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Nr. 19/2016, Bremen, den 16.9.2016, Nr. 463,   14 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

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Ich sagte es schon: Das eigentliche Thema dieser Website ist die Erforschung der Beschaffenheit von Wahrnehmung. In den letzten Monaten habe ich wahrgenommen, dass Armut und Sucht an immer mehr Orten in der Stadt sichtbar wird. Ich habe mich in den vergangenen Monaten dem Thema bereits mit mehreren Ausgaben gewidmet:

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  Es ist aber so, dass die Erscheinungen, die in den genannten Folgen dokumentiert wurden, nicht weniger geworden sind. Armut und Sucht wird an immer mehr Stellen und in verschiedenen Formen sichtbar. So habe ich in den vergangenen Monaten etliche Fotos zusammentragen können. Wie zuvor habe ich versucht diskret zu sein: Entweder habe ich so fotografiert, dass die Personen, auf die es ankam, nicht zu identifizieren sind. Das war zum Beispiel möglich, wenn die Person durch eine Mauerecke oder einen Gegenstand halb verdeckt werden konnte. Wenn das nicht möglich war, habe ich die Gesichter unkenntlich gemacht.


August 2016: 'Trinker' in einem Hauseingang im Steintor
August 2016: 'Trinker' in einem Hauseingang im Steintor

Rechts von der Bildmitte sind zwei Personen zu sehen, die in einem Hauseingang sitzen. Die beiden jungen Männer saßen dort am späten Vormittag und tranken Bier.

 
Das Gesicht des einen war aufgedunsen. Ich hatte an dieser Stelle noch nie 'Trinker' bei ihrem Tun gesehen.

August 2016, Peterswerder: Bettlerin am Zugang zu einem großen Gewerbekomplex
August 2016, Peterswerder: Bettlerin am Zugang zu einem großen Gewerbekomplex

Die Frau stand an der Zufahrt zu einem großen Gewerbekomplex auf dem Peterswerder. Erst etwa fünfzig Meter entfernt befindet sich der Eingang eines großen Lebensmittelmarktes.

 
Sie bettelte die Leute an, die zu Fuß vom Markt kamen oder dort hingingen. Auch an dieser Stelle hatte ich bisher solche Aktivitäten noch nie gesehen.
August 2016: Bettlerin im Ostertor
August 2016: Bettlerin im Ostertor

Auch an dieser Straßenecke im Ostertor, in deren unmittelbarer Nähe keine belebten Geschäftseingänge sind, hatte ich bis zu jenem Augusttag noch keine Bettel-Aktivitäten wahrgenommen.

 
Allerdings hatte ich vor einigen Monaten schon gesehen, dass sich auf der Rückseite des abgebildeten Hauses Bettler mit Sack und Pack zur Abreise(?) sammelten.

August 2016: Bettlerin im Ostertor
August 2016: Bettlerin im Ostertor

Wenige Minuten, nachdem ich die vorhergehende Aufnahme gemacht hatte, erhob sich die Bettlerin und ging in Richtung Innenstadt.

 
Sie versuchte nun, von den Gästen der Restaurants und Cafés an dieser Meile Geld zu erbetteln.

August 2016: 'Trinker' in einem Wartehäuschen im Hulsbergviertel
August 2016: 'Trinker' in einem Wartehäuschen im Hulsbergviertel

Es gibt ein früheres Foto von einem 'Trinker' in diesem Wartehäuschen. Die Aufnahme habe ich gemacht, als mir die Nutzung als 'Trinkhalle' das erste Mal auffiel.

 
Die aktuelle Aufnahme zeigt, dass das kein Einzelfall war.
August 2016: Bettler vor einem Drogeriemarkt im Hulsbergviertel

August 2016: Bettler vor einem Drogeriemarkt im Hulsbergviertel

Dieser Bettler saß stundenlang in der prallen Sonne vor einem Drogeriemarkt. Er hatte einen Platz gewählt, der etliche Meter entfernt vom Eingang des Marktes liegt.

