Logo Klein  Mexiko
 
 

Nr. 22/2017, Bremen, den 1.12.2017, Nr. 493, 15 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Aus dem Redaktionsstübchen (8)

        
Bitte beachten Sie bei Ihren Einkäufen und Aufträgen unsere Unterstützer:

 
 
PC-Tastatur
PC-Tastatur


Der Autor spürt in letzter Zeit schwerwiegende Veränderungen in seinem Redaktionsstübchen, das ja mit nicht unwesentlichen Teilen seines 'Oberstübchens' identisch ist. Die Themen, mit denen er sich letzthin beschäftigt hat, üben Gewalt auf das 'Oberstübchen' aus. Die schöne Beschaulichkeit des Redaktionsstübchens ist dahin. Die Themen sind so hart, schwer, groß und zahlreich, dass der Autor Mühe hat, sie in den gedachten geistig-seelischen Raum hineinzubringen, sie dort zu bewegen, zu betrachten und zu bearbeiten. Da viele Veränderungen gleichzeitig geschehen, fällt das geistig-seelische Navigieren schwerer.
 
Liegt's an den Themen? Der Autor hat sich in den letzten ein, zwei Jahren viel mit Erscheinungen befaßt, die aufgetreten sind, weil etwas aus seiner Lebenswelt derartig herausgefallen oder in sie hineingefallen ist, dass es ihm auffiel: Vögel und Insekten machen sich rar. Müll liegt an vielen Ecken. Kleine Geschäfte schließen. Geringverdiener finden ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr. Wohnungslose werden vermehrt im öffentlichen Raum sichtbar. Die Obdachlosen markieren eine Grenzwelt. Sie fallen aus der Unauffälligkeit heraus und hinein in die ''soziale Auffälligkeit'' (die Leserschaft beachte vor Anstimmung von Geschrei bitte die Anführungszeichen).
 
Durch verstärkte Einwanderung verändert sich das Erscheinungsbild der Stadt sichtbar. An dieser Einwanderung 'bricht' sich die Gesellschaft seltsam wie an einem Prisma: Es gibt hinlänglich Aufforderungen und Taten, die gesellschaftliche Solidarität mit Einwanderern erkennbar werden lassen, aber auch Ausgrenzung des Fremden bis hin zur Gewaltanwendung findet statt.
 
Jenseits dieser gedachten Grenzzone gibt es – gerade ideologisch – viele Erscheinungen, die in die Lebenswelt eindringen. Die gedankliche Welt wird nahezu geflutet mit ökonomischen Begriffen. Gesellschaftliche Konflikte und Konfrontationen werden zum Teil sehr zugespitzt dargestellt. Der Aufruf zur Anwendung von Gewalt wird nicht gescheut. Parallel wird eine gedankliche Welt gestärkt, die Egoismus protegiert und Solidarität diffamiert.
 
Wenigstens der Autor dieser Zeilen kann kraft seiner geistig-seelischen Sehschwäche nicht so genau erkennen, dass die Gesellschaft sich aufmachen würde, den Bewegungen auf der Verlustseite (z.B. Insekten, Vögel, Geringverdiener, Wohnungslose) beherzt entgegenzusteuern. Er weiß, dass man als einzelnes, winziges Autorleinchen wirksame Bewegungen nicht im Geringsten herbeischreiben kann.
 
Die Arbeit des Autors war auch nie wirklich auf das Ziel ausgelegt, Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken – schon gar nicht Bewegungen in bestimmte weltanschaulich Richtungen. Die ablaufenden Veränderungen rufen aber durch ihre Wucht ein Gefühl der Ohnmacht hervor, der Ramponierung des Raumes, der uns Menschen und unsere Mitgeschöpfe freundlich beherbergen soll, zusehen zu müssen, ohne auch nur Rat geben zu können (was ja besonders sinnlos ist, weil niemand auch nur zuhört).
 
An dieser Stelle - soviel ist sicher - ist mit Ratschlägen oder gar Aufrufen zu Umwälzungen nicht zu rechnen. Solcherlei Prosa passt nicht hierher.
 

vgl.
Aus dem Redaktionsstübchen (1)

Aus dem Redaktionsstübchen (2)

Aus dem Redaktionsstübchen (3)

Aus dem Redaktionsstübchen (4)

Aus dem Redaktionsstübchen (5)

Aus dem Redaktionsstübchen (6)

Aus dem Redaktionsstübchen (7)

 
Nächste Folge 'Alltag in Bremen'
am Freitag, den 15.12.2017

< vorige Folge

Archiv: Alle Folgen 'Alltag in Bremen'

         Platzhalter für Anzeigen
Platzhalter für Anzeigen


























  
 
 
   
 
 
 
nach oben         Kontakt        sitemap