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Folge 56/2002, Bremen, den 11.09.2002      Interessant: 'Zu Besuch auf dem Lande'

Schneisen (1)
 

        
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Ich habe Orte aufgesucht, an denen sich mehr oder weniger große Schneisen für den Verkehr in der Stadt befinden. Besonders haben mich an diesen Orten die Übergänge für Fußgänger interessiert.

 
Alle dargestellten Übergänge sind mit Haltestellen für Bus oder Straßenbahn gekoppelt.

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Zunächst habe ich mir von der Fußgängerbrücke Kelbraer Straße die Kurfürstenallee Richtung Osten angesehen (siehe Bild oben). Die Straße hat hier in jeder Richtung zwei Spuren. Dazu kommt jeweils eine dritte Spur. Auf diesem dritten Fahrstreifen kann man die Kurfürstenallee in Richtung Vahr/ Sebaldsbrück verlassen beziehungsweise von Radio Bremen her auf sie auffahren. Zwischen beiden Fahrbahnen befindet sich Streifen mit halbvertrocknetem Gras, hohen Bäumen und großen Peitschenlampen. Die Straße ist also Tag und Nacht beleuchtet. Weiter nach Osten treten an die Stelle der Bäume Leitplanken. In diesem Bereich wird die Kurfürstenallee wie auch an anderer Stelle als Hochstraße über eine kreuzende Straße hinweggeführt. Sie heißt ab hier Richard-Boljahn-Allee, später Franz-Schütte-Allee. Die Straße wird an beiden Seiten von breiten Radwegen und Bürgersteigen gesäumt. Rechts des Bürgersteiges sieht man die Bäume eines schmalen Grünzuges, der die Gartenstadt Vahr mit ihren Reihenhäusern und großen Blocks von der Schnellstraße abschirmt. Auf der linken Seite der Schneise befindet sich ein sehr großes Bürogebäude, in seinem Umfeld Villen und Einfamilienhäuser. Der Straßenzug beginnt im Zentrum Schwachhausens am St.-Joseph-Stift, bietet dann Abzweigungen zu angrenzenden Stadtteilen wie der Gete, der Vahr und Radio Bremen, dient später als Zubringer für die Autobahn 27 und läuft in Oberneuland an der Rockwinkeler Landstraße aus. Diese Schneise verbindet also auch auf ziemlich komfortable Weise zwei Stadtteile, die eher als gehobene Wohn- und Geschäftsgegenden gelten. Diese Funktion als Zubringer und komfortable Verbindungstraße prägt ihr Erscheinungsbild: Der gesamte Straßenzug trägt bis auf den Teil 'Franz-Schütte-Allee' den Charakter einer Schnellstraße, da sie andere Straßen kreuzungsfrei mit aufwendig gebauten Über- oder Unterführungen quert. Ich schätze, dass hier zum Beispiel um die Mittagszeit etwa 2500 Autos pro Stunde durchfahren. Besonders häufig habe ich Lastwagen einer großen Spedition gesehen. Ihr Auftauchen ist schon ein Indiz dafür, dass es sich bei dieser Staße um einen Autobahnzubringer handelt. Etwa 200 bis 300 Radfahrer und vielleicht zwanzig Fußgänger kommen in derselben Zeit vorbei. Die Wagen erzeugen ein ständiges lautes Brausen und Brummen, das zwar mal lauter und mal leiser ist, aber nie verstummt. Ampeln und Zebrastreifen würden den Verkehrsfluß nur hemmen. Daher sind für die Fußgänger und Radfahrer in großen Abständen Brücken gebaut worden. Straße ist hier reduziert auf die Funktion, schnelle Bewegung von Autos zu ermöglichen. Dies ist alles andere als eine Flaniermeile: Weit und breit sind hier keine Geschäfte zu sehen, sondern nur Wohngebiete. Diese Straße ist kein Ort der Begegnung, denn aus den brausenden Autos heraus kann der Mensch sich schlecht verständigen. Ob die Autofahrer die Wahlplakate wahrnehmen, die einige Aktivisten auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen angebracht haben, das weiß man nicht.

