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Nüchterner Blick auf den Alltag der anderen 

Jan Frey gibt eine eigene Zeitschrift heraus: 'Klein Mexiko' beschreibt das Leben am Rand der Gesellschaft

        

Das meinen andere:

 
 
Von Monika Felsing

Groß ist die Enge in 'Klein Mexiko'. In einem der winzigen Arbeiterhäuschen am Hulsberg, in den 20er Jahren erbaut, lebt Jan Frey, dicht an dicht mit seinen Nachbarn, doch sehr zurückgezogen. Wann immer die Neugier ihn treibt, macht er sich auf, um mit den Menschen über ihr Leben zu sprechen, in den Läden, auf der Straße, am Sielwall. Fragt nach ihrem Alltag, ihren Sorgen, und hört auf eine Weise zu, für die andere zu wenig Geduld haben.
Als Kleinstverleger gibt Jan Frey die Zeitschrift 'Klein Mexiko' heraus. Diesen Spottnamen hatte die Siedlung weg, als in den 50-Quadratmeter-Butzen noch Arme und Revoluzzer lebten. 'Man muss die Fähigkeit haben, bestimmte Ungewöhnlichkeiten zu sehen', meint Jan Frey. Der alte türkische Gemüsehändler, wehmütig und zerrissen nach Jahrzehnten in Deutschland, die Altenpflegerin zwischen Routine und menschlicher Anteilnahme, wecken sein Interesse: 'Denk mal, mein lieber Jan, das musst du festhalten.'
'Ich bin ein sehr neugieriger Mensch', sagt der 47-Jährige. Seine Krebserkrankung vor zehn Jahren, damals war er Programmierer für Werkzeugmaschinen, beschreibt er als Wendepunkt: 'Ich hab' mich gefragt, was ich mit meinem Leben gemacht habe. Und dann ist dieser Plan entstanden: Wenn du das überstehst und arbeitslos wirst, gründest du die Zeitung.'
Unterm Dach hat Frey sein Büro eingerichtet, mit vorsintflutlicher Technik und einem stattlichen Archiv, Dutzenden von Ordnern, in denen er abheftet, was ihm wissenswert erscheint.Die Materialsammlung für künftige Artikel. 'Ideen-Fundsachen' nennt er das.Der eigentliche Arbeitsplatz des Verlegers und einzigen Mitarbeiters von 'Klein Mexiko' ist nicht größer als eine Telefonzelle. 'Hier hat mal eine Familie mit 13 Kindern gewohnt', sagt Jan Frey, als er meinen Blick bemerkt. 'Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, sage ich, es könnte schlimmer sein. Es war schon schlimmer.'
Sein Konzept ist einfach, was ihm die Arbeit aber nicht leichter macht. 'Ich will Menschen wie Paul vom Sielwalleck, die keine Lobby haben, zu einem Forum verhelfen', sagt Frey, der sich keineswegs als Anwalt der Armen, der Junkies und Alkoholiker, der Obdachlosen und vereinsamten Alten versteht.'Ich versuche, möglichst viele Seiten zu sehen - da verteilen sich die Sympathien.'
Drei Hefte hat Frey bisher herausgegeben. Das Dritte hat ihn viel Kraft gekostet.

 
Jan Frey vor seinem Häuschen 'Klein-Mexiko' ist sein Zuhause: der Hulsberger Chronist Jan Frey
(Foto: Jochen Stoss)

'Ich bin konfrontiert worden mit viel Hoffnungslosigkeit, mit einem bisschen Hoffnung, mit sehr viel Hass, mit sehr viel Ressentiments', sagt er nach seinen Recherchen über Obdachlose.Was löst das in ihm aus? 'Erst mal gar nicht so viel, mir geht es darum, das zu Protokoll zu nehmen und mir widerstrebt es, das ideologisch einzuordnen. Die Politik lassen wir da raus.' Lösungen liefert Frey nicht mit. Aber eins steht für ihn fest: 'Die sicherste Methode, einen Menschen zugrunde zu richten, ist die, ihm die Beschäftigung wegzunehmen.' 'Ich werfe ein Schlaglicht auf meine Zeit', sagt Frey. Kalt und nüchtern geben seine Interviews und Fotoreportagen das Leben der so genannten Randgruppen wieder. Ein Humanist beobachtet und schreibt. 'Wichtig sind die kleinen Gesten, dass man sich einen Augenblick Zeit nimmt, ein bisschen genauer hinguckt', sagt Jan Frey wie zu sich selbst. 'Dann sieht man nach einer Weile, dass der andere nicht so ist, wie man sich das vorgestellt hat. Es gibt Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Welten.'
'Klein Mexiko' ist für fünf Mark unter anderem in Buchhandlungen und Tabakläden im Viertel, in Peterswerder und am Hulsberg, in der Gröpelinger Stadtteilbibliothek und in Zeitschriftenläden am Pastorenweg erhältlich. Aber auch direkt bei Jan Frey, Telefon 44 02 48.

Weitere Artikel zum Projekt allgemein:

taz bremen vom 20.03.2000

Frankfurter Rundschau vom 08.02.2001

(Menschen Machen Medien, 1/2 2001)

Weser-Kurier vom 26.08.2004

TAZ Nord vom 08.02.2007

        
Was bleiben soll, ist die Wahrnehmung selbst, unkommentiert. Und jenseits von gut und böse. Gefühle haben in 'Klein Mexiko' nichts zu suchen. Ob das funktionieren kann? Jan Frey zweifelt daran nicht.

Kühler Chronist der kleinen Leute von Franco Zotta, TAZ Bremen vom 20.03.2000
 
 
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