Logo Klein  Mexiko
 
 

Folge 35/2004, Bremen, den 28.10.2004 (Nr. 167)   2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary                                  !!Neu!! Heft 4
        
Bitte beachten Sie bei Ihren Einkäufen und Aufträgen unsere Unterstützer:

 
 
"Pu!"
"Ja?" sagte Pu.
"Wenn ich ... Wenn ich ... Pu!"
"Ja, Christopher Robin?"
"Ich werde nicht mehr gar nichts tun."
"Nie wieder?"
"Kein bißchen, Sie lassen einen nicht."
 
A.A. Milne: Pu der Bär

Es gibt unscheinbare Orte in der Stadt, die mich immer wieder anziehen. Einer dieser Orte ist die Brache, die vor der Mündung des sogenannten Hemelinger Tunnels in die Sebaldsbrücker Heerstraße liegt. Der Hemelinger Tunnel verbindet den Autobahnzubringer Hemelingen mit dem Teil der Sebaldsbrücker Heerstraße, an dem eine große Autofabrik liegt. Durch die Brache führt ein asphaltierter Weg, der in einen weiteren Tunnel mündet. Mit dessen Hilfe können Fußgänger und Radfahrer von den Wohngebieten und dem 'alten' Gewerbegebiet um die St. Godehard Kirche unter einer Bahnlinie hindurch zur erwähnten Einmündung des Autotunnels in die Heerstraße gelangen.
 
Brache am Hemelinger Tunnel, Blick auf Hemelinger Wohngebiet
 
Brache am Hemelinger Tunnel: Blick auf den Fußgängertunnel und Hemelinger Wohngebiet
 
Wenn man mit dem Rücken zum Wohngebiet mitten auf dieser Brache steht, schaut man über die Bahnlinie hinweg auf die Anlagen der Coffein Compagnie und auf ein ehemaliges Einkaufzentrum, das heute unter anderem von einem Sonderpostenmarkt, einem Textilien-Lagerverkauf und einem Sportstudio genutzt wird. Alle Gebäude sind ein ziemliches Stück entfernt. Die Geräusche von menschlichem Leben und Arbeiten dringen größtenteils nur gedämpft zum Besucher der Brache durch.
 
Es ist ein Stück ungenutzer Frei-Raum mitten in einem ansonsten dichtbebauten, vorstädtischen Bereich. Einen offiziell definierten Nutzen hat in der Brache nur der asphaltierte Weg zum Fußgängertunnel. Das umgebende Grünland ist von den Anwohnern zur Hundewiese erklärt worden. Kinder suchen sich hier ab und an Freiraum zum Spielen. Ansonsten lastet aber kaum Nutzen auf diesem Fleckchen Erde. Nicht einmal als Müllhalde wird die Fläche mißbraucht. Es ist eine Art Grassteppe, die hier und dort mit Trümmerrestchen ehemaliger Bebauung und vereinzeltem Buschwerk durchsetzt ist.
 
Es wird die geneigte Leserschaft nicht wundern, wenn ich beichte, dass ich mich irgendwann auch hier mitten auf diese Fläche stelle, meine Augen schließe und einfach in die Steppe hinaushorche.
 
 
Brache am Hemelinger Tunnel, Blick auf Coffein Compagnie  und auf ein ehemaliges Einkaufzentrum
 
Brache am Hemelinger Tunnel: Blick auf Coffein Compagnie (rechts) und auf ein ehemaliges Einkaufzentrum (links)
 
Von den Industrieanlagen der Coffein Compagnie kann ich mal lauter, mal leiser, aber immer gedämpft ein unausgesetztes Rattern vernehmen, das mich an einen großen Bohrhammer denken läßt. Ein Zischen wie von überdimensionalen Ventilen mischt sich darunter. Durch die Schneise, die die Tunnelrampe zwischen Coffein Compagnie und Einkaufszentrum schlägt, dringt das Horn eines Rettungswagens von der Sebaldsbrücker Heerstraße zu mir durch. Lastwagen fahren an. Vor diese Geräuschkulisse schiebt sich immer wieder das unterschiedliche Grollen und Rollen von Zügen, die auf dem schmalen Streifen zwischen Gewerbegebiet und der Brache zum Hemelinger Bahnhof fahren. Fünfmal nehme ich das ferne Heulen der Turbinen oder der Propeller großer Passagierflugzeuge wahr, die hoch über die kleine Steppe hinwegfliegen. In der Ferne bellt ein Hund und zwei Menschen rufen sich aus größerem Abstand etwas zu. Ich verstehe nur das abschließende 'Ja'.
 
Alle diese Töne sind aber nicht so beherrschend, dass ich nicht das Rascheln der Blätter und des Grases in meiner unmittelbaren Umgebung hören könnte. Irgendwo zwitschert ein Vogel.
 
Als ich von einem Abstecher zur Tunnelrampe auf die Brache zurückkehre, sehe ich eine Schar Jungen mit einem Hund. Sie klettern von einem großen Wall herunter, der in der Art von Lärmschutzwällen, die kleine Steppe von einem Teil der Industrieanlagen abschirmt.

vgl. Wieder besucht 21

Wieder besucht: Brache am Ende der Godehardstraße (1)

Große Brachfläche nahe dem Bremer Hauptbahnhof

Zuende: Brache am Ende der Godehardstraße

Grün in der Stadt: Bäume, Blumen, Ranken, Moos & Co

 
English summary:
I visited a piece of fallow land near to a road tunnel in a suburb. I like this place, because it is a 'useless' place.
 
to the top/ photos    <previous col.    next col.  >

Nächste Folge 'Alltag in Bremen':
Donnerstag, den 04.11.2004


< vorige Folge    nächste Folge >

Archiv: Alle Folgen 'Alltag in Bremen'
         Platzhalter für Anzeigen
Platzhalter für Anzeigen


























  
 
 

nach oben
        Kontakt        sitemap