Logo Klein  Mexiko
 
 

Folge 42a/2004, Bremen, den 27.12.2004 (Nr.174)   2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary
        
Bitte beachten Sie bei Ihren Einkäufen und Aufträgen unsere Unterstützer:

 
 
Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch.
Matthias Claudius

Die Seite 'Ihr Begrüßungsset:' nennt zunächst die drei Wege, auf denen man sich als Kunde für die PACKSTATION anmelden kann: via Internetseite, via Servicetelefon und via begefügter Anmeldepostkarte. Wer sich 'online' anmeldet, bekommt 'zusätzlich Gutscheine von unseren Partnern'. Damit sind Geschäftspartner des anbietenden Unternehmens gemeint, z.B. ein großes Versandkaufhaus. (Um herauszufinden, wer diese Partner sind, muß man allerdings im Internet nachforschen oder - wie ich es gemacht habe - das Servicetelefon nutzen.)
 
Dann wird das Begrüßungsset beschrieben, das NeukundInnen erhalten: Es enthält den persönlichen Schlüssel zum PACKSTATION-System, nämlich eine Goldcard genannte Chipkarte. Zu dieser Chipkarte gehört eine Kundennummer und eine Art Geheimnummer. Ferner ist eine Bedienungsanleitung mit dem schönen Titel 'Versteht sich von selbst.' beifügt. Auch ein Lageplan der PACKSTATIONen in der Stadt des Kunden befindet sich in dem Set.
 
Letztlich erinnert das Ganze an die Selbstbedienungsterminals von bestimmten Banken: Dienstleistungen, die früher von Angestellten (Schalterpersonal und Paketboten) erbracht wurden, werden von den Kunden in Zusammenarbeit mit Automaten ausgeführt. Nur sind hier eben nicht nur Zahlen auf Konten zu bewegen, sondern tatsächlich vorhandene Gegenstände von A nach Zuhause oder umgekehrt.
 
Und dazu bedarf es schon mächtiger Apparate. Die werden unter der Überschrift 'Ihre Packstationen' auf der dritten Seite vorgestellt. Es gibt zwei Modelle. Im Modell eins werden die Pakete in einem drehbaren Magazin auf bewahrt. Der Automat wird dadurch relativ kompakt. Modell zwei erinnert an eine relativ langestreckte Wand mit Schließfächern.
 

 
Dies sind die neuen Ansprechpartner der Paketversender und -empfänger. Sie sind zwar - wenn sie technisch funktionieren - Tag und Nacht ansprechbar. Aber die Kommunikation erfolgt nach formalisierten Regeln, die man erst einmal lernen muß. Ferner verläuft der Dialog nur regelgerecht, wenn man über den Schlüssel zum Dialog, nämlich die Chipkarte, verfügt.
 
Und auch diese Chipkarte muß funktionieren. Was auf dieser Chipkarte gespeichert ist, kann man durch den bloßen Augenschein nicht erkennen. Welche Daten möglicherweise im Automaten und seiner technischen Umgebung gespeichert sind und werden, ist auch nicht durch bloßes Hinsehen erkennbar.
 
Die vierte Seite trompetet 'Ihre kostenlose Anmeldung:'. Und präsentiert die Rückseite jener Antwortkarte, deren Vorderseite wir schon kennenlernen durften. Auf dieser Rückseite darf man seine Kundendaten eintragen. Neben den üblichen Angaben fällt hier besonders auf, dass man seine Mobilfunknummer und /oder seine eMail-Adresse angeben muss. Das liegt daran, dass Benachrichtigungen über angekommene Pakete nur auf diesem Wege (eMail oder SMS) zugestellt werden.
 
Ferner ist bemerkenswert, dass die Kostenlosigkeit der Anmeldung hervorgehoben wird. Man soll sich also darüber freuen, dass man nichts dafür bezahlen muß, bloß erst einmal rein formal Kunde werden zu dürfen. Vom Bezahlen für konkret erbrachte Dienstleistungen ist hier noch garnicht die Rede. Eine solche Aufbauschung von scheinbaren Selbstverständlichkeiten ist aber erst möglich in einer Zeit, wo für immer mehr Dienstleistungen, die früher kostenlos waren, Gebühren erhoben werden, siehe Praxisgebühr. Man kann es ohne große Übertreibung so zusammenfassen: Seien Sie dankbar, dass Sie mit dem Automaten zusammen die Arbeit der Postangestellten und des Postboten machen dürfen, ohne für diese Lizenz bezahlen zu müssen.
 
