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Nr. 10/2019, Bremen, den 17.5.2019, Nr. 524, 17 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Requiem für eine Butterdose

        
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Butterdose
Butterdose


Rehg … Rägwießkath … du weist schon.

Ludwig Thoma: Jozef Filsers Briefwexel

Wir müssen Abschied nehmen von unserer Butterdose, die eigentlich immer Margarinedose war. Zu uns gekommen ist sie vor einem guten Dutzend von Jahren aus einem Billigwarenladen, der damals an der nächsten Kreuzung die Räume eines Supermarktes übernommen hatte. Ihr Einzug in unser Haus stand also unter dem sinkenden Stern des Fachhandels, wenigstens, was unser Quartier angeht. Denn: In einer nahegelegenen Ladenzeile hatte es Jahrzehnte zuvor noch ein Haushaltswarengeschäft gegeben.

Für mein Empfinden handelte es sich bei dem Plastik, aus dem die Dose bestand, um 'leichte Qualität'. Trotz dieser wirklichen oder vermeintlichen leichten Qualität hat sie ein dutzend Jahre durchgehalten. Erst vor ein paar Tagen habe ich im Unterteil ein kleines Loch und davon ausgehende Risse entdeckt. Und da wir keine kleinen Plastiksplitter in der Margarine haben wollen, wurde das Ende der Dose beschlossen.

Dieses Ende machte mich zu meinem Erstaunen etwas schwermütig. Ich versuchte, der Schwermut nachzuspüren und stieß zunächst auf die wirkliche oder vermeintliche leichte Qualität.
 
Wenn es wirklich leichte Qualität war, dann lag in dieser Eigenschaft auch das Ende der Dose vorbestimmt: Sie wäre in die Welt gekommen, um vorzeitig (was auch immer das wäre) wieder zu gehen. Die Schwermut ist vielleicht auch Trauer über möglicherweise mutwillig herbeigeführte Vergänglichkeit.

Die Verweildauer der Dose war deckungsgleich mit einer Phase meines Lebens, nämlich der bis dahin abgelaufenen Zeit glücklichen Zusammenlebens mit meiner Frau. Ob uns noch einmal die gleiche Zeitspanne vergönnt ist, ist angesichts der Tatsache, dass unsere Jugend weiter reift, wenigstens ungewiß.

Der Gedanke, einen Haushaltsgegenstand unter dem Gesichtspunkt der damit verbundenen persönlichen Lebensspanne zu betrachten, führt fast zwangsläufig weiter in die eigene Vergangenheit zurück: Wie lange ist es schon her, dass ich als Kind auf die Margarinedose auf dem Küchentisch im Elternhaus blickte? Wo sind die Margarinedose und der Tisch heute? Mit welchen Gefühlen saß ich an jenem Tisch? Wo sind die TischgenossInnen von damals? Sicher ist, dass manche/r und manches schon den Weg aller Butterdosen gegangen ist: Erde zu Erde, Asche zu Asche und Plastik zu Plastik. In aller Ewigkeit. Amen.

vgl.insbesondere:

Über meinen alten Rasierpinsel

aber auch:

Mein alter Regenschirm geht in den Ruhestand
 
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