusern und nur durch einen langen, schmalen Gang mit einer Straße verbunden. Im Schatten hoher Bäume findet man dort viele hundert Gräber. Jüdische Gräber werden nicht aufgehoben und erneut genutzt. Deshalb erlauben sie auch ein Blick in Entwicklung der Gemeinde in Bremen.Die ältesten Steine, deren Inschriften ich identifizieren konnte, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Es mag ältere Inschriften geben, die ich nicht gesehen habe oder nicht entziffern konnte.
 
Es ist unübersehbar, dass es nur wenige Gräber aus der Zeit zwischen 1940 und 1990 gibt. Der Grund dafür ist, dass die Nazis ab 1941 auch in Bremen Juden systematisch verfolgten, verschleppten und töteten. Also gab es nur sehr wenige Juden, die in diesem Zeitraum die Chance hatten, hier zu leben und nach dem Ende ihres Lebens würdig bestattet zu werden. Es gibt aber auf vereinzelten Gräbern Gedenkeinschriften: Sie weisen darauf hin, dass Familienmitglieder nach Osteuropa deportiert und z.B. in Minsk oder Sobibor ermordet wurden.
  Andere Inschriften verraten, dass ein Ehepartner in den dreißiger Jahren hier beerdigt, der andere Partner offenbar emigrierte und später, z.B. 1945 in England oder 1948 in Amerika bestattet wurde. An einer Friedhofsmauer sind, so sagte man mir, auch Menschen bestattet, die in der Reichpogromnacht ermordet wurden. An einer anderen Friedhofmauer befindet sich ein Mahnmal, das die Zahl der Opfer des Nazi-Rassismus mit 915 Menschen beziffert.
 
Auffällig ist weiterhin, dass seit den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr viele Grabsteine mit russischen Namen hinzugekommen sind. Es gibt sogar vereinzelt Steine mit ausschließlich oder fast ausschließlich kyrillischer Aufschrift. Es sind also seit dem Niedergang des Ostblocks und der Sowjetunuion viele Juden von dort eben auch nach Bremen ausgewandert. An der Zahl der durch Grabsteine dokumentierten Todesfälle mag man den Umfang dieser Wanderungsbewegung ermessen.
 
Ich werde diesen Friedhof sicher bald noch einmal aufsuchen, weil er neben den Informationen über die erwähnten großen Linien der Geschichte auch noch manchen Detail verrät.

Bitte lesen Sie auch:
Grabinschriften auf dem Osterholzer Friedhof

Bitte werfen Sie auch einen Blick Charlie Dittmeiers Bericht über ein Begräbnis für einen jungen Schüler einer Gehörlosen-Schule in der kambodschanischen Provinz. Der Bericht hat drei Teile!

Wieder besucht: der alte jüdische Friedhof in Bremen
 
Beachtenswert auch ein Artikel des Flaneurs über den Jüdischen Friedhof in Hamburg-Altona

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Dienstag, den 30.11.2010.
Ich bereite eine Sonderausgabe vor.


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