Kommen wir zum letzten Kapitel. Es ist niedergeschrieben auf einem einzelnen Blatt im Lang-Din-Format. Die im geschlossenen Umschlag sichtbare Seite dieses Blattes schmeißt sich in großen, weißen Buchstaben auf knallrotem Grund an die LeserInnen heran: 'Ich bin Ihr Nachbar, der außer Paketen nichts erwartet.' Das ist nun eine durchsichtige Anspielung: Fast jeder Bürger hat schon einmal ein Paket bekommen, das zunächst der Nachbar für ihn entgegengenommen hat. In den allermeisten Fällen hat der Nachbar für diese Gefälligkeit nicht mehr erwartet als ein 'Danke'.
 
Dies 'Danke' muß man dem Automaten freilich nicht entrichten. Ein Trinkgeld zu Weihnachten, wie gegenüber dem unermüdlichen Postboten, fällt auch nicht an. Der Automat empfiehlt sich als Vorbote einer gestenarmen Welt.
 
 

 
Ob das nun ein Grund zum Jubeln ist, sollte man genau prüfen. Für die Versender der PACKSTATION-Werbung ist aber klar: 'Liebe Bremer/innen, Sie haben allen Grund zum Jubeln. Denn direkt bei Ihnen um die Ecke, Steubenstr. 20, (es folgt der Name des Unternehmens), ist jemand Tag und Nacht für Sie zur Stelle: die PACKSTATION von (es folgt der Name des Unternehmens). (...) in der beiliegenden Broschüre finden Sie weitere Informationen über die Vorteile Ihrer unermüdlichen Nachbarin.'
 
Welche Vorteile - außer den vom Unternehmen angepriesenen - mögen das sein? Eine Antwort weiß ich nicht. Aber es gibt sicher welche. Davon bin ich als Nicht-Maschinen-Stürmer überzeugt.Da fällt mir merkwürdigerweise die Geschichte ein, in der geschildert wird, wie der Kleine Prinz einem Händler begegnet, der durststillende Pillen verkauft. Eine dieser Pillen vertrieb den Durst für eine ganze Woche: 'Warum verkaufst du das?' sagte der kleine Prinz. 'Das ist eine große Zeitersparnis', sagte der Händler. 'Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.' 'Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?' 'Man macht damit, was man will...' 'Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte', sagte der kleine Prinz, 'würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen ...'
< Teil A

wird fortgesetzt

Wie Sie wissen, liebe LeserInnen pflegt kleinmexiko.de einen kleinen Austausch mit Chirayu Parikh in Pune (Poona)/ Indien. Chirayu möchte die deutschen Leser wegen der Flut- und Erdbebenkatastrophe in Südostasien (Indien ist auch betroffen) auf eine Liste von Unterstützungs- und Hilfsorganisationen aufmerksam machen. Nähere Informationen auf seinem blog. Beachten Sie insbesondere die Liste der Konten der deutschen Hilfsorganisationen, auf die er hinweist.
Direktere Informationen über die Folgen der Katastrophe in Indien finden Sie zum Beispiel im Indian Express
 
English summary:
In several German cities now exist automatical parcel counters (see col. 29). These counters are large post office box systems in the open air. By means of this machine and a card with electronic chip one can pick up and dispatch parcels day and night. The operating panel of the maschine is a little bit more complex than the operating panel of a cash dispenser, but it's the same principle: The client partially does the job of the employees (post office employees or postman).
 
I got an advertising mail for this machine. In this advertising copy one can find a little bit exaggerated comparisons: You have to make a contract, if you want to use the machine. This contract for example is called 'declaration of independence'.
 
The registration form is called 'Your free registration'. But the registration only normally should be free. One has to pay only real services.
 
When you make the contract, you get vouchers of companies, which are partners of the operating company. But you can not directly find the names of this companies in the advertising copy.
 
The advertising copy speaks about the machine in the first person: 'I am your neighbour, who exspects nothing than parcels.' When your neighbour accepts your parcel, you normally have only have to say 'Thanks'. The postman sometimes gets a tip. The machine doesn't exspect a tip or 'Thanks'.
 
Because of the tsunami cataclysm Chirayu Parikh, my collaborative writer in Pune/ India, sends me a link concerning tsunami-help addresses of relief funds and a list of links of relief funds and aid agencies. Further more direct informations about the situation in India see for example Indian Express
 
Please also read Slogans (16)

to the top/ photos    <previous col.    next col.  >

Nächste Folge 'Alltag in Bremen':
Donnerstag, den 06.01.2005


< vorige Folge    nächste Folge >

Übersicht: Alle Folgen 'Alltag in Bremen'

Parolen (1)

Parolen (2)

Parolen (3)

Parolen (4)

Parolen (5)

Parolen (6)

Parolen (7)

Parolen (8)

Parolen (9)

Parolen (10)

Parolen (11)

Parolen (12)

Parolen (13)

Parolen (14)

Parolen (16)

Parolen kaputt

         Platzhalter für Anzeigen
Platzhalter für Anzeigen


























  
 
 

nach oben
        Kontakt        sitemap