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Folge 79/2002, Bremen, den 29.12.2002
        
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23.12.2002
Ich suche die Schalterhalle eines Geldinstituts auf (ein unverdächtigerer Name fällt mir nicht ein). Ich nehme in einem Sessel am Rand der Halle Platz und horche mit geschlossenen Augen. Gelegentlich blicke ich auf, um die Quelle eines Geräusches zu orten.
 
Jeder laute Ton erzeugt in dem großen, hohen Raum einen Widerhall. Das fällt mir besonders auf, wenn Absätze über den Steinfußboden klappern. Immer wieder bimmelt irgendwo ein Telefon. Ein Wispern dringt zu mir durch. Es hört sich an, als liefe ein Film mit Dialogen in einem Fernseher, der in einem anderen Zimmer steht. Ich blicke auf und sehe auf eine Leinwand, die auf der anderen Seite der Halle aufgespannt ist. Auf der Leinwand läuft ein Werbefilm über Finanzdienstleistungen.
 
Nachdem ich die Augen wieder geschlossen habe, werde ich durch ein lautes Piepen aufgeschreckt. Es ähnelt dem Alarm, den jene Schleusen in Kaufhäusern auslösen, die gestohlene Ware melden. Ich wende mich an eine Mitarbeiterin des Instituts: Sie erklärt mir, dass einige Türen an der Rückseite der Halle neuerdings besonders gesichert seien. Sie führen zu Bereichen im Hause, die nicht jedermann ohne weiteres betreten solle. Die Beschäftigten des Instituts hätten Karten für ein Lesegerät an der Tür. Wenn sie die Karten in das Gerät einführen, werde die Berechtigung für den Zugang festgestellt und die Tür öffne sich. Einige KollegInnen, die mit der Anlage noch nicht so vertraut seien, lösten durch Bedienungsfehler gelegentlich einen falschen Alarm aus.
 
27.12.2002
Ich beziehe wieder meinen Horchposten im Geldinstitut. Mehr als beim ersten Besuch fällt mir die Wirkung des Halls in der 'Kathedrale des Geldes' auf: Die leiseren Stimmen scheinen durch leise Halleffekte zu einem ständigen, undurchdringlichen Gewisper zusammenzufließen. Seltener tritt eine kräftigere Stimmen hervor: Ich höre ein betontes 'Guten Morgen! Wie geht's?' Ein Vater erklärt seinen Kindern: 'Da müssen wir erstmal fragen, wo wir hin müssen.' Das Kleinste antwortet mit einem erfrischenden 'Gu' und 'Gack'. Aus dem Foyer der Halle dringt eimal ein Fetzen einer sich leicht hebenden Frauenstimme hervor: Eine Mitarbeiterin des Hauses berät einen Kunden. Markantere Äußerungen wie ein starkes Husten werden so verstärkt, dass ich unwillkürlich erschrecke. (Wie mag es erst dem Menschen gehen, der das Geräusch 'verursacht'?) Das kurze, laute Lachen einer Frau wirkt durch den Hall fremdartig.
 


 
Die meisten Trittgeräusche dringen in einem fast einheitlichen, gemessenen Tempo an mein Ohr. Ab und zu schlurft jemand hörbar die Treppe vom Foyer zur Halle hinauf. Nur gelegentlich nehme ich ein schnelleres Stakkato wahr: Wenn ich aufblicke, sehe ich dann meistens eine junge Dame vorbeieilen, die so gekleidet ist, dass der Beobachter durchaus auf die Idee kommen könnte, sie arbeite in einer Bank.
 
Immer wieder höre ich aus dem Foyer ein zirpendes Geräusch. Eine Kundenberaterin erklärt mir, das sei der Buchungscomputer. Bekannter ist mir da schon das Sägen eines Nadeldruckers, das sporadisch von einem der Schreibtische herübertönt. Von der Rückseite der Halle vernehme ich immer wieder ein leises 'Piep'. Ich ahne, dass dies die akustische Bestätigung des Türöffners ist. Der Sichtbefund gibt mir Gewißheit. Nur einmal höre ich von ganz fern aus dem Foyer Geschirrklappern. Es kommt aus dem Café, das sich dort in der Nähe der Tür befindet.


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