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Folge 7/2005, Bremen, den 03.03.2005 (Nr. 181)  3 Jahre kleinmexiko.de: Danksagung
Verlag und Redaktion von Klein Mexiko fusionieren räumlich und auch privat mit der Redaktion der Katzenpost. kleinmexiko.de meldet sich nach dem hausinternen Umzug am 18.03.2005 mit All-Täglichem wieder. Ich bitte um Verständnis!
English summary
        
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Im übrigen aber ist die Photolinse nur im gleichen Maße objektiv, wie der, der sie auf die Dinge richtet. Alles kommt auf die Blickrichtung an.
Eugen Hadamovsky: Propaganda und nationale Macht. (1933)Anmerkung

Dieses Foto ist ein kleines Lehrstückchen über Unterschiede zwischen Schattenbild und Spiegelbild. Auf den ersten Blick sieht man den etwas verschwommenen Schatten eines Baumes, den die sehr tiefstehende Abendsonne im Winter an eine Hauswand wirft. Der Baum steht etwas entfernt auf der anderen Straßenseite gegenüber dem Haus. Daher kann schon viel Streulicht die Ränder der Schatten aufhellen.
 
Die Schatten dünner Zweige und Äste werden vom Streulicht fast völlig überstrahlt. Das Schattenbild des Baumes hat einen zarten, flüchtigen, ja romantischen Charakter Der Schatten ist in dieser Konstellation nur ein relativ grobes Abbild des eigentlich sehr massiven Gegenstandes, obwohl er die Proportionen und die Größe 'seines' Gegenstandes hier ziemlich genau wiedergibt.
 
Die Verzerrungen eines 'langen Schattens' entfallen.Das relativ unverzerrte Schattenbild würde erst verzerrt wahrgenommen, wenn man es aus ziemlich steiler Perspektive etwa vom Fuße der Hausmauer aus ansähe.
 
Lange und/oder verzerrte Schatten haben etwas Irritierendes, im schlimmsten Fall etwas Beängstigendes. Die Kunst der Romantik hat mit diesem Motiv vielfältig gearbeitet. Der Mensch kann die Informationen, die diese verzerrten Schatten übermitteln, nicht schnell und genau auswerten. Deswegen nennen sich zum Beispiel Medien, die auf ihren aufklärerischen Charakter Wert legen, auch nicht 'Schatten' oder 'Tagesschatten' (haha!), sondern 'Spiegel' und 'Tagesspiegel'. Ein 'Bild' dagegen kann vieles sein, aufklärerisch wie auch verzerrend.
 
Aber der Spiegel hat auch seine Tücken. Die meisten Spiegel sind klein. So auch die Spiegel auf dem Foto. Diese Spiegel sind eigentlich keine echten Spiegel. Es sind die Scheiben der beiden kleinen Fenster am linken Bildrand. Sie spiegeln in kleinen Ausschnitten Teile des Baumes wieder, dessen Schatten wir an der Wand sehen.
 
Im unteren Fenster spiegelt sich ein Bereich des Baumes, in dem die Krone beginnt. Die Schatten des entsprechenden Bereiches sind auf der Wand etwas höher verschoben zu sehen. Die Fenster liegen vom Standpunkt des Fotografen aus relativ hoch. Er blickt also von unten in den Spiegel und sieht darin etwas, was weit über ihm ist. Sein 'Blickwinkel' in den Spiegel ist ziemlich steil. Er sieht das Bild, das in dem entsprechenden steilen Einfallwinkel in den Spiegel 'fällt'.
 
Der Spiegel ist somit fast ein Spionage-Instrument. Es erfordert vom Betrachter aber auch die Fähigkeit, um die Ecke zu denken.
 
Ferner muß der Spiegelgucker kleine Ausschnitte in einen großen Zusammenhang einordnen können.
 
 

 
On the photo you can see a shadow, which is cast on a wall by a tree. The tree is at the other side of the street. At the bottom left corner there is a windowpane, in which a small part of the tree is mirrored. (back to the summary) / Schatten eines Baumes an einer Hauswand. Links unten das kleine Fenster, in dem sich ein kleiner Teil des Baumes spiegelt.
 
Auch bei Chirayu Parikh in Pune gibt es neue Entwicklungen: Es bindet neuerdings Fotos in seine Artikel ein, zum Beispiel eine ausdrucksvolle Aufnahme der beiden indischen 'Doppelstädte' Hyderabad und Secunderabad aus der Vogelperspektive.

Anmerkung
Eugen Hadamovsky war unter anderem Direktor der NS-Reichsrundfunkgesellschaft. Er war einer der führenden Organisatoren des faschistischen Propaganda-Apparates. Rundfunk war für ihn ein Mittel der 'Volksführung'. Er trieb Ausschluß politisch unerwünschter Personen und der als 'jüdisch' eingestuften Mitglieder aus der Reichrundfunkkammer voran. Die Ausgeschlossenen hatten quasi Berufsverbot. nach oben


vgl. auch:
 
Leserbrief von Doris Biester, Leer
 
Schatten 1
 
Schatten 2
 
Schatten 3
 
Schatten 5
 
English summary:
On the photo one can see a shadow, which is cast on a wall by a tree.The tree is at the other side of the street. Scattered light makes the margins of the shadows lighter. It floods the shadows of the twigs . The tree is massive. But it's shadowgraph is delicate, hazy, transitory and Romantic. It only truly demonstrates the proportions and the height of the tree.
 
Long and distorted shadows are irritating and sometimes they are frightening. Frightening shadows are a motif of Romantic art. We can't exactly and quickly analyse the information, which are transmitted by such shadows. Newspapers, which want to be informative, are not called 'Daily shadow' (ha ha!). They are called 'Daily mirror' for example.
 
But mirrors are also a bit tricky. Most of them are small. The mirror in the picture is also small. And it isn't a real mirror. It is a windowpane at the bottom left corner. A small part of the tree is mirrored in the windowpane. The viewer looks onto the windowpane from below. He can only see the optical information, which comes into the 'mirror' from above. The angle of incidence and the angle of reflection are equal.
 
A person, who looks at the world in a mirror, must be able to think abstractly.
 
Chirayu Parikh in Pune recently publishes photos in his blog, for example a bird's-eye view of Hyderabad and Secunderabad.
 
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Freitag, den 18.03.2005


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