 
Diese Stelle war bis dahin nicht von BettlerInnen belegt worden. Ich habe ihn dort jetzt bereits über mehrere Wochen gesehen.
August 2016: Bettler mit Krücke vor einem Reisebüro im Steintor
August 2016: Bettler mit Krücke vor einem Reisebüro im Steintor

Dieses Bild ist ein aktuelleres Beispiel für Bettler, die mit einer Krücke auftreten: Es wurde aufgenommen vor einem Reisebüro im Steintor, das naturgemäß nun nicht gerade Kundenströme erzeugt wie ein Lebensmittel-Discounter. Sicher ist, dass ich an dieser Stelle vorher noch keinen Bettler gesehen habe. Als ich an ihm vorbeiging, zog er ein schmerzverzerrtes Gesicht, gab einen Klagelaut von sich und streckte mir den Pappbecher entgegen. Später sah ich wie er in bester Laune mit einem Mann sprach, der vor einem Bio-Supermarkt Zeitungen verkaufte.

 
Ob in dem hier dokumentierten Fall die Krücke 'Geschäftsausstattung' war oder nicht, kann ich nicht beurteilen.
vgl. zum Thema auch:

Bettler mit Krücke 1

Bettler mit Krücke 2

Bettler mit Krücke 3

Bettler mit Krücke 4

August 2016: Bettlerin vor einem Restaurant im Steintor
August 2016: Bettlerin vor einem Restaurant im Steintor

Dieses Foto wurde vor einem Restaurant im Steintor aufgenommen, das unweit des Reisebüros liegt, das im vorherigen Foto auftaucht. Die Frau saß etwas abseits des Eingangs.

 
Zwischen beiden Aufnahmen liegt etwa eine Stunde. Auch diese Szene ist neuartig: An dieser Stelle habe ich bisher noch nie einen Bettler oder eine Bettlerin gesehen.
September 2016: Bettlerin an zentraler Bus- und Bahnhaltestelle in der Innenstadt
September 2016: Bettlerin an zentraler Bus- und Bahnhaltestelle in der Innenstadt

An dieser bestimmten Stelle, die etwas abseits des Bahnsteiges an einem Engpass liegt, hatte ich bisher noch nie Bettler oder Bettlerinnen gesehen.

 
Es haben wohl schon ein wenig weiter stadtauswärts und ein wenig weiter stadteinwärts Leute diesbezüglich ihr Glück versucht.

September 2016: Bettler nahe zentraler Bus- und Bahnhaltestelle in der Innenstadt
September 2016: Bettler nahe zentraler Bus- und Bahnhaltestelle in der Innenstadt

Dieses Foto habe ich fast unmittelbar nach dem vorhergehenden geschossen. Es zeigt eine Straße, die unmittelbar auf die zentrale Bus- und Bahnhaltestelle in der Innenstadt zuläuft.

 
Auch dort, übrigens in der Nähe des Landesparlamentes, hatte ich bisher noch nie Bettler oder Bettlerinnen gesehen.
September 2016: Bettler im Ostertor
September 2016: Bettler im Ostertor

Diesem Bettler ist der rechte Unterarm amputiert worden. Damit sein Leiden auch sichtbar ist, hat er den Armstumpf nicht mit dem langen Ärmel bedeckt, sondern ihn aus dem Halsausschnitt herausgesteckt. Als ich ihn das erste Mal sah, stieß er gerade einen Passanten mit dem Armstumpf an und hielt ihm dann den unvermeidlichen Pappbecher entgegen.

 
Einige Tage später wurde ich Zeuge davon, dass er sich vor einem großen Bio-Supermarkt im Steintor mit einem Mann prügelte, der dort eine Sraßenzeitung verkaufte. Es ging wohl darum, wer jetzt an diesem begehrten Platz 'arbeiten' durfte.
vgl. Bettler unter sich


Tagebuch: Armut in Bremen (1)

Tagebuch: Armut in Bremen (2)

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Bitte werfen Sie auch einen Blick auf Charlie Dittmeiers Artikel aus dem Jahr 2010 über alte Frau , die er in Phom Penh am Straßenrand gesehen hat. Der Bericht datiert vom 6. Februar 2010. Der Link führt auf die letzte Notiz des Tagebuches. Bitte nach unten scrollen!
 
Nächste Folge 'Alltag in Bremen'
Samstag, den 1.10.2016


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