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Folge 78b/2002, Bremen, den 22.12.2002
Nächste Folge am 29.12.2002!
        
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18:00
Ich setze mich auf eine Bank im Tunnel des Hauptbahnhofes. Auch hier höre ich ein Gewirr von Stimmen. Aber es sind keine plätschernden Wellen. Immer wieder heben aus dem Strom sich akustische Schollen ab, die Anspannung, Aggressivität, Gehetztsein oder Coolness mitteilen. Freundlicher treten Begrüßungen oder das Hallo freudiger Kinderstimmen hervor. Aber ich höre auch lautes Quengeln und Schreien.
 
Parallel zu den Stimmen verläuft die Linie der Trittgeräusche. Die normalen Gehgeräusche weicher Schuhsohlen sind nur als Gewisper wahrnehmbar. Erst wenn jemand schneller geht oder gar rennt, ertönt je nach Absatz ein dumpferer schneller Taktschlag oder ein hell klapperndes Stakkato. Wenn ein Zug einfährt, kann sich nur noch dieses Stakkato durchsetzen, alle anderen Trittgeräusche werden übertönt. Einmal will das Grollen und Rasseln gar kein Ende nehmen: Ein Güterzug fährt durch.
 
Die Frauenstimme aus den Lautsprechern ist sachlich und durchdringend. Durchsagen am Bahnhof dulden keine Diskretion. Der Pfiff des/der 'BahnsteigbeamtInnen' ist ein Ausrufezeichen: Der Zug ist (fast) abgefahren! Der Gong aus den Bahnsteigslautsprechern und die folgende Ansage sind wie ein Wegweiser: 'Sie sind in ... ' oder 'Sie fahren nach ....'.



 
Aus dem Bäckerei-Café dringt das Klappern von Geschirr herüber. Am Verkaufstresen fallen scheppernd Münzen auf den Zahlteller. Die Backwaren verschwinden in knisternden Tüten.
 
18.12.02
Ich mache ein Foto von der Imbissmeile im 'Viertel'. Dabei komme ich mit einem türkischen Kaufmann ins Gespräch: Er erklärt mir, dass die temperamentvolle Sprechweise seiner Landsleute mit dem regen Großfamilien-Leben zusammenhänge.
 


 
19.12.02
Ich setze mich morgens gegen 9:30 auf eine Bank im Bürgerpark und lausche: Von der Parkallee ist das Rauschen der Autos zu hören, das an- und abschwillt, aber nie verstummt. Es ist aber nicht so laut, dass ich nicht doch noch ganz fein das Rascheln des trockenen Laubes unter den Hufen der Rehe hören könnte, die bei meinem Eintreffen zwar etwas zurückziehen, aber nicht fliehen. In der Ferne klopft ein Specht.
 
Die Vogelstimmen sind von überraschender Vielfalt: Das Zwitschern - im Gegensatz etwa zum Krächzen - erklingt in vielen Variationen. Hier ist es langandauernd in der Mittellage, dort ertönt es sehr hoch und nur kurz. Dann wieder orte ich in der Ferne ein einzelnen hohen Ton, der in gemäßigtem Rhythmus wiederholt wird.

Auch das Krächzen ertönt langgezogen und tief oder schneller und etwas schriller. Ich meine es besonders gut räumlich wahrnehmen zu können, wenn ein krächzender Vogel über die Wiese vor mir fliegt. Ähnlich geht es mir mit dem Enten-Quaken.
 
In manche Vogelstimme ist man geneigt, menschliches Fragen oder Antworten hineinzulegen. Andere Stimmen sind wieder sehr eigenwillig wie ein einzelner sirrend hoher Ton, der in gemäßigtem Takt wiederholt wird.
 
Dann wieder tritt der Mensch in Erscheinung: Ich höre entfernt die Sirene eines Rettungswagens. Selbst das dumpfe Grollen einfahrender Züge vom Hauptbahnhof wird gedämpft und leise vom Wind bis hierher getragen.

vgl. auch:

Wieder besucht 2 a/b

Linie 1 Hauptbahnhof

Bahnhofsmission

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