 


Die zweite Schneise, die ich mir ansehe, ist die Straßenbahntrasse der Linie 1 in der Konrad-Adenauer-Allee (siehe Bild oben). Ich habe auch hier einen Übergang aufgesucht. Auch hier habe ich mich auf den Blick über die Schneise in Richtung Osten konzentriert. Dieser Übergang ist in der Luftlinie etwa einen Kilometer vom Übergang Kelbraer Straße entfernt. Er ermöglicht es Fußgängern und Radfahrern von zwei Straßen, die auf den beiden Seiten im rechten Winkel auf die Geleise zulaufen und dort enden, in die jeweils andere zu gelangen, nämlich von der Ostpreußischen Straße über die Schienen hinweg in die Barbarossastraße oder umgekehrt. An beiden Straßen und ihren Nebenstraßen liegen reine Wohngebiete, überwiegend mit freistehenden Häusern, aber auch Blocks. Links der Gleise verläuft die Konrad-Adenauer-Allee als zweispurige Einbahnstraße an einem Sportgelände und einem Schulgrundstück vorbei. Rechts von den Schienen führt ein asphaltierter Weg entlang. Die Einbahnstraße verbindet die Gartenstadt Vahr mit dem Stadtteil Gete. Der asphaltierte Weg ermöglicht einen weiteren Zugang zu einem anliegenden Kleingartengebiet. Es ist handelt sich hier also um ein Gemisch aus Wohngebiet und Naherholungszone. Eine Erholung für die Lichtsinne von Mensch, Tier und Pflanze gibt es hier nachts aber kaum: Der ganze Trassenbereich wird nachts mit Peitschenlampen ausgeleuchtet. Ich schätze, dass zwischen 14:00 und 15:00 Uhr, also in dem Zeitraum als ich dort bin, etwa fünfhundert bis siebenhundert Autos über die Einbahnstraße fahren. Circa hundert Radfahrer kommen vorbei, Fußgänger nur wenige, vielleicht zwanzig. oder dreißig. Vom Erscheinungsbild her aber dominiert die Straßenbahn. Es fahren laut Fahrplan sechs Bahnen in dieser Stunde jeweils in eine Richtung. Hier ist es ungleich ruhiger als an der Kurfürstenallee. Dort heult fast für jeden bewegten Menschen ein Motor. Hier werden beim Aufheulen der Elektromotoren der Straßenbahn gleich sehr viele Menschen bewegt: Die Straßenbahnzüge, die hier halten, haben maximal etwa 200 Sitz- und Stehplätze. Bei einer angenommenen Auslastung von 60 Prozent würden hier dann jeweils 120 Menschen bewegt.Das sind bei zwölf Zügen, die hier pro Stunde vorbeikommen, immerhin fast 1500 transportierte Menschen.
Bei einer solch geringen Frequenz von Verkehrmitteln brauchen Radfahrer und Fußgänger nicht auf einen gesonderten Weg umgeleitet zu werden, wenn sie die Schneise überqueren wollen. Die Bahnen halten jeweils vor dem Übergang. Vor den Autos werden die Überquerer jedoch durch eine Vorsichtsmaßnahme geschützt: Die zwei Spuren werden im Bereich des Übergangs durch eine Verengung auf eine reduziert: Wenn die Passanten wieder auf die Straße kommen, betreten sie zunächst die für Autos gesperrte Spur. Diese Maßnahme ist auch bitter notwendig: Bei einer Kontrolle an der Einbahnstraße hat die Polizei gerade ca. 15 Kraftfahrer pro Stunde bei Überschreitungen der Geschwindigkeit erwischt, wie mir die Beamten noch vor Ort erzählen. Statt der erlaubten 50 km/h fahren die Auto- oder Motorradfahrer 70 km/h oder sogar 100 km/h.


wird mit der nächsten Folge fortgesetzt:
Bismarckstraße

vgl. auch Blick auf das Pflaster (1)

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