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Folge 23a/2004, Bremen, den 01.07.2004 (Nr.155) 2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary                                                                               !!Neu!! Heft 4
        
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Im Juni 2004
Seit ein paar Wochen stehe ich wieder samstags vor dem Verbrauchermarkt am Ziegenmarkt, um das neue Heft zu verkaufen. Ich bin meistens schon vor acht Uhr morgens da. Ein wenig später kommt A. Er ist drogenabhängig, aber besorgt sich sein Methadon auf dem schwarzen Markt, denn er ist nicht im entsprechenden Programm. Er ist in den letzten Jahren - für mein Gefühl - sichtbar ruhiger und reifer geworden. Er hat jüngst ein staatlich subventioniertes, befristetes Arbeitsverhältnis durchgehalten. A. stellt sich neben mich. Sein Tellerchen mit den paar Münzen vor seinen Füßen wirkt fast verschämt.
 
An einem Samstag taucht nach einer Weile B. auf. Er geht in den Verbrauchermarkt. Im Vorbeigehen schiebt er mit einem Fuß A's Tellerchen zur Seite und zischt ihn böse an: 'Kannste wegschieben!'  Bevor B. wiederkommt, hebt A. sein Tellerchen auf und geht zur Seite. Er sagt zu mir: 'Wegen dem Platz wichs (d.h. schlage) ich mich doch nicht mit dem. Die Leute geben mir auch so was. Der B. ist wahrscheinlich affig (d.h. er hat Heroin-Entzugserscheinungen,
vgl. auch Streit um Stehplatz zwischen Bettler und Zeitungsverkäufer)
.'
 
B. setzt sich auf den Boden, links von meinen Füßen. Neben sich stellt er einen Rucksack, in sich dem etliche Bierflaschen befinden. Auf der anderen Seite, schon im Foyer des Marktes, läßt sich der große Hund von B. nieder. B. läßt seine Sprüche los: 'Hast'n paar Cent .... 'ne Dose Hundefutter vielleicht ....kleine Spende .... was zu essen, Bananen, Äpfel, Tüte Milch .' Ab und zu nimmt er diskret einen Schluck aus einer Bierflasche, die er aber sofort wieder im Rucksack verschwinden läßt.
 
Die Leute geben reichlich, Geld und Naturalien. Nach einer Weile kann er schon auf einem kleinen Podest aus Hundefutterdosen sitzen. Wenn jemand sagt, er/ sie werde ihm aus dem Laden etwas mitbringen, kommt die stereotype Antwort 'Hört sich gut an.'. Irgendwann kommt eine 'Kollegin' von ihm vorbei und klagt ihm halblaut ihr Leid: Sie komme nicht an Metha(don) ran. Sie brauche aber dringend was. Notfalls könnten sie ja ihr Geld zusammenschmeißen. Erst nächste Woche gebe es ja wieder Geld (vom Sozialamt). B. stimmt dem Vorschlag halbherzig zu. Er will seine Ruhe haben.
 
Die Leute 'spenden' fleißig weiter. Manchen sieht man ihren Stolz über ihr mildtätiges Werk an. Andere wiederum lassen eine joviale Bemerkung fallen. B. lobt die Leute: 'Geil ... herzlichen Dank ... schönes Wochenende ... is ja echt großzügig.'

 
Füße eines Bettlers
 
Füße eines Bettlers
 
Rechts von mir, außerhalb des eigentlichen Eingangs, liegt ein alkoholisierter junger Mann. Ab und zu steht er für kurze Zeit auf. Dann sieht man, dass seine Hose nicht nur an den Knien, sondern auch am Hintern zerrissen ist. Sein T-Shirt ist mit Brandlöchern übersät. Wenn er wieder auf dem Boden sitzt, furzt er vor sich hin und murmelt: 'Ich muß kacken! Wo kann ich hier kacken?' In einer Stunde verputzt er mehr als einen Liter billigsten Weißweins aus der Tüte. Dann macht er sich an die Bierflaschen in seinen Jackentaschen. Irgendwann komme ich dahinter, dass er den Rucksack, aus dem sich B.mit Bier bedient, dem B. 'zur Aufbewahrung' gegeben hat. Mit D., einem viertelbekannten Alkoholiker, verzieht er sich eine Zeitlang in einen Hauseingang auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Plötzlich grölt er dem B. etwas über die Straße hinweg zu. B. bedeutet ihm mit einer herrischen Handbewegung, sich ruhig zu verhalten.
 
B's Geschäfte laufen gut: Nach zwei Stunden sind schätzungsweise schon fünfzig Euro und etliches an Lebensmitteln zusammengekommen. Dann verschwindet er fast blitzartig und nimmt den Rucksack seines Kumpanen mit. Dieser läßt sich auf dem freigewordenen Bettelplatz nieder. Ein Polizist und eine Polizistin, beide noch ziemlich jung, tauchen auf. Sie verwarnen den Kumpanen von B. Er dürfe wohl an jenem Platz stehen und betteln, aber er dürfe sich nicht niederlassen. Sie lassen sich seinen Ausweis zeigen.

English summary:
I have been watching begggars doing their 'job'. They fight for the best places to beg. Beggars, who are addicted to drugs, largely spend their money to heroin, beer and spirits. They treat their givers as friendly as customers. They normaly try to hide their addiction.
 
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