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Folge 48/2002, Bremen, den 11.08.2002     Weiterhin lesenswert: 'Bahnhofsmission'
        
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Eines Tages kam der Rabbi von Krakau in das Zimmer, wo sein Sohn in tiefem Gebet versunken war. In der Ecke stand eine Wiege mit einem weinenden Kind. Der Rabbi sagte seinem Sohn: 'Hörst du nicht, dass das Kind weint?' Der Sohn sagte: 'Vater, ich war in Gott versunken.' Da sagte der Rabbi: 'Wer in Gott versunken ist, der sieht sogar die Fliege, die auf der Wand kriecht.'
Aus: Für jeden neuen Tag, Heft 21 (Hrsg: Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, Berlin und Stuttgart)

Wenn ich meine, dass mich aus der Stadt und aus meiner Seele zuviel bestürmt, suche ich manchmal die katholische St.-Johann-Kirche auf. Diese gotische Kirche, die auf das Jahr 1380 zurückgeht, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Schnoors. Von den belebten, geräuschvollen Umgebung der Innenstadt ist sie durch Häuser und verkehrsberuhigte Straßen abgeschirmt, die sie nach allen vier Seiten hin umgeben.
Wer im Sommer die Kirche betritt, den umfängt sofort eine angenehme Kühle und Stille. Das Innere der Kirche ist auf den ersten Blick eher karg. Das Auge wandert über die hohen, roten Säulen und das Gestühl zu den bunten Fenstern und dem großen Kruzifix, das im schlicht gestalteten Altarraum fast schwebend aufgehängt ist. Erst auf den zweiten Blick werden BesucherInnen auf die in Stein gehauenen, historischen Bilder eines Kreuzweges aufmerksam.
 
Auswärtige BesucherInnen kommen nicht in großen Massen in diese etwas versteckt gelegene Kirche. Kommen sie, wenden sie sich oft bald wieder ab, weil dem ungeduldigen Auge nichts Spektkuläres geboten wird. Einige TouristInnen und natürlich auch Einheimische bleiben aber, um sich für eine Weile von der Welt abzuwenden und in Zwiesprache mit ihrem Gott zu treten.. Vielleicht ist es gerade der Anblick dieser vereinzelten, in Andacht versunkenen Menschen, der die eintretenden BesucherInnen sehr bald ebenfalls stiller werden läßt. Selbst Kinder und Jugendliche, die naturgemäß oft recht lebhaft sind, nehmen sich spürbar zurück. Ein weiterer segensreicher Umstand kommt dazu: Jedes Geräusch, das ein Mensch hier verursacht, wird aufgrund der Beschaffenheit des Raumes verstärkt auf sein Gehör zurückgeworfen und somit für ihn/ sie fast körperlich spürbar. Die Münze etwa, die in den Opferstock fällt, erzeugt ein Scheppern, das in der ganzen Kirche zu hören ist.
Wenn ich mich aus dem Trubel der Stadt in diesen Raum flüchte und mich still in eine Bank setze, weiß ich: Hier wird niemand und nichts wagen, mich auch nur 'anzurufen' : kein Mensch, kein Plakat, keine Zeitung, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet. Wenn ich will, kann ich mich hier ganz jenen Gefühlen hingeben, die ein betender Mensch vielleicht in Gegenwart anderer Menschen, nicht aber in der Gegenwart Gottes unstatthaft fände.
Ich gestehe gerne, dass sich an diesem Ort meiner Seele mancher Seufzer der Erleichterung entrang.


wird fortgesetzt

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