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Nr. 10/2007, Bremen, den 15.6.2007, Nr. 238  10 Jahre Jan Frey, Verlag: Danksagung

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24.4.2007
Ich fahre erneut nach Osterholz-Tenever hinaus. Mein erster Weg führt mich wieder zu Herrn Assadullah. Ich frage ihn, ob er wisse, wo die Kunden aus den abgerissenen Blocks gebleiben seien. Er sagt, einige Leute seien auf die andere Seite (der Otto-Brenner-Allee) gezogen, andere seien weggezogen, z.B. nach Hemelingen.
 
Während wir uns unterhalten, betritt ein etwa fünfzigjähriger Mann den kleinen Laden. Er nimmt sich eine Bierflasche, stopft sie sich in die Tasche und verläßt ziemlich eilig den Laden. Ich gehe ihm in weitem Abstand hinterher. Über eine Grünfläche gelange ich zu einem langgezogenen Gewässer. In einer Art Nische in einem Wall stehen und sitzen vier Männer um einen Tisch herum und trinken.
 

 
Gartenpforte eines Grundstücks, auf dem ein Block mit Eigentumswohnungen steht
 
Ich gehe an dem Gewässer entlang, bis ich eine Brücke erreiche, über die ich wieder zu den Hochhäusern gelange. Ich stoße auf das kleines Café des Mütterzentrums. Es befindet sich in einer Art Wintergarten. Eine Frau macht sich hinter einem Tresen zu schaffen. Zwei Damen im Rentenalter und eine Frau mittleren Alters sitzen an einem Tisch. Ich werde freundlich aufgenommen. Das Gespräch dreht sich viel um Nachbarschaftshilfe, um Verschönerung des Balkons oder der hausnahen Anlagen. Die eine der beiden älteren Damen wohnt in einem Hochhaus, das zu großen Teilen aus Eigentumswohnungen besteht, die teilweise vermietet sind.
 
Sie erzählt davon, wie schwer es sei in das Haus hineinzukommen. Es gebe Video-Überwachung. Man lasse nicht einfach Leute hinein, die sich etwa als Postboten ausgäben. Die Polizei, der Postbote und der Zeitungsbote hätten Schlüssel.
 
Sie erzählt ihre Version der Geschichte des abgerissenen Kessler-Blocks.Es sei als Haus geplant worden, in dem ausschließlich alleinstehende Mütter mit Kindern in einer Art Schutzraum leben sollten . Sehr bald seien aber natürlich Männer aufgetaucht und es habe Streit im Haus gegeben. Die Wohnungen seien aufgrund der Vorkommnisse nur noch schwer an unproblematische Menschen zu vermieten gewesen.
 
Die Frau hinter der Theke bietet mir an, die übrigen Räumlichkeiten zu besichtigen. Besonders stolz scheint sie auf die Nähwerkstatt zu sein. Dort sitzen zwei Frauen mittleren Alters und machen fleißig Näharbeiten. Sie sagt, man könne dort auch gegen ein mäßiges Entgelt Näharbeiten in Auftrag geben. Als ich halb russisch halb deutsch frage, ob hier auch Teddies repariert werden, lachen die Frauen und antworten 'Ja'. Es gibt auch einen Mittagstisch. In der laufenden Woche sieht der Plan an drei Tagen ein Menu vor. In der Küche bereitet eine Dame aus Ostasien gerade Schokoladenpudding mit Vanillesauce vor
 

 
Block, der bald abgerissen werden wird.
 
Ich gehe zum Block Neuwieder Str. 48. Vor der Tür treffe ich einen Mann mittleren Alters mit sehr langen gepflegten Haaren. Er sagt mir, dass in dem Haus, das in Bälde abgerissen werden soll, nur noch ca. ein halbes Dutzend Familien leben. Auf die Frage, wo er dann hinziehen werde, antwortet er ausweichend: Es sei schwierig eine andere Wohnung zu finden, die man sich leisten könne.
 
 

 
Wintergarten des Cafés des Mütterzentrums
 
Ich gehe zurück zum Haus Nr. 1. Das Haus gehört einer Privatfirma. Neben dem Haus treffe ich einen Rentner, der nach eigenen Angaben den Block ein wenig in Schuß hält. Er sagt, dass ihm die Bewohner dafür 50 Euro im Monat geben. Er berichtet, ein Pförtner oder Hausmeister habe angeblich 30 Euro pro Mietpartei gekostet. Das Geld habe kaum jemand aufbringen wollen. Vor der Tür steht ein Polizeiauto. Zwei genervte Polizisten unterhalten sich mit einer Gruppe von Hausbewohnern. Im Foyer liegt angekokeltes Zeitungspapier. Der Rentner läßt mich in das Haus. Später stelle ich fest, dass man das Haus auch durch den unverschlossenen Hintereingang ohne weiteres betreten kann. Die Wände, Türen und Fenster frisch gestrichen worden.Die Fußbodenbeläge sind dagegen meistens alt und schäbig, ebenso der Fahstuhl. Als ich rausgehe, frage ich die Leute vor dem Eingang, warum die Polizei gekommen sei. Eine Frau mit lückenhaftem Gebiss, die auf einem Gehwagen sitzt, erzählt etwas von Brandstiftung. Die anderen Personen in der Gruppe sind ärmlich gekleidete ältere Männer. Ein Mann mittleren Alters sitzt im Rollstuhl.
 

 
Renovierte Blocks
 
Ich überquere die Otto-Brenner-Allee. Auch hier stehen viele Hochhäuser. Eine große Zahl von ihnen ist renoviert worden. Das zeigen schon die leuchtenden frischen Farben an den Fassaden. Die Häuser, die ich mir etwas näher ansehe, haben in den Eingangsbereichen eine Pförtnerloge. Diese langgestreckten Blocks haben mehrere Eingänge.
 

 
Videoüberwachter Eingang eines renovierten Blocks
 
Immer nur die erste Loge in einer solchen Reihe von Eingängen ist besetzt. Die übrigen Eingänge werden von dieser Loge aus mit Videokameras überwacht. Während ich mich vor und in den Eingängen aufhalte, kann ich die Menschen, die hier aus- und eingehen, beobachten. Sie sehen weder krank noch unglücklich noch verarmt aus.
 
8 Schritte

Der K****-Markt

60 Schritte (1)

60 Schritte (2)

Wieder besucht (11)

Parolen (21)

Wieder besucht (18)

Begegnungen 8

Bitte lesen Sie Charlie Dittmeiers Tagebuchberichte über die Krankenhäuser in Kambodscha (Eintrag vom 8. Februar 2004) und über die Geburt eines Kindes im Krankenhaus (Eintrag vom 12. Juni 2005).Die Links führen auf die letzte Notiz des Jahres. Bitte nach unten scrollen!

Bitte beachten Sie auch die Informationen der internationalen Plakatgruppe Loesje, die junge Menschen in Europa und Asien zu Botschaftern der sogenannten UN-Milleniumsziele für Armutsbekämpfung ausbildet.

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