Logo Klein  Mexiko
 
 

Folge 78a/2002, Bremen, den 22.12.2002
Nächste Folge am 29.12.2002!
        
Bitte beachten Sie bei Ihren Einkäufen und Aufträgen unsere Unterstützer:

 
 

Geh ruhig und gelassen durch Lärm und Hast
und sei des Friedens eingedenk,
den die Stille bergen kann.
Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich,
in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
Äußere deine Wahrheit ruhig und klar
und höre den anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.

Aus einer Inschrift von 1692
in der Kathedrale St. Paul
in Baltimore/ USA

17.12.02

Ich werde heute beginnen, die Stadt mit Hilfe des Gehörs zu erkunden. Ich werde die Augen schließen und mich darauf konzentrieren, was ich höre.

 
ca. 15:00 Uhr
Meine erste Station ist ein türkisches Schnellrestaurant im 'Viertel'. Am Nebentisch unterhalten sich einige türkische Männer mit Temperament und ziemlicher Lautstärke: Mal erzählt nur einer und alle anderen hören zu, dann reden zwei oder drei Männer durcheinander. Die kurzen Monologe kommem von verschiedenen Männern. Es gibt keinen, der das 'große Wort' führt. Immer wieder lachen sie. Mitten in die Rede piept etliche Male energisch die Kasse am Tresen hinein. Mit leisem Ping meldet sich die Mikrowelle. Schließlich steht einer auf. Ich kann hören, wie seine Stimme wandert.



Aus der Küche höre ich ein dauerndes Knistern: Ist es Bruzeln oder hantiert dort jemand die ganze Zeit mit Alufolie? Irgendwann stetzt das Gurgeln eines Küchengerätes ein. Es verstummt nach ein paar Minuten wieder, ohne dass ich hätte erraten können, um was für ein Gerät es sich handelt. Später höre ich das Schaben eines Besens. Irgendwann setzt sehr diskret orientalische Musik ein.
 
Der Mann hinter dem Tresen hebt ganz leicht die Stimme, wenn er ankommenden Gästen die möglichen Speisen aufzählt. Wenn er sich mit seinem Kollegen unterhält, wird die Stimme wieder etwas tiefer und weniger gewinnend im Klang. Einmal höre ich seine Stimme in der Küche.

 


Die deutschen Gäste unterhalten sich eher gedämpft. Kinder kommen herein. Sie rufen mit lauter Stimme den Erwachsenen dies und das zu. (Als ich später aufblicke, sehe ich nur ein Kind.) Ein Mobiltelefon bimmelt. Eine Frau am Nebentisch meldet sich. Sie erhebt ihre Stimme ein wenig.
 
16:30 Uhr
Ich setze mich in der Miederabteilung eines Kaufhauses auf einen Stuhl in der Nähe der Rolltreppe. Ihr ununterbrochenes Summen ist der Grundbass zu allen anderen Geräuschen. Das Stimmengewirr der Gespräche wirkt wie ein heiteres Plätschern auf mich. In unregelmäßigen Abständen kommt für ein zwei Sekunden ein lauteres Lachen oder Reden von Menschen, die an mir vorbeifahren, in meinen Hörbereich. Oft sind es Stimmen von Jugendlichen, die hervortreten: Sie sind hörbar 'aufgekratzt'. Die Stimmen anderer Menschen klingen belebt, erwartungsvoll. Sofort registrierbar wird eine Gruppe von AsiatInnen, die sich am Fuße der Rolltreppe laut unterhalten.
 
Es gibt keine 'Hintergrund'-Musik. Aus den Lautsprechern ertönt nur gelegentlich eine diskrete, aber nicht ganz unenergische Frauenstimme, die eine einzelne Zahl durchsagt: 415 oder 467 oder 405.
 
Zwischendurch ertönt von ferne ab und zu ein Piep einer Kasse. Durchdringender ist da schon der Diebstahlsmelder, der einmal anschlägt.Ganz fein ist dagegen das Klicken und leise Quietschen der Bügel, die auf den Warenständern bewegt werden. Einen akustischen Schock verursacht das Rumpeln eines Metallcontainers, den ein(e) Angestellte(r) an meinem Lauschposten vorbeischiebt.
 
vgl. Gehör finden 4: Einkaufspassage

Jobsuche per Computer im Kaufhaus

Auf'm Schirm



< vorige Folge

Archiv: Alle Folgen 'Alltag in Bremen'

         Platzhalter für Anzeigen
Platzhalter für Anzeigen


























  
 
 
   
 
 
 

nach oben
        Kontakt        sitemap