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Nr. 19/2012, Bremen, den 21.9.2012, Nr. 359,   10 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Foto-Notizblock: Blick auf das Pflaster (2)

        
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ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 019-12:
FOTONOTIZ-BLOCK: BLICK AUF DAS PFLASTER (2)




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Die folgenden Fotos habe ich aufgenommen mit meiner kleinen Digitalkamera, die ich jetzt fast immer mit mir führe. Sie zeigen Eindrücke von unscheinbaren Vorgängen, die sich unmittelbar auf dem Pflaster und Asphalt abspielen. Sie sind die Fortsetzung zu einem ersten Teil, der sich hauptsächlich mit der Tatsache befasst, dass Pflaster auch 'Lebensraum' für Pflanzen und Tiere.

  Es ist aber auch ein Platz, an dem sich Menschen aufhalten, die keinen oder geringen privaten Raum mehr haben. Dieser zweite Teil zeigt vor allem am Bilder von privatem Müll auf öffentlichem Pflaster. Die Bilder können als Anregung verstanden werden, den Bürgersteig als Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum zu betrachten.

Kirschen und Kirschkerne auf einem Bürgersteig
Dieses Foto zeigt Teile eines Bahnsteiges und der Schienen am Straßenbahn - und Busbahnhof vor dem Bremer Hauptbahnhof. Irgendjemand hatte dort eine ungewöhnliche Menge von Zigarettenstummeln ausgeschüttet. Die Reste privat genossener Suchtmittel sind hier massenweise im öffentlichen Raum ‚entsorgt' worden.

  Dass sich an Haltestellen im Laufe der Zeit viele Zigarettenstummel ansammeln können, ist eine alltägliche Erscheinung. Hier macht es aber eher den Anschein, als sei etwas auf einmal ausgeschüttet worden. Dazu kommt, dass auf dem Asphalt die Zigarettenstummel mehr auffallen als in einem Schotterbett.
Pflanzen wachsen in den Zwischenräumen von Pflastersteinen
Dieses Bild zeigt Kronkorken von Bierflaschen, die am Sielwall-'Eck' über die Jahre in die Asphaltfugen getreten worden sind.

  Wenn man genau hinschaut, sieht man die kreisförmigen Abdrücke von Kronkorken, die schon wieder entfernt worden sind - wie und von wem auch immer.
Flechten wachsen auf dem Asphalt
Dieses Foto zeigt das Pflaster an einer Straßenbahnhaltstelle in der östlichen Vorstadt. Es verdeutlicht mehrere Aspekte des Pflasters. Das Pflaster ist Verkehrsweg. Es ist oft so gestaltet, dass es als Träger von Markierungen dienen kann, die Sehenden und Blinden eine Orientierung auf diesen Verkehrswegen ermöglicht. In seiner Funktion als Verkehrsweg ist es Verbindungsglied und Schnittstelle zwischen verschiedenen privaten Räumen, zwischen verschiedenen öffentlichen Räumen sowie privaten und öffentlichen Räumen. In letzterer Funktion ist es - wie hier - nicht selten wilde Müllkippe, vor allem für Lebensmittelverpackungen wie leere Flaschen und Pizzaschachteln.

  Aber auch ein Verkehrsmittel, ein Fahrrad, von dem Lenker und Sattel abmontiert worden sind, steht hier seit längerem einsam herum. Es sind alles Gegenstände, die eigentlich etwas mühsamer als durch Fallen-Lassen oder Stehen-Lassen zur Müllabfuhr, zum Sperrmüll oder wenigstens in den nächsten, halbwegs leeren, öffentlichen Müllkorb gegeben werden müßten. Der öffentliche Raum wird hier also für private Belange verwendet. Das Bild verdeutlicht auch optisch einen Kampf zwischen Regelungsbedürfnis und der Unlust, Regeln einzuhalten.

Ein Bettler sitzt auf dem Bürgersteig
In unmittelbarer Nähe der genannten Haltestelle gibt es einen gastronomischen Betrieb mit Lieferservice. Das Bild zeigt (vielleicht nur einen Teil der Menge von) Verpackungsmüll, der sich sich innerhalb von vierzehn Tagen in einem solchen Betrieb ansammelt.

  In diesem Fall ist die Straße als geordnetes Zwischenlager Schnittstelle zwischen einem Privatunternehmen und einem anderen Privatunternehmen, das im Auftrage der öffentlichen Hand Müll einsammelt, weiterverarbeitet oder vernichtet.
Stadttauben auf dem Bürgersteig
Diese Pflastermalerei von Kinderhand habe ich in unserer Siedlung 'Klein Mexiko' entdeckt. Im Sommer ist gelegentlich einer der Wendeplätze, an dem besonders viele Familien mit Kindern wohnen, voll mit solchen kleinen und großen Kunstwerken.
 
Es gibt noch viele Gesichtspunkte, die dem ruhigen Betrachter des Pflasters in den Sinn kommen könnten. Die Pflege, die die Menschen dem 'gemeinsamen' Pflaster vor ihren Türen angedeihen lassen, verrät gleich Spuren etwas über ihre sozialen Beziehungen.

  Manche Fundsachen, die ich vom Pflaster aufgehoben habe, haben mir einen winzigen Einblick in eine mir bis dahin fremde Welt gegeben. Nicht selten finde ich Kartons mit Büchern, von denen sich Menschen trennen wollen. Es ist manchmal schon ein Buch dabei gewesen, das mir neue, alltagstaugliche Fragen ans Leben eingegeben hat. Seit der Lektüre von Alexander Solschenizyns 'Der Archipel GULAG' frage ich mich beim Anblick eines Menschen öfter, ob ich mit diesem Menschen in einem Straflager einsitzen möchte oder lieber nicht. Also: Ein Blick auf's Pflaster lohnt sich immer.

Bitte werfen Sie auch einen Blick auf Charlie Dittmeiers Bild eines Jungen, der in Phnom Penh auf Säcken mit gesammeltem Müll schläft. Der Bericht datiert vom 20. März 2002 . Der Link führt auf die letzte Notiz des Tagebuches. Bitte nach unten scrollen!
 
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Freitag, den 5.10.2012

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