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Folge 29/2004, Bremen, den 26.08.2004 (Nr. 161)   2 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
English summary                                  !!Neu!! Heft 4
        
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'Naja ... das ist Showbuisiness! Puuh!'  
Robert Crumb: Schumann, der menschliche.
 
Daran, dass im Alltag immer mehr Automaten auftauchen, habe ich mich ja schon gewöhnt. Die sogenannten Packstationen der Einrichtung, die früher mal 'Post' genannt wurde, gleichen aber schon fast großen Meteoriten, die über Nacht vom Himmel gefallen sind und nun in Über-Findlingsgröße vor den entsprechenden Filialen herumliegen.
 
Ehrfürchtig nähere ich mich dem großen grau-gelben Koloss vor der Filiale an der Stresemannstraße. Doch gleich entspanne ich mich: Über der Bedientastatur hängt ein rosa Zettel: 'Sehr geehrte Kunden, die Packstation ist zur Zeit außer Betrieb. Ihre Pakete erhalten Sie am Schalter hier in der Filiale. Vielen Dank für Ihr Verständnis'
 
Der Automat hat also menschliche Schwächen. Überhaupt bemüht er sich, menschlich aufzutreten: Das erkenne ich aber erst, als ich die Bildschirmanzeigen der Packstation an der H.H.-Meier-Allee verfolge. Der Automat zeigt 'Gefühle'. ICH LIEBE PAKETE flimmert es da über den Schirm. Und dann geht es etwas nüchterer und dem wahren 'Ich' des Automaten wohl entsprechender weiter 'Hier können Sie Tag & Nacht Pakete abholen und verschicken. So einfach zu bedienen wie ein Geldautomat.'
 
Bildschirmanzeige einer Packstation
 
screen display of the automatical parcel counter/ Bildschirmanzeige einer Packstation
 
Ein neuartiger Automat benutzt einen schon akzeptierten Automaten als Referenz und alle sind eine große Familie: ICH HABE FAMILE menschelt der Kasten und fährt - diesmal etwas vertraulicher - fort: 'Viele Packstationen stehen Ihnen in Ihrer Stadt zur Verfügung. Da ist immer eine ganz in Ihrer Nähe.' Und gleich rückt er noch ein bißchen näher: ICH WILL DICH duzt mich der Automat.
 
Das ist ihm aber wohl selbst nicht ganz geheuer und distanzierter fordert er mich auf: 'Melden Sie sich am besten heute noch kostenlos an unter www.packstation.de.' Doch gleich schmeißt er sich wieder ran: ICH MELDE MICH ruft er mir zu wie ein Bekannter , den man lange nicht getroffen hat und der nun den Kontakt wieder sucht, natürlich mit Hilfe modernster Kommunikationsmittel: 'Sobald ein Paket für Sie da ist, erhalten Sie eine email oder SMS. Ihre Sendung können Sie dann sofort abholen.'
 
Und verheißt gleich weiter in vollstem Roboterstolz: ICH BIN IMMER DA. Die Übersetzung folgt:: 'Ab sofort sind Sie unabhängig von Öffnungszeiten. Denn hier wartet Ihr Paket auf Sie, und nicht umgekehrt.' War da nicht noch so ein rosa Zettel? Egal! Wen das alles noch nicht überzeugt hat, der wird sich dem Argument ICH KOSTE NICHTS hoffentlich nicht verschließen. Schließlich ist Geiz geil und 'Der PACKSTATION SERVICE kostet keinen einzigen Cent extra. Und spart Ihnen jede Menge Zeit.'
 
Packstation an der Stresemannstraße
 
rear of a automatical parcel counter/Packstation an der Stresemannstraße (von hinten gesehen): kompakt und kastenförmig
 
Nach soviel Werbung muß ich mir die Oberfläche der Wirklichkeit noch mal genauer ansehen. 'So einfach zu bedienen wie ein Geldautomat.' hatte die Werbung versprochen. Die Packstation hat aber wenigstens vier Bedienungselemente mehr als der Geldautomat.

 
Bedienungselemente einer Packstation
 
operating panel of a automatical parcel counter/ Bedienungselemente einer Packstation: Bildschirm, Tastatur mit Display, Druckausgabe(?) und Scanner(?)
 
Am unteren Ende des Bedienungsteils befindet sich ein quadratisches rotes Fenster, hinter dem sich ein Spiegel und wahrscheinlich ein Scanner verbirgt. Unmittelbar links über diesem Fenster befindet sich ein schmaler Schlitz, den ich bisher bei keinem Geldautomaten gesehen habe. Eine Auskerbung vor dem Schlitz, die als Papierführung dienen könnte, weist auf eine mögliche Druchausgabe hin. Über der Tastatur entdecke ich eine kleine elektronische Anzeige, die ich bisher in den entsprechenden Bankgeräten auch nicht gesehen habe. Neben dem Nummernblock befindet sich auch noch ein Gitter, das für mein Gefühl auf einen Lautsprecher hinweist: Die Packstation scheint auch zu sprechen. Vielleicht auch den beruhigenden Satz ICH BIN IMMER DA.
 
Einverstanden! Aber für wen? Von anderen Benachrichtigungsformen wie email oder SMS ist nirgendwo die Rede. Also muß man schon einen Internetanschluß oder ein Handy haben, um mitmachen zu können. Wer das nicht hat, weil er/sie sich damit nicht auskennt, es nicht haben will oder es sich nicht leisten kann, der/die kann nicht teilnehmen. Und wer schließlich doch partout teilnehmen will, der muß erst einmal in moderne Informationstechnologie investieren. Und dann würde der Satz ICH KOSTE NICHTS nicht mehr so ganz stimmen.
 
Packstation an der H.-H.-Meier-Allee
 
this automatical parcel counter is similar to a large post office box system/ Packstation an der H.-H.-Meier-Allee: Flach gebaut mit 76 Fächern an der Frontseite.
 
Zum Schluß möchte ich noch einen Rat loswerden: 'Heute schon an Weihnachten denken!' Damit Anfang Dezember die 76 Fächer des Automaten an der H.-H.-Meier-Allee auch bestimmt ausreichen, sollten wir digital gesteuerten Paketversender vielleicht schon jetzt mit dem Versenden der Weihnachtspakete anfangen. Aber möglicherweise wird das automatisierte Paketversenden ein solcher Erfolg, dass bald noch größere Brüder aus der Automatenfamile ran müssen.

 
vgl. auch:

Parolen 15

Jobsuche per Computer im Kaufhaus

Solarzellen

English summary:
The last thing is there are parcel counter machines in Bremen and other German cities. By means of this machines you can dispatch and receive parcels. The copy on the display of this machines 'speaks' in the first person: 'I like parcels'. (see also slogans col 15
 
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