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Folge 42/2002, Bremen, den 14.07.2002               Immer noch sehenswert: 'Linie 1'

Reste (3)
 

        
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Klein Mexiko forscht in der Neustadt weiter nach Resten früherer Architektur. Wie schon in der letzten Folge, schaue ich mich in Huckelriede um.

 
Bei einem Streifzug über den Buntentorsteinweg entdecke ich auf der Höhe des Hauses Nr. 259 ein Straßenschild mit dem Schriftzug 'Dunkakshof'.

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Eingang zum Dunkakshof



Blick in den Weg im Dunkakshof



Idylle im Dunkakshof


Gertrud Willig (rechts) und ihre Tochter Beate Kurzmann



An dem kleinen Fenster, an einer Türangel und an leichten Veränderungen im Putz ist die Lage der alten Gemeinschaftstoilette noch zu erkennen.


An dem kleinen Fenster und an leichten Veränderungen im Putz ist die Lage der alte Gemeinschaftstoilette noch zu erkennen.


Eingang zum Haus Dunkakshof Nr. 2

 
Das Schild weist in einen Gang zwischen zwei Häusern. Der Gang führt hinter dem rechten Haus ein kleines Stück nach rechts in einen langen Hof. Durch diesen Hof geht ein schmaler Weg. Links am Weg liegen neun sehr kleine Reihenhäuser, rechts stehen in loser Folge verschiedene Schuppen. Dahinter erhebt sich ein graues Fabrikgebäude. Ich gehe den Weg hinunter. Ich komme mit einer Bewohnerin ins Gespräch. Sie zeigt mir eine Fotokopie aus dem Buch 'Bremen zu Fuß', das Frank Thomas Gatter und Mechhild Müser 1987 im Hamburger VSA-Verlag herausgegeben haben. Dort ist zu lesen: 'Der 1847 angelegte Dunkakshof ist der letzte erhalten gebliebene Neustädter 'Gang'. Nur einseitig bebaut, sind ihm die hygienischen und sozialen Zustände dieser alten, nicht befahrbaren Gassen kaum noch anzusehen.'

Als ich zurückgehe, komme ich mit Heimo Schulte ins Gespräch, der ebenfalls hier wohnt. Er vermutet, dass in den Häusern ursprünglich Zigarrenarbeiter gewohnt haben. Dieser Berufstand war im 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Neustadt stark vertreten. Die andere Theorie, die er kennt,besagt, dass Landarbeiter eines Bauern Dunkake einst hier lebten. Er vermutet, dass der Weg ursprünglich an beiden Seiten bebaut war. Bei Erdarbeiten auf der mit Schuppen bebauten Seite des Weges sei man immer wieder auf sehr große Schuttmengen im Erdreich gestoßen, die von abgebrochenen Häusern herrühren könnten. Die Häuser könnten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts abgebrochen worden sein - so seine Vermutung - , als diese Art der Bebauung verboten worden sei, weil sie die Feuerwehr im Brandfall bei den Löscharbeiten gehindert hätte.

08.07.2002
Ich kehre zum Dunkakshof zurück, um mehr Informationen zu sammeln. Ich treffe Heimo Schulte wieder. Er zeigt mir sein Haus. Es besteht aus zwei zusammengelegten Einheiten. Eine Einheit hat eine Grundfläche von fünf mal fünf Metern. Im Erdgeschoß befand sich ursprünglich nach vorne gelegen eine Toilette und eine Küche. Hinten im Erdgeschoß war eine Wohnstube. Unters Dach hinauf führte eine Treppe, die in einem Absatz endete. Von dort ging die Tür zum Schlafzimmer ab. Ursprünglich gab es für den Weg in den Häusern Nr. 4 und Nr. 6 Gemeinschaftstoiletten, die separat direkt vom Weg her betreten werden konnten. Heimo Schulte zeigt mir noch Türangeln und Veränderungen im Putz, die auf diese Türen hinweisen. An deren Stelle findet man heute kleine Fenster. Nachdem ich die Besichtigung abgeschlossen habe, treffe ich auf dem Weg noch andere Bewohner, die mir raten, die betagte Frau Willig im benachbarten Haus 255 am Buntentorsteinweg aufzusuchen. Sie könne vielleicht noch Auskunft über die Geschichte der Häuser geben. Ich habe Glück: Frau Willig und ihre Tochter sind bereit, Auskunft zu geben.

11.07.2002
Ich besuche Gertrud Willig: Sie ist 1918 geboren und hat 1938 in das Haus 255 am Buntentorsteinweg eingeheiratet. Ihre Schwiegermutter, die im Hause wohnte, war eine geborene Frau Dunkake. Der Schwiegervater stammte aus der Familie des Bauunternehmers Willig, nach dem auch eine nahegelegene Straße benannt ist. 1923 haben Schwiegermutter und ihre Brüder die Häuser des Dunkakshofs an die damaligen Bewohner verkauft. Das Haus Buntentorsteinweg 255 blieb im Besitz der Familie. Ihre Tochter, Beate Kurzmann, die auch bei dem Gespräch zugegen ist, geht mit mir 'vor Ort'. Sie bleibt gleich am Ende des Ganges stehen, der zwischen den beiden Häusern hindurchführt. Dort befindet sich das Haus Dunkakshof Nr. 2. Frau Kurzmann weiß zu berichten, dass um1900 in diesem Häuschen ein Ehepaar mit acht Kindern gelebt habe. Die Kinder hätten z.T. in den Kommodenauszügen geschlafen.

Wir gehen weiter in den Hof hinein. Frau Kurzmann erinnert sich: Mitte der 50ger Jahre wohnten im Dunkakshof in zehn Häusern etwa 35 Personen. Wir kommen mit Bewohnern ins Gespräch: In den neun Häusern, die unmittelbar im Hof liegen, leben heute zehn Personen, also so viele wie im Haus Nr. 2 um die Jahrhundertwende ein Dach über dem Kopf fanden: ein deutliches Beispiel für den sozialen Wandel seit jener Zeit.

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