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Folge 26/2004, Bremen, den 05.08.2004 (Nr.158)   2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary                                                                                !!Neu!! Heft 4
        
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Regieren ist glauben machen.
Niccolò Machiavelli

05.08.2004
Meinem Vorsatz, ohne Nachrichten zu leben, bleibe ich schon fünf Monate ziemlich treu: 'Ziemlich' heißt: Ich nehme zwangsläufig die Schlagzeilen der Titelseiten jener Zeitungen zur Kenntnis, die ich morgens austrage. Durch die selbstverordnete Nachrichtenlosigkeit entsteht eine gewisse Distanz zu meinem bisherigen Bild von der gesellschaftlichen Realität.
 
Es fällt mir jetzt vor allem auf, wie reibungslos diese Gesellschaft 'funktioniert'.Fast alles ist ruhig: Menschen werden geboren. Menschen sterben. Menschen gehen zur Arbeit. Menschen verkriechen sich wegen ihrer Arbeitslosigkeit. Fast alles passiert 'leise und gesittet': Es gibt kaum größeren spontanen öffentlichen Ausdruck von Freude, Ärger oder Kreativität. Und wenn es sie gibt, sind sie gelenkt und eingekesselt, im Fußballstadion, auf der Techno-Parade oder im Museum. Diese Bekundung von Freude, Ärger oder Gestaltungswillen hat mit der unmittelbaren Lebenssituation der Menschen oft wenig zu tun und bleibt für die Lebenssituation auch folgenlos. Die Menschen wirken auf mich ein wenig wie Untote. Sie sind leblos, aber trotzdem am Leben.
 
Die Medien scheinen zur Belebung der Menschen wenig beizutragen, jedenfalls merke ich nicht viel davon. Sie teilen selbst mir in meiner Klausur einiges über regierungsgelenktes Umgestalten der Gesellschaft mit: Über die Titelseiten bleibt mir das Faktum nicht verborgen, dass derzeit das Sozialsystem dieser Gesellschaft ziemlich umgekrempelt wird. In der Gesellschaft aber scheint es ruhig zu bleiben.
 
In der Stadt ist es im physikalischen Sinne jedoch nicht ruhig, sondern ziemlich laut. Vor allem der Verkehrslärm fällt mir mehr auf als früher. Autos sind fast allgegenwärtig. Sie wirken auf mich wie eine Invasion wie große Tieren. Nachts 'schlafen' sie, aber über Tag fallen sie in die Straßen ein wie große, laute Insekten. Und es ist paradox: Um dem Lärm der Städte zu entfliehen, nehmen die Menschen ihre Autos, fallen damit in andere Städte ein, um vielleicht an irgendeinem mehr oder weniger ruhigen Strand zu landen. Die Menschen nehmen den Krach klaglos hin. Sie setzen ihm kaum Grenzen. Die Tatsache, dass gerade in den Städten entlang der Straßen die Umweltschäden ganz sichtbar zunehmen, rührt kaum jemanden zu einem sichtbaren Gefühl oder gar einer Tat. Und auf den Titelseiten ist das Phänomen auch noch nicht angekommen.
 
Zeitung mit Brandlöchern
 
Der Verzicht auf den 'Genuß' der Medien hat eine Fragelawine in mir losgetreten: Was brauche ich, Jan Frey, der Stadtmensch, eigentlich und was ist verzichtbar? Wer jetzt eine Antwort erwartet, dem kann ich nur sagen 'Fortsetzung folgt'. Erst einmal brauche ich etwas Ruhe, um diese Frage für mich zu beantworten.
wird fortgesetzt

English summary:
For five months I am living without news now (see: col 'Without news 12'). From a distance I begin to recognize, that people in town seem to live smoothly. You don't find often, that people publicly express emotion or creative ideas. And apart from that I notice, how much traffic noise there is in town. I notice damage to enviroment all along the streets. But people don't seem to care of it.

 
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vgl. auch:

Leserbrief

Ohne Nachrichten (1)

Ohne Nachrichten (2)

Ohne Nachrichten (3)

Ohne Nachrichten (4)

Ohne Nachrichten (5)

Ohne Nachrichten (6)

Ohne Nachrichten (7)

Ohne Nachrichten (8)

Ohne Nachrichten (9)

Ohne Nachrichten (10)

Ohne Nachrichten (11)

Ohne Nachrichten (12)

Ohne Nachrichten (13)

Ohne Nachrichten (15)

Ohne Nachrichten (16)

Ohne Nachrichten? (17)

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