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Nr. 20/2021, Bremen, den 1.10.2021, Nr. 584, 19 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Porträt eines unsichtbaren, obdachlosen Menschen

        
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ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 020-21:
PORTRÄT EINES UNSICHTBAREN, OBDACHLOSEN MENSCHEN




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Porträt eines unsichtbaren, obdachlosen Menschen
Porträt eines unsichtbaren, obdachlosen Menschen

Dieses Foto dokumentiert schlaglichtartig die Situation eines Menschen, der sein Hab und Gut mit sich herumschleppt und sehr wahrscheinlich obdachlos ist. Bevor ich mich dem Menschen und seinen Sachen zuwende, werfe ich einen Blick auf Ort und Zeit. Der Mensch sitzt auf einer Umgrenzungsmauer eines Parkplatzes, hinter dem sich eine Kirche befindet. Auf dem Parkplatz stehen große Autos. In der Bildmitte sieht man einen großen Kombi mit viel Stauraum. Auch an die Radfahrerschaft ist gedacht mit Parkbügeln. Am äußersten linken Bildrand lugt hinter dem Plakat noch ein Teil eines Rades hervor. Das Plakat wirbt im Zusammenhang mit der diesjährigen Bundestagswahl für höheren Mindestlohn, der von einigen Parteien als 'armutsfest' angesehen wird.

Das Foto ist an einem Spätnachmittag Mitte September entstanden, nachmittags. Trotz Sonnenschein bleibt festzustellen: Der Herbst und damit Kälte und Nässe kündigen sich durch Laubfall an.

Ich wende mich dem Sichtbefund bezüglich des Menschen zu. Der Mensch verschwindet hinter Sack und Pack auf Sackkarren, wenn man von Straße oder Trottoir auf ihn blickt Er bekommt also auch die Wärme der Sonne nicht ab.
  Dem Parkplatz wendet er den Rücken zu. Vom ganzen Menschen ist nur ein dunkel bestrumpftes Bein mit einem Schuh zu sehen. Der Schuh ist eher ein Frauenschuh als ein Männerschuh.

Die Sackkarren haben kleine Räder, die das Ziehen mühsamer machen als große Räder. Die ganze Habe befindet sich in verschnürten Plastiktüten, die mit starken, ummantelten Gummibändern auf den Karren gehalten werden. An einer Karre hängt ein gepunkteter Regenschirm.

Die Kolumne 'Alltag in Bremen' will ja vornehmlich Fragen aufwerfen, statt Antworten zu geben. Aus dem Sichtbefund ergeben sich für mich eine Menge Fragen: Wie kann der Mensch gleichzeitig zwei Karren ziehen und einen Schirm halten? Wie kann der Mensch diesen 'Wust' handhaben, also zum Beispiel etwas finden, was er sucht? Stammen die Sachen noch aus der Wohnung? Was trägt ein obdachloser Mensch an Sachen, die ihm unentbehrlich erscheinen, mit sich herum? Warum rastet der Mensch hier? Wie ist der Mensch obdachlos geworden? Warum verschwindet er hinter seinem Hab und Gut?

vgl. auch:

Neues aus dem Viertel (2): Von Armut und Bettelei

Begegnungen 2

 
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am Freitag, den 15.10.2021

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