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Folge 65a/2002, Bremen, den 17.10.2002    Weiterhin lesenswert: 'Bahnhofsmission'
!!Wegen des Spezials nächste Folge am Mittwoch, den 23.10.2002!!
        
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Der erste Eindruck von der Sögestraße: Die Saubermänner (Bildmitte) sind aktiv.

Klein Mexiko hat an einem Mittwoch nachmittags die Sögestraße besucht. Das ist ein Teil der Fußgängerzone in der Altstadt, die den Schüsselkorb mit der Obernstraße verbindet. Die Sögestraße ist mit etwa dreihundert Metern nur halb so lang wie die Meile Obernstraße/ Hutfilterstraße . Als ich die Sögestraße hinunter flaniere, fällt als erster Mensch ein etwa fünfzigjähriger Mann in blauer Montur auf. Er geht langsam durch die Straße, schaut dabei beständig auf den Boden und liest mit einem Greifer Zigarettenkippen, Papierfetzen und sonstigen Müll auf. Den Müll füllt er in eine graue Plastiktüte, die er mit sich führt. Ich frage den Mann, in wessen Auftrag er arbeite. Er steht in den Diensten der 'rno'. Dieses Unternehmen ist erst seit etwa einem Vierteljahr aktiv und gehört zur gleichen Gesellschaft wie die 'eno', die in Bremen bekanntlich die Müllabfuhr erledigt. Der Mann erzählt mir, die 'rno' habe vor kurzer Zeit 9000 qm der Fußgängerzone von Kaugummi gereinigt.


Der südwestliche Teil der Sögestraße nahe der Obernstraße ist ein ideales Revier für Zeitungsverkäufer (rechts) und Verteiler von Werbezetteln (links hinten vor der Säule).

Ich gehe weiter: Die Besucher der Sögestraße müssen sich den Verkehrsraum nicht mit der Straßenbahn teilen. Es sind dennoch - gerade im Bereich nahe der Obernstraße - so viele Menschen unterwegs, dass ich manchmal aufpassen muß, mit keinem Passanten zusammenzustoßen. Diesen stark besuchten Bereich hat sich ein Verkäufer einer Obdachlosenzeitung als Revier ausgesucht. Als ich ihn anspreche, beginnt er, mir ohne Punkt und Komma aus seinem bewegten Leben zu erzählen.


 
Ein paar Meter weiter verteilt ein junges Mädchen Zettel, die zum ermäßigten Eintritt für eine Party auf einem 'Clubschiff' berechtigen. Von einer 'lounge' und von 'vip' ist ebenfalls die Rede auf der Einladung. Das beflügelt meine Phantasie: Ich stelle mir junge Menschen, die es schon 'geschafft' haben, auf einer Tanzparty in einer gediegenen Umgebung vor. Und wenn ich von dem Zettel aufblicke, vermag ich auch hier und da in der Menge eine junge Frau oder einen jungen Mann zu erkennen, deren gepflegtes und modisches Aussehen auf ein gutes Einkommen hinweisen könnte. Doch auch zahlreiche Menschen im reiferen Alter sind auszumachen, über deren Status man dasselbe vermuten könnte. Vieleicht empfinde ich deshalb die Atmosphäre hier als relativ entspannt, weil nicht wenige Menschen unterwegs sind, die offenbar keine so großen materiellen Sorgen haben.


In der Sögestraße gibt es zahlreiche Geschäfte, aus deren Schaufenster der Luxus glänzt.

Diesem Publikum entspricht das Angebot der Geschäfte. Wer reich und gut ausgebildet ist, kann hier angenehm einkaufen: Ich zähle allein fünf Juweliere und zwei große Buchläden. Es gibt einige Geschäfte mit teurerer Bekleidung. Etliche Schilder verweisen auf Praxen und Kanzleien. Aber es findet sich unter anderem auch ein Laden mit erschwinglichen Geschenkartikeln.
Ich frage nach, wieweit sich hier die Rezession bemerkbar macht. Bei zwei von drei befragten Juwelieren höre ich nicht nur Optimistisches. Freilich - so belehrt man mich - könne man in dieser Branche das Geschäftsjahr erst nach dem Ende des Weihnachtsgeschäftes beurteilen. Auch im Buchhandel - so eine Auskunft - merke man , dass der Kunde überlege, bevor er den Euro ausgebe.

vgl. auch In der Fußgängerzone (1)

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