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Folge 60a/2002, Bremen, den 25.09.2002       Interessant: 'Zu Besuch auf dem Lande'
Wegen des Spezials erscheint die nächste Folge am 02.10.2002

Die Zeile (a)
 

        
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In der Nähe von Klein Mexiko, an der Straße 'Bei den drei Pfählen', befindet sich eine kleine Ladenzeile.Dort gibt es unter anderem eine Imbissgaststätte mit dem schönen Namen 'Hennys Gute Stube', einen Optiker, einen Juwelierladen und einen kleinen Sonderpostenmarkt, den Sandawi-Basar. Ich habe die vier Geschäftsleute, die unmittelbare Nachbarn sind, gefragt, wie ihre Situation in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist. Mein erster Gesprächspartner ist Peter Müller.


 

Die Geschäftszeile 'Bei den 3 Pfählen'

Er ist der Besitzer von 'Hennys Gute Stube', einer kleinen Imbissgaststätte mit einem großen Tresen und ein paar kleinen Tischen davor.

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Klein Mexiko: Herr Müller, wie laufen die Geschäfte?

Peter Müller: Mäßig. Es gibt einen Umsatzrückgang von dreißig Prozent in den letzten drei Jahren. Dennoch ist der Imbiss immer noch eine Existenzgrundlage: Die Räume sind mein Eigentum und ich beschäftige keine Mitarbeiter.



Peter Müller hinter seinem Tresen in 'Hennys Gute Stube'.

KM: Wo liegen die Ursachen für den Rückgang?

P.M.: Die große Tankstelle an der Kreuzung Stader Straße/ Bismarckstraße bietet Getränke, Bier und Cola, und sogar Speisen billiger an. Dadurch ist der Außer-Haus-Verkauf an Getränken und Speisen zurückgegangen. Im hiesigen Kreuzungsbereich sind in den letzten Jahren drei Konkurrenzbetriebe hinzugekommen, mit denen ich mir die Kunden teilen muß. Neuerdings bietet sogar die Bäckerei-Filiale neben dem Kaffee warmes Essen an. Kaffee-Ausschank ist für mich auch eine Verdienstquelle, wenn auch nicht die bedeutendste. Bei der Einführung des Euro haben vereinzelt Gastronomie-Betriebe erheblich die Preise erhöht. Diese 'schwarzen Schafe' haben die ganze Branche in Verruf gebracht nach der Devise 'einer teuer, alle teuer'. Ich habe freilich auch die Preiserhöhungen der Zulieferer weitergeben müssen. Die schlechte Konjunktur und die individuelle Angst vor drohender Arbeitslosigkeit hat zu einer allgemeinen Kaufzurückhaltung geführt. Meiner Ansicht nach ist auch die Einwohnerschaft des Viertels überaltert, so dass hier der Nachwuchs an jungen Gästen fehlt. Die Kommunikation zwischen den Menschen hat allgemein nachgelassen. Die Leute sitzen lieber vor dem Fernseher oder Computer als in der Kneipe. Ein weiteres Problem waren die Lebensmittelkrisen wie BSE, Schweinepest usw..



Peter Müller vor seiner Grillgaststätte.

KM: Mit welchen Maßnahmen steuern Sie gegen diese Probleme an?

P.M.: Gegensteuern ist schwierig. Ich konkurriere mit einem großen Konzernen, siehe Tankstelle, und einem Filialisten, siehe Bäcker. Deren Preise kann ich nicht unterbieten. Das ist den Kunden schwer klarzumachen. Ich kann nur mein Angebot erweitern, zum Beispiel mit Steaks. Und ich hoffe auf die Mundpropaganda.

 
KM: Welche Veränderungen müßten im Umfeld der Imbissgaststätte herbeigeführt werden, damit es besser läuft?

P.M.: Die Menschen müßten wieder mehr verdienen, damit sie bereit sind, auch in einen Gaststätten-Besuch zu investieren. Hier im Viertel müßte durch irgendwelche Attraktionen wieder mehr Leben auf die Straßen kommen. Angesichts des gestiegenen Verkehrsaufkommens wären zusätzliche Parkplätze notwendig.

KM: Können Sie uns noch ein wenig zur Geschichte Ihrer Imbissgaststätte erzählen?

P.M.: Hennys Gute Stube war ursprünglich eine Gaststätte, die bis 5:00 oder 6:00 Uhr morgens geöffnet war. Wenn Sie so wollen, war es ein Nachtlokal. Es wurde Anfang der 50ger Jahre von meinen Eltern, Henny und Adalbert Müller, gegründet. Es befand sich in einem Flachbau, der sich an der Stelle befand, wo heute der Sandawi-Basar ist. Ende der 50ger Jahre wurde der Gebäude-Komplex errichtet, der heute vom Sandawi-Basar bis Hennys Gute Stube reicht. Meine Eltern haben den Pachtvertrag für die ursprüngliche Gaststätte unter der Bedingung beendet, dass sie in dem Neubau Räumlichkeiten für eine Gasstätte erhielten. 1961 wurden Hennys Gute Stube wieder eröffnet. Ich selbst führe das Geschäft seit 27 Jahren.





Ein paar Meter von Hennys Guten Stuben führt Abla Sandawi den kleinen Sonderpostenmarkt Sandawi Basar.

Auch Abla Sandawi hat mir über ihre Situation berichtet.

Klein Mexiko: Wie laufen die Geschäfte?

Abla Sandawi: Der Umsatz ist in den letzten Jahren gleich geblieben. Der Laden allein jedoch ernährt die Familie (Eltern, drei Kinder) nicht. Aber mein Mann fährt als fliegender Händler mit dem gleichen Sortiment durch die Städte Norddeutschlands. Beide Geschäfte zusammen sind eine Existenzgrundlage.



Der Sandawi-Basar bietet auf kleiner Fläche ein großes Sortiment an.

KM: Wo liegen die Ursachen für das erfolgreiche Überleben?

A.S.: Unsere Preise sind günstig. Sie liegen zum Teil bei 50 Prozent der Preise des entsprechenden Fachhandels. Wir haben seit der Einführung des Euro nicht erhöht. Ich habe meine Stammkunden und behalte sie auch. Das Sortiment ist ziemlich breit. Wir haben keine Miet- und Lohnkosten. Der Laden gehört uns. Alle Famlienmitglieder helfen mit.

Im Teil b berichten die Juwelierin Claudia Busch-Winckelmann und der Optiker Dietrich Segebade über ihre Geschäfte.

vgl.

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Peter Müller, Gastwirt und Philosoph

Leerstehende Ladenlokale nahe einer Vorstadtkreuzung

 
 

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