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Folge 22/2003, Bremen, den 24.03.2003 (Nr. 101)   1 Jahr kleinmexiko.de: Danksagung

        
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Blick auf die Kreuzung Morgenlandstraße/ Gröpelinger Heerstraße.








Die Ecke mit dem Eiscafe und dem Lebensmitteldiscounter.











Blick von der Morgenlandstraße auf den Kreuzungsbereich: Links gibts Sonderposten, rechts Einheitspreise und ....














....gegenüber kann man Videos erstehen.















Ein wenig zurückgetreten auf der Heerstraße: Rechts kommt das Straßen-Display der Bank ins Bild.
 
23.04.2003
Vieles ist sympathisch bescheidener an der Kreuzung Morgenlandstraße / Gröpelinger Heerstraße als etwa an der Kreuzung Am Wall/ Sögestraße, vieles auch billiger und der eine oder die andere vielleicht auch trauriger. Zum Beispiel das Eis'cafe': Es besteht aus einigen auf den Gehweg gestellten Kunststoffbänken, der Verkauf erfolgt vom kioskartigen Tresen im Haus und die Kugel ist zehn Cent billiger als im Schnitt. Mir gegenüber essen zwei Freundinnen ihr Eis.Beide tragen sichtlich preiswerte, schlichte, aber gepflegte Kleidung. Das eine der beiden jungen Mädchen hat ihre Kugeln im Nu verschlungen. Zucker und Süßes scheint in ihrem Leben eine nicht unwichtige Rolle zu spielen. Auffallend vielen anderen PassantInnen und Gästen meine ich Ähnliches anzusehen. Ihre Freundin genießt dagegen jedes kühle Häppchen und ist noch eine Viertelstunde später mit ihrem Becher beschäftigt. Ihr Äußeres zeigt nicht soviel Erinnerungen an vergangene Eisbecher, aber ihre ungesunde Gesichtsfarbe fällt mir auf. Irgendwann holt sie eine Zigarettenschachtel heraus.Die beiden unterhalten sich offenbar über wenig erfreuliche Themen: Sie schauen enttäuscht und resigniert aus. Die Enttäuschung und Resignation läßt sie aber auch vertrauenswürdig erscheinen: Sie haben ihre Erfahrungen gemacht.
 
Extravagant auffallend mit sehr modischen taubenblauen, spitzen Schuhen und einer blendend weißen Bluse wirkt dagegen eine Dame, die mit einem teuren, offenen, schwarzen Cabrio vor dem Eisladen vorfährt. Bevor sie aussteigt, fährt sie die Seitenscheiben hoch. Sie kauft sich einen Becher, geht in ihr Auto zurück, fährt die Seitenscheiben wieder herunter und ißt ihr Eis. Unter die Gäste hat sich dagegen ein Geschäftsmann mit Anzug und Schlips gemischt, der die Limousinenversion derselben Autotyps an der Ecke geparkt hat. Außer durch seine Kleidung fällt er auch durch die feste, laute Stimme auf, mit der er sein Eis am Tresen ordert.
 
Laut und lebhaft sind natürlich auch die zahlreichen Kinder, die immer wieder auftauchen. Sind sie orientalischer Abstammung, werden sie fast immer von einem Teil der Familie begleitet, meistens von den Müttern oder Geschwistern. Auch Jugendliche dieser Herkunft treten selten allein auf. Isolierter wirken dagegen deutschen Mütter mit Kind, aber auch vereinzelte Asiatinnen oder Afrikanerinnen mit Mischlingskindern.
 
Kopftuch und langer Mantel sind hier oft zu sehen. Die jungen Frauen tragen dazu gelegentlich ein betont modisches Kleidungsstück wie schick geschnittene Schuhe. Das Mobiltelefon wird mit größter Fingerfertigkeit und Lässigkeit gehandhabt. Es ist aber hier gerade unter Jugendlichen allgemein hier nicht so allgegenwärtig wie in manchen anderen Stadtteilen.
 

Allgegenwärtig ist an dieser Kreuzung aber billige Ware. Drei der vier Ecken sind einschlägig besetzt: ein Lebensmitteldiscounter, ein Sonderpostenmarkt und ein Einheitspreisladen. In fast unmittelbarer Nähe der Kreuzung haben sich noch ein Drogeriediscounter und ein Laden für Ausleihe und Verkauf von Videokassetten und elektronischen Spielen angesiedelt. Letzterer wirbt sogar damit, dass man seine Angebote über das Internet bestellen und per 'Taxi' nach Hause liefern lassen kann.
 
Wenn die so erzeugten Träume zu sehr nach Realisierung drängen, aber das Geld zu knapp ist, bietet eine Bank nahe der Kreuzung 'für nur 97 Euro im Monat 5000 Euro bar auf die Hand.' Damit der Mensch auf die Frage 'Wie schalten Sie ab?' sagen kann 'Das kann ich auch!' und triumphierend hinzusetzen kann 'Ich setze mich ins Auto, fahre nach Italien, miete mir dort eine kleine Wohnung und bin dort ein ganz normaler Mensch.....' Das verspricht jedenfalls die Bankwerbung.
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