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Folge 48/2003, Bremen, den 06.11.2003 (Nr.127)   1 Jahr kleinmexiko.de: Danksagung
        
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...persönlicher Stil in einer unpersönlichen Zeit...
die Schwelle Ihres Heimes, das ist die Grenze zwischen der genormten Welt draußen und Ihrer eigenen Welt drinnen. Draußen die harte Gegenwart in Stahl, Glas und Beton, drinnen freundliche Wände und die unverwechselbare persönliche Atmosphäre. Draußen das kalte Gleißen der Neonlichter, drinnen die wohltätige Ruhe einer Raumstimmung, die sich auf den reinen klaren Farben von XYZ-Linoleum aufbaut. XYZ-Linoleum ist als Bodenbelag unübertroffen.: ebenso schön wie wirtschaftlich, ein wertvolles Produkt aus natürlichen Rohstoffen überseeischer Länder.

Aus Werbeanzeige in 'Das Schönste', 2/1960


Im Augenblick leiste ich gelegentlich den Katzen meiner Freundin in der H.-H.-Meier-Allee Gesellschaft, während sie zur Schule geht. Wenn ich den Laubengang betrete, an dem die Wohnung liegt, fällt mir immer wieder ins Auge, dass der Gang nur vor ihrer Wohnung gewischt und gefegt ist. Vor den anderen Türen liegt viel Laub und festgetretener Staub.
 
Die Wohnungstür ist gegen Einbruch und Überfall gesichert. Der Grund ist gruselig: Vor einiger Zeit war eine zwielichtige männliche Gestalt mitten in der Nacht in den Laubengang hinaufgeklettert und hatte an der Tür geklingelt. Die Katzensicherung auf dem Balkon ist zugleich Einbruchschutz. Die Balkontür öffnet man nachmittags und abends besser nicht: Der Lärm vom nahen Sportplatz raubt auch robusteren Naturen jegliche Konzentration.
 
Die Wohnung selbst ist sehr klein und eng. In der schmalen Küche muß man sich an einem Klapptisch fast vorbeizwängen, um den Raum zu betreten. Im Wohnzimmer gibt es nur abends etwas Sonne. Hier steht auch das Bett, das einst das winzige Schlafzimmer fast ausfüllte. Das Schlafzimmer ist jetzt Arbeitszimmer. Der Grund für dieses ungewöhnliche Arrangement: Das Schlafzimmer grenzt an die nächste Klause, die nur durch eine schlecht isolierte Wand abgetrennt ist. Nachts kann man die Stimmen aus dem nachbarlichen Fernseher schon fast verstehen.
 
Ich stelle den Fernseher an. Der Ton bleibt leise, versteht sich. Ich zappe durch die Werbespots: Die Bilder, Worte und Töne rasen in einer Geschwindigkeit, die meine ungeübten Sinnne überfordern. Ich erhasche immer nur Teile. Deshalb sind meine folgenden Nacherzählungen auch nicht völlig detailsicher:
 
Vor einer mediterranen Villa spazieren zwei gepflegte junge Damen. Die eine berichtet der anderen, sie sei gerade von einer Messe zurückgekommen. Dort habe sie einen attraktiven Mann kennengelernt. Leider habe sie es aber versäumt, näheren Kontakt aufzunehmen. Dann kommt eine Schachtel Konfekt der Marke XYZ ins Bild. Der Angebetete hat die Adresse der Frau herausgefunden und ihr die Schachtel nebst Liebesgrüßen zukommen lassen.
 
Aus der Vogelperspektive sieht man eine kleine runde Insel in türkisblauem Meer. Menschen lustwandeln an einem blendend weißen Strand. Kokosflocken und ein Strom von Milch wird eingeblendet.
 
 
Plakatwand mit Papierresten
 
Die Veranda eines weißen Südseehauses kommt ins Bild. Überwiegend weißgekleidete Menschen naschen dort weißen Konfekt der Marke ZYX.
 
Eine Frau ruft (per SMS?) ihren Mann an, ob 'zuhause alles ok' sei. Der Mann empfängt die Nachricht in einer geräumigen Wohnung, die gerade von einer Horde Kinder ziemlich durcheinander gebracht wurde. Er räumt in Blitzesschnelle die Wohnung auf, drapiert die Kinder auf dem breiten, weißen Sofa und schickt der Frau eine Foto-MMS mit dieser Idylle. Man sieht im Hintergrund eine edle Stehlampe und ungewöhnliche, avangardistisch anmutende Bilder. Alles ist hell und die ganze Einrichtung ist größtenteils in Weiß- und Cremetönen gehalten.
 
Ein älterer Herr steigt von einem Leuchtturm im Meer herunter. Der Leuchtturmwärter, ein junger Mann, macht sich derweil mit Produkten der Firma YZX ein leckeres Essen. Der ältere Herr steigt zurück auf den Turm. Die beiden essen zusammen. Als Schlußbild sieht man den Leuchtturm in der Weite des Meeres. Auf der Höhe der Wohnung schweben zwei Kochmützensymbole.
 
Abends verlasse ich die Wohnung. Ein wenig Schwermut hat sich auf meine Seele gelegt.
wird fortgesetzt

vgl. auch:

Begegnungen 7

Fundsachen 13

Ohne Nachrichten 1

Parolen (1)

Parolen (2)

Parolen (3)

Parolen (4)

Parolen (5)

Parolen (6)

Parolen (7)

Parolen (8)

Parolen (10)

Parolen (11)

Parolen (12)

Parolen (13)

Parolen (14)

Parolen (15)

Parolen kaputt

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Donnerstag, den 13.11.2003


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