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Nr. 16/2015, Bremen, den 7.8.2015, Nr. 434,   13 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Die Wahrheit über ''Die Wahrheit über ...'' (1)

        
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ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 016-15:
DIE WAHRHEIT ÜBER ''DIE WAHRHEIT ÜBER...'' (1)




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Zu unserer bundesrepublikansichen Alltagswelt gehören auch die Aufsteller, mit denen vor Zeitungsläden, Kiosken und anderen Geschäften für Tageszeitungen geworben wird. Ich habe über die Jahre immer einmal wieder Aufsteller mit einer solchen Werbung für mich dokumentiert. Dabei habe ich mich auf ein Presse-Produkt beschränkt. Das Thema dieser kleinen Serie ist es, die dargebotenen Schlagzeilen sowie Unter- oder Überschlagzeilen dieser Werbung zu untersuchen.

  Deshalb habe ich auch auf die Wiedergabe der jeweiligen Aufsteller verzichtet, da nur die Schlagzeilentexte, nicht aber die dazugehörigen, oft nicht sehr aussagekräftigen Fotos für die Analyse wichtig waren. Stattdessen habe ich ein wenig mit den grafischen Effekten gespielt, die sich aus der Seitenansicht dieser Aufsteller ergeben, damit die Leserschaft auch eine wenig Augenweide in der Textwüste habe.

Aufsteller mit Werbung für eine Zeitung, von der Seite gesehen


Mein erstes Beispiel ist eigentlich gar keine echte Werbung. Unter der Plexiglas-Scheibe eines Aufstellers wurde als Werbung einfach die obere Hälfte einer Titelseite der Zeitung geklemmt. Tiere, TV und Tore ist der Stabreim, unter dem man die Schlagzeilen dieser halben Titelseite zusammenfassen könnte. Dabei kommt das Tiere-Thema nach meinem Empfinden etwas kriegerisch daher: Die Riesenschlagzeile 'Wolfsrudel vor Bremen!' ist in kleinerer Schrift noch mit 'Sensationsfotos' überschrieben.

 
Sie erinnert den Lateinschüler in mir an 'Hannibal ante portas', d.h. 'Hannibal steht vor den Toren (Roms)'. Wobei dann die Frage auftauchen könnte, ob die Wölfe Bremen auch den Krieg erklärt haben oder ob Bremen den Wölfen den Krieg erklären muss. Dass der unterstellte miltitärische Unterton keine völlige Überinterpretation ist, sondern in das System einer verkaufsfördernden Dämonisierung passt, darauf komme ich in der zweiten Folge noch zurück.

Aufsteller mit Werbung für eine Zeitung, von der Seite gesehen


System hat bei dieser Zeitung auch der Dreh, Sendungen aus dem (Privat)-TV mit Berichten zu begleiten: 'Die Wahrheit über das Dschungelcamp' lautet hier die Schlagzeile. Darüber wird in etwas kleinerer Schrift die versprochene Wahrheit schlagwortartig etwas näher erläutert: 'Prügel, Suff, Mord-Drohungen'. Und wem das noch nicht genügte, dem wurde in der Unterschlagzeile noch Aufklärung daüber versprochen, '... und was Sie noch nicht über Königin Maren wussten'. Adressaten solcher Berichte dürften in erster Linie Menschen sein, die diese Sendungen wie das sogenannte 'Dschungelcamp' auch verfolgt haben. Interessant ist dabei, dass die Redaktion sich bemüssigt fühlt, diesen Menschen nach ausgestrahlter Sendung in Nachhinein die Wahrheit über diese Sendung mitteilen zu müssen.

 
Mir stellt sich dann sofort die Frage, warum die Menschen denn die Wahrheit über diese Sendung nicht schon erfahren haben, als sie sich diese angesehen haben. Wenn denn die nachgereichten Wahrheiten tatsächlich wahr sind, wäre ja die Sendung als reines Spektakel bloßgestellt.
 
Aber das scheint der Anziehungskraft der Sendung am Ende wohl nicht zu schaden, denn sie wurde in der Vergangenheit mit wechselnder Besetzung immer wieder aufgelegt und soll auch im nächsten Jahr wieder aufgelegt werden. Oder ist es so, dass diese Nachberichterstattung die Phantasie des Publikums in dem Sinne beflügeln soll, dass eine vielleicht letztlich doch nicht so spannende Darbietung im Nachhinein noch einmal mit der Aura des Verruchten und Unheimlichen versehen werden soll, um die Begeisterung wachzuhalten? Ich weiß es nicht.

Aufsteller mit Werbung für eine Zeitung, von der Seite gesehen


Nach Tieren und TV nun zu den Toren (ich meine natürlich die Tore im Fußball): 2:0 GEGEN HERTHA/ DI SANTO LÄSST BREMEN JUBELN wird berichtet. Meine Begeisterung wurde jedenfalls nicht entfacht, als angeblich Bremen über einen 2:0 Erfolg der hiesigen Bundesligamannschaft gejubelt haben soll, an dem besagter Spieler wohl besonderen Anteil gehabt haben soll. Ich, der ich in aller Bescheidenheit auch ein Teil Bremens bin, wußte nicht einmal davon. Und ich nehme an, ich war in meiner Unwissenheit und mit meiner nicht vorhandenen Begeisterung nicht allein in der Stadt. Also wurde die Bedeutung dieses Ereignisses für die Gesamtheit der BürgerInnen wohl ein wenig übertrieben .
 
Die aber, die tatsächlich begeistert waren, dürfen sich als Teil einer großen 'Gemeinde' fühlen, die in Wirklichkeit nicht so groß war, wie hier behauptet wurde.
 
Sollte eine Zielgruppe des Sportmarketings bei Laune gehalten werden? Dieses Bei-Laune-Halten ist auch politisch wichtig in einer Stadt, in der manche gerade das Brot und das Dach über dem Kopf haben, aber auch nicht viel mehr: Die Forderung der römischen Unterschicht nach 'Brot und Spielen' ist in abgewandelter Form auch heute noch aktuell.


Bitte werfen Sie auch einen Blick auf Charlie Dittmeiers Artikel über Werbebanner in Phnom Penh.
 
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Freitag, den 21.8.2015

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