Logo Klein  Mexiko

 

Nr. 7/2020, Bremen, den 3.4.2020, Nr. 545,   18 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung

Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (5)

        
Bitte beachten Sie bei Ihren Einkäufen und Aufträgen unsere Unterstützer:

 
ALLTAG IN BREMEN
FOLGE 007-20:
WIEDER BESUCHT: NEUES AUS DEM TOTEN WINKEL (5)




ÜBERSICHT:
ALLE FOLGEN
'ALLTAG IN BREMEN'


DIE HEFTE

KLEIN MEXIKO
ALS ORT


DAS ECHO

KLEIN MEXIKO
IM KOPF


KATZEN-POST

SITEMAP
 
Ich sagte es schon: Das eigentliche Thema dieser Website ist die Erforschung der Beschaffenheit von Wahrnehmung. Eine wichtige Konstante der Feldforschung in der Großstadt ist, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass das, was man vor zwei Tagen noch wahrgenommen hat, heute noch Bestand vor Auge, Ohr und Nase hat. Also lautet das Motto 'Wieder besuchen!' Unter diesem Motto habe ich angefangen, ein eingezäuntes Fleckchen Erde am Bremer Hauptbahnhof zu erforschen.

  Die bisherigen Ergebnisse sind unter Umbrüche (20), Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (1), Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (2), Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (3) und Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (4) nachzulesen. Meine erneuter Besuch, den ich im Folgenden in Bild und Wort dokumentiert habe, galt der Frage, wie der ehemals tote Winkel als sogenannter Szenetreff genutzt wird.

Links: Aushang am Szenetreff vom Herbst 2019, rechts: Aushang vom März 2020
Links: Aushang am Szenetreff vom Herbst 2019, rechts: Aushang vom März 2020

Montag, 16.3.2020, nachmittags

Es gibt wieder einen neuen Aushang am Szenetreff. Er gibt bekannt, dass die Einrichtung wegen der grassierenden Corona-Pandemie vorerst bis zum 31. März 2020 geschlossen bleibt. Im Herbst letzten Jahres gab es schon einmal einen Aushang, der eine zeitlich begrenzte Schließung verkündete, weil der Szenetreff umgebaut wurde. Die aktuelle Ankündigung unterscheidet sich im Erscheinungsbild erheblich von der vorhergehenden.

Während im letzten Herbst dem Text noch eine Anrede 'Liebe Gäste' vorangestellt wurde, beginnt die gegenwärtige Mitteilung unmittelbar. Auch die persönliche Ansprache hat sich geändert, vom 'Sie' zum 'Du' bzw. zum 'Euch/ Ihr'. Im zurückliegenden Aushang gab es zwar keine Unterzeichner, wohl aber einen Hinweis darauf, an wen man sich während der Schließungsdauer mit Fragen wenden könne, nämlich an die 'StreetworkerInnen oder die Bahnhofsmission'. Diesen Hinweis auf eine weitere Anlaufstelle enthält das gegenwärtige Schreiben nicht, dafür ist es aber mit 'Eure Streetworker' (nicht aber 'StreetworkerInnen') unterzeichnet. An der Stelle einer ausdrücklichen Grußformel an Ende des Textes findet man einen Smiley.

Inhaltlich weisen beide Texte teilweise Ähnlichkeiten auf: Die Begründungen für die Schließungen werden in einem etwas steifen Nominalstil formuliert, besonders im neueren Aushang. Dort heißt es 'Aufgrund der veränderten Sachlage zum Corona-Virus'.
 


Das ist wie die Formulierung 'aus Sicherheitsgründen' schon fast Beamten-Deutsch. Wie sich die 'Sachlage zum Corna-Virus' verändert hat, wird nicht ausgeführt. Wessen Sicherheit aus welchen Gründen gefährdet ist, wird auch nicht erläutert. Ist es die Sicherheit der obdachlosen und/ oder süchtigen BesucherInnen des Szenetreffs oder die Sicherheit der StreetworkerInnen oder sind beide Gruppen gefährdet? Dieser Stil steht im harten Kontrast zu der sehr persönlichen Anrede '& passt auf euch auf (plus Smiley)' am Ende der Textes.

Der neuere Text enthält angesichts der Kürze eine verhältnismäßig hohe Zahl an Rechtschreib- und Grammatikfehlern sowie Ungereimtheiten. Eine Ungereimtheit ist die Tatsache, dass 'Euer' großgeschrieben, das folgende 'euch' aber kleingeschrieben ist. Das Komma nach 'Wir bitten' ist überflüssig. Es ist möglicherweise stehengeblieben, weil der Satz vielleicht einmal lauten sollte 'Wir bitten Euch, (plus nachfolgenden Nebensatz)' . Ferner muss es heißen 'Aufgrund der veränderten Sachlage zum Corona-Virus bleiben der Wärmebus und der Szenetreff … geschlossen.' Das Ganze wirkt ein wenig so, als sei es eilig entworfen.

Nun kann man fragen: Was soll diese Analyse? Die feste Überzeugung des Autors dieser Zeilen ist es, dass inhaltliche und formale Feinheiten der Sprache durchaus etwas über die Wirklichkeit aussagen, aus der diese Sprache 'entsprungen' ist.

Vgl. auch:

Umbrüche (20)

Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (1)

Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (2)

Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (3)

Wieder besucht: Neues aus dem toten Winkel (4)


 
Nächste Folge 'Alltag in Bremen'
Freitag, den 17.4.2020


< vorige Folge    nächste Folge >

Archiv: Alle Folgen 'Alltag in Bremen'

         Platzhalter für Anzeigen
Platzhalter für Anzeigen


























  
 
 
   
 
 
 
nach oben         sitemap