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Folge 45a/2003, Bremen, den 09.10.2003 (Nr. 124)   1 Jahr kleinmexiko.de: Danksagung
        
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Oh, I'm bein' followed by a moonshadow, moonshadow, moonshadow
Leapin and hoppin' on a moonshadow, moonshadow, moonshadow ...
Cat Stevens : Moonshadow
 
Einen Schatten haben, Schattenwirtschaft, Schattenwelt, Schattenreich, Schattengestalt, Schattenseite, Schattendasein, jemanden beschatten, Schattenmorelle, Nachtschattengewächs, Schattenkabinett, Schattenwurf, Schattenriß, Schattenspiel, Schatten spenden .... die Wort-Welt des Schattens ist nicht gerade mit freundlichen Bedeutungen besetzt.
 
Dabei ist der Schatten - wenn man ihm denn schon was Schlechtes nachsagen will - zunächst nur ein unscheinbares Phänomen des sonnigen Alltags. Aber gerade deshalb verdient er unsere Liebe und Beachtung.
 
Wenn Kunst uns die bekannte Welt in neuem Licht zeigt, dann ist der Schatten ein Künstler in der Natur.Er entwirft aus den alltäglichsten Gegenständen fremdartige und flüchtige Erscheinungen von oft zartem Wesen.
 
Vielleicht schmähen wir Menschen den Schatten schon allein deshalb, weil wir allen einen Schatten werfen, ihn aber nicht beherrschen und erst recht nicht verkaufen können - von literarischen Ausnahmen einmal abgesehen.


 
Das Volk hat den Schatten als Sinnbild des Elends in Dienst genommen und ihm unterstellt, er komme besonders häufig dort vor, wo auch viel Licht sei. Als physikalische Erscheinung freilich verhält der Schatten sich anders: In der Wüste ist zwar viel Licht, aber Schatten wird dort meistens eher herbeigesehnt als dass er vorhanden ist.
 
In einem Erdteil, in dem es zahlreiche Wüsten gibt, befinden sich viele Menschen nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Freilich mag uns das hiesige Tagblatt, der Weser-Kurier, vom 07.10.2003 mit dieser Nachricht nicht allzu sehr das Gemüt verdunkeln. Die Meldung 'Eine Milliarde lebt in Elendsvierteln' ist ihm dreizehn Zeilen auf der ersten Seite wert. Vierzehn Zeilen auf der ersten Seite beansprucht dagegen die Nachricht, der Verteidigungsspieler M.K. werde gegen eine erkleckliche Summe (der genau Betrag bleibt im Dunkeln) aus der Hansestadt zu einem Ruhrgebietsclub wechseln. Die Nachricht verweist auf einen weiteren, 39-zeiligen Bericht im Sportteil mit der Überschrift 'Eine Frage des Geldes'.
 
Doch nun zu den heiteren Seiten Bremischer Schatten.
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Im 'Viertel' fand ich den Schatten einer Lichtquelle, die in der Nacht ihrerseits Schatten zu erzeugen vermag. Diese nächtlichen Schatten freilich sind ortsfest. Die Schatten der Laterne jedoch wandern unaufhörlich, solange sie existieren. Die Bewegung der Erde um ihre mächtige Laterne machts möglich. Plötzlich verstehe ich, warum die Menschen solange am Wunschbild festgehalten haben, ihre Erde sei der Mittelpunkt des Weltalls und die Sonne sei nur eine sie umkreisende Laterne.
 
Der Schatten des Mastes wird in der Mitte vom diffusen, rhombischen Schatten einer Flagge überdeckt, die am Haus gegenüber flattert. Ihre Aufschrift fordert, aus dem Toskanischen übersetzt, 'Frieden'. Von Brot für die Hungernden der Welt ist auf ihr keine Rede, von Teilen des Brotes schon gar nicht.


 
Wie deutlich ein Schatten erkennbar ist, hängt auch von der Beschaffenheit der Fläche ab, auf die er fällt. Eine ebene Fläche bildet den Schatten gut ab. Eine Fläche mit ausgeprägtem Relief löst die Konturen mehr oder weniger stark auf. Die Gardinen im Fenster verschlucken den Schatten dieses Laternenmastes im 'Viertel' fast.
 
 

 
Schatten geben das umrißhafte Abbild 'ihrer' Gegenstände wieder und verzerren es mehr oder minder stark. Diese verzerrten Abbilder regen schon seit jeher die Phantasie der Menschen an. Dies ist der Schatten eines Verkehrsschilds an der Utbremer Straße, das mit einem Straßenschild kombiniert ist. Es erinnert mich ein wenig an den Ostberliner Funkturm, verziert mit einer Riesenflagge.
 
Der Schatten auf der Fahrbahn-Markierung zeigt eine weitere Erscheinung: Helle, das Licht reflektierende Flächen geben Schatten weniger stark wieder als dunkle.

 
Manche Schatten verraten erst richtig die vermeintlichen 'Fehler' ihrer Gegenstände. Der Schatten dieses Zaunes findet sich auf den Trottoir der Bismarckstraße am St.-Jürgen-Krankenhaus. Er zeigt, dass der schöne, alte Zaun eben keine gerade Linie bildet, sondern seine Höhen und Senken hat.

 
 

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