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Folge 76/2002, Bremen, den 11.12.2002
        
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Blick über den verwaisten Weihnachtsmarkt von der Treppe des Schütting aus: Links (im Rechteck) der Roland, hinten rechts (im Oval) das Bismarckdenkmal.


















Der Bremer Roland mit Schild und Schwert.
















Das Bismarckdenkmal vor dem Dom.





 
11.12.2002

Ich fahre morgens um halb sechs zum Marktplatz. Am Hulsberg parkt vor einem großen Verbrauchermarkt ein Transporter. Ein Mann wuchtet schwere Kisten mit Backwaren aus dem Auto. Er beliefert die Bäckerei im Verbrauchermarkt. Als ich 'Am Schwarzen Meer' schon fast die Frauen-Klinik erreicht habe, wird mir ein fröhliches 'Guten Morgen' hinterhergerufen. Ich bleibe stehen und drehe mich um: Eine ältere Frau steckt eine Zeitung, die sie einem 'umgebauten' Kinderwagen entnimmt, in einen Briefkasten. Sie hatte an meinem Fahrrad die Packtaschen des Zeitungsverlags gesehen und richtig geschlossen, dass ich auch Zeitungen austrage. Ich verteile in einem Teil ihres Bezirkes das Blatt - am Sonntag, wenn sie frei hat. Aus ihren Worten meine ich entnehmen zu können, dass sie schon lange Jahre austrägt.

Am Rande des Marktplatzes stehen zwei Lastwagen der Müllabfuhr - mit Besatzung. Ich klettere die Stufen zum Eingang des historischen Schüttings, dem Haus der Bremer Kaufleute, hinauf. Im Foyer des Schütting sehe ich eine Reinigungsfrau bei ihrer Arbeit.

Von Podest des Aufgangs kann ich den Marktplatz überblicken: Der weitgehend unbeleuchtete Weihnachtsmarkt mit den kleinen Verkaufshäuschen liegt vor mir. Zwischen Weihnachtsmarkt und Rathaus erhebt sich der Roland. Roland ist nicht nachgerade ein waschechter Bremer: Er war - der Sage nach - ein Held im Gefolge Karls des Großen, der 778 auf einem Feldzug gegen die Mauren gefallen sein soll. Das Rolandsdenkmal aus Stein steht an diesem Platz seit 1404. Es ist Ausdruck des 'Selbstbewußtsein(s) der Bürger und besonders der Oberschicht' zu Beginn des 15. Jahrhunderts: 'Der Reichsadler und die Umschrift (im Schild; die Red.), die sich auf die von Karl dem Großen und anderen Fürsten verliehene Freiheit bezieht, weisen auf den in den (in jenen Jahren angefertigten, die Red.) Urkundenfälschungen und in der Stadtchronik angedeuteten Bürgerstolz hin.' (Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. Bd. 1, S. 95 ff) Dass der Roland mit Schwert und Schild nicht in Richtung Markt, sondern zum Dom blickt, soll damit zu tun haben, dass die bürgerliche Oberschicht auch dem Klerus gebührend ihre Macht zeigen wollte. Der Roland verkörpert dann also politische Symbolik auf hohem Niveau. Vielleicht sind aber Markt, Brot und Spiele fürs gemeine Volk eh nicht seine Sache.

Vom Vorplatz des Domes blickt (seit 1910) Fürst Bismarck herüber: Der erste deutsche Kanzler ist als Ritter mit Helm, Harnisch und Schwert dargestellt. Franz Schütte, ein 'energischer auf Gewinne bedachter Geschäftsmann' (Schwarz-wälder: a.a.O. Bd. 2, S. 360f), war maßgeblich an der Errichtung des Denkmals beteiligt.

Nachdem ich ich wieder vom Treppenaufgang heruntergestiegen bin, komme ich mit einem Mann ins Gespräche, der für eine Müllentsorgungsfirma den Kehricht auffegt, der sich am Fuße der Treppe angesammelt hat. Ich kann vor Kälte kaum reden, er aber berichtet mir munter, heute morgen sei es etwas wärmer als gestern morgen.

Solche ruhigen Plätze - wie der Bremer Marktplatz um sechs Uhr morgens - geben mir manchmal die eigenartigsten Fragen ein: Ob die Bremer vielleicht auch ohne Fürst Bismarck und die Sagengestalt des Roland immer ihr Brot, eine Zeitung auf dem Frühstückstisch, eine saubere Straße und eine geputzte gute Stube gehabt hätten?

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