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Folge 26b/2005, Bremen, den 07.10.2005 (Nr. 200)  3 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

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Ich setze mich auf eine Bank unter einer Pergola. Die Pfosten der Pergola tragen unter anderem auch russische Graffitis. Direkt gegenüber ist der Eingang zu einem Treppenhaus. Eine Ziffer der Hausnummer fehlt. Auf dem Dach befindet sich ein Mobilfunkumsetzer. Ich glaube erkennen zu können, dass von den 16 Wohnungen, die zu diesem Treppenhaus gehören, etliche leerstehen.
 
Ein Streifenwagen kommt vorbei. Die Beamten sagen mir, dass die Wohnanlage kein Kriminalitätsschwerpunkt sei. Früher habe es hier mehr Probleme gegeben. Jetzt stünden auch nicht mehr so viele Wohnungen leer wie früher. Der Ausländeranteil sei hoch. Hier wohnten vor allem viele Menschen aus Osteuropa.
 
Ein etwa zehnjähriger Junge kommt vorbei. Sein Fahrrad hat vorne kein Schutzblech. Sein Urteil über die Wohnanlage lautet: 'Wohlers Eichen ist voll behindert und alle wollen wegziehen. Is total langweilig hier. Es gibt keine Möglichkeit zum Spielen. Da hinten ist nur das Spielhaus. Da gehste rein, sagst 'Hallo' und gehst wieder raus.' Ich frage ihn, was er denn spiele. Er antwortet: ' Wir fahren über'n Berg.' Er fährt mit ziemlich schnell mit seinem klapprigen Fahrrad über einen großen Erdhaufen.
 
Er erzählt mir, dass er aus der Schule abgehauen sei. Mit Schulkameraden habe er handgreiflichen Streit gehabt.
 
Plötzlich ruft er: 'Mary!' Er rennt einer Katze hinterher. Sie läuft vor ihm davon. Er kommt zurück. Er erzählt mir: 'Mary ist meine Katze. Mary mußten wir weggeben zu Nachbarn. Wir haben einen Hund aufgenommen. Mary und der Hund verstanden sich nicht. Wir haben ihr immer für drei Wochen Trockenfutter in den Napf gegeben. Wir haben nicht soviel Geld. '
 
Aus seiner Hosentasche holt er ein Mobiltelefon. Er schaut auf die Uhr des Telefons und sagt: 'Ich muß nach Hause.' Er fährt davon.
 

 
Vor dem Spielhaus 'Wohlers Eichen' sitzt eine Gruppe meist türkischer Mütter. Die Kinder sind auf dem Spielplatz.
 
Ich mache mich auf die Suche nach dem besagten Spielhaus. Ich finde zunächst einen großen, gut ausgestatteten Spielplatz. Am Rande des Spielplatzes steht ein unscheinbarer Flachbau. Die Tür des Hauses steht offen. Vor dem Flachbau sitzen etliche Frauen um einen Tisch herum. Viele von ihnen tragen Kopftücher. Auf dem Tisch steht Tee, Saft und allerhand Essbares. Eine ziemlich resolute junge Frau ohne Kopftuch, offenbar eine Türkin, weist gelegentlich Kinder auf dem Spielplatz zurecht, sie vermittelt und sie tröstet. Sie sagt mir: 'In etwa einer Stunde kommt ein hauptamtlicher Betreuer.' Ich mache ein Foto von der Idylle.
 

 
Hinter der Wohnanlage befindet sich eine hübsche kleine Allee.
 
Ich fahre durch eine hübsche, kleine, schattige Allee an der Rückseite der Wohnanlage. Ich treffe einen älteren Mann, der offenbar nur unter Mühen gehen kann.
 

 
In der Nachbarschaft der Wohnanlage befindet sich das Kraftwerk Hafen.
 
Er führt einen Hund an der Leine. Er ist nach einem Schlaganfall Rentner. Sein Akzent verrät mir seine slawische Herkunft. Er kommt aus Polen.
 
Schon zwanzig Jahre wohnt er in der Anlage. Die Wohnungen seien gut geschnitten und geräumig. Es gebe drei Zimmer, Küche und Bad. Er zahle als Rentner ca. 540 Euro Miete. Früher sei es hier unruhiger gewesen. Da seien schon mal Autos aufgebrochen worden. Jetzt habe sich die Lage entspannt.
 
Ich fahre auf das Parkdeck, das gegenüber der Vorderfront der Anlage liegt. Die riesige Fläche ist fast leer. Eine Familie räumt etwas aus ihrem Auto heraus. Die Leute wohnen schon zwanzig Jahre hier und sind mit ihrer Wohnung zufrieden.
 
Ich fahre über eine Rampe wieder vom Parkdeck herunter. Am Fuß der Rampe treffe ich den Schuljungen wieder. Er klagt mir sein Leid. Er komme nicht in die Wohnung, weil nur seine Mutter, ihr Freund und seine große Schwester einen Schlüssel haben. Er habe schon etliche Male zuhause angerufen, aber niemand habe sich gemeldet.
 
Ich gehe zum Spielplatz zurück. Herr R., ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Hauses, ist gekommen. Er macht seit langer Zeit schon ehrenamtlich Jugendarbeit. Er fährt auch auf den Ferienfahrten des Spielhauses mit. Er erzählt mir etwas über die Einrichtung. Es gebe zwei festangestellte und zwei ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Das Haus sei von 13:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet. Das Angebot richte sich in der Hauptsache an Kinder bis 13 Jahren. Die Tür stehe in der Zeit offen für alle möglichen Aktivitäten wie Kochen, Backen und Basteln. Einmal in der Woche werde nachmittags in der benachbarte Turnhalle Sport gemacht. Über die gesamten Ferien sei das Haus offen. Es existiere unter anderem ein betreuter Spielkreis , das heißt Mütter kommen zweimal die Woche morgens mit ihren ein- bis dreijährigen Kindern. Sie spielen und basteln zum Beispiel.
 
Herr R. kümmert sich hauptberuflich um die jugendliche Straftäter und deren Opfer auch aus dem hiesigen Milieu. Besonders schwierig sei die Arbeit mit russischstämmigen Jugendlichen. Dort gebe es familienbedingt häufiger Probleme mit Gewalt. Hier habe sich der Kontaktpolizist S. von der Wache Oslebshausen große Verdienste erworben. Er sei hier hoch angesehen, weil er mit den Jugendlichen gut zurechtkomme.
 
Ich fahre langsam nach Hause. Auf dem Weg treffe ich einen Kontaktpolizisten, der mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wir kommen ins Gespräch. Er beklagt, dass er wegen neuer Vorschriften demnächst regelmäßig einen Tag in der Woche auf dem Revier verbringen müsse. Dort müsse er dann Anzeigen der Bürger protokollieren. Dieser Tag fehle dann für den Streifendienst.


vgl.

Fürs Netz schreiben 16

Begegnungen 8

Eine Arme-Leute-Wohngegend in Phnom Penh: Eintragung in ein Online-Tagebuch vom 7.November 2005. Der Link führt auf die jeweils letzte Eintragung des Tagebuchs!

Zur Gewaltproblematik in Russland ist der Artikel 'Das verrohte Land' aus der Zeit-online lesenswert.


Nächste Folge 'Alltag in Bremen':
Freitag, den 21.10.2